Zum ersten Mal seit fast zwei Wochen sind sowohl Superbenzin der Sorte E10 als auch Diesel deutlich billiger geworden. Der Preis für einen Liter E10 lag nach Daten des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Mittwoch bei 2,155 Euro. Das waren 3,3 Cent weniger als am Vortag.

Bei Diesel ging es um 2,8 Cent auf 2,419 Euro nach unten – das war der erste Rückgang nach zwölf Anstiegen in Folge. Benzin hatte sich bereits am Dienstag minimal verbilligt.

Der Rückgang an der Zapfsäule folgt auf einen sehr viel stärkeren Absturz der Ölpreise am Mittwoch, nachdem sich die Situation im Nahen Osten entspannt hatte. Experten gehen davon aus, dass es einige Zeit dauern kann, bis die Auswirkungen vollständig an den Tankstellen ankommen.

Auch aus früheren Krisen ist dieser sogenannte Rakete-und-Feder-Effekt bekannt – einem schnellen, starken Preisanstieg folgt ein nur langsamer Rückgang. Der Spielraum für Senkungen ist am Donnerstagmorgen allerdings wieder etwas kleiner geworden, da der Ölpreis wieder gestiegen ist.

Rohstoffexperte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING, prognostizierte gegenüber der „Bild-Zeitung“: „Spätestens zum Wochenende sollte Tanken wieder günstiger werden.“

Sollten ab Donnerstag tatsächlich erste Schiffe wieder durch die Straße von Hormus fahren, sollte auch der für den Sprit maßgebliche Ölpreis („Dated Brent“) rasch fallen. Noch aber gibt es keine Anzeichen für ein Ende der Blockade der Meerenge durch den Iran. Der Schiffsverkehr bleibt eingestellt. Öltanker müssten umkehren, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars, die der Revolutionsgarde nahesteht.

Chef des Kartellamts fordert Preissenkungen

Auch Deutschlands oberster Wettbewerbshüter fordert die Tankstellenbranche auf, die Preise für Benzin und Diesel rasch zu senken. Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, sagte dem „Handelsblatt“: „Sinkende Rohölpreise sind ein klares Signal – und sie sollten sich auch zeitnah an der Zapfsäule widerspiegeln.“

In der Vergangenheit seien Preise als Folge höherer Kosten sehr schnell gestiegen und langsamer gesunken, wenn die Kosten wieder gesunken seien. Mundt machte deutlich, dass er das kritisch sieht und nun „eine zügige Weitergabe der Entlastung“ erwarte.

Benzinpreis stieg schneller als in den Nachbarländern

Insgesamt ist Tanken derzeit sehr viel teurer als vor Kriegsausbruch. Bei E10 sind es rund 38 Cent, bei Diesel etwa 67 Cent. Bisherige Maßnahmen der Bundesregierung gegen die steigenden Spritpreise haben keine durchschlagende Wirkung gezeigt.

Im Gegenteil: Daten der EU-Kommission, die die Nachrichtenagentur dpa ausgewertet hat, zeigen, dass der Benzinpreis in Deutschland zuletzt deutlich schneller gestiegen ist als in den EU-Nachbarländern.

Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum vom vorletzten zum letzten Montag, umfassen also auch mehrere Tage, an denen die neue 12-Uhr-Regel galt, nach der die Preise nur noch einmal täglich zur Mittagszeit erhöht werden dürfen.

Kritiker der neuen Regel hatten bereits im Vorfeld davor gewarnt, dass sie die Preise antreiben statt senken könnte. Ob dies der Fall ist, lässt sich aus den Daten allerdings nicht klar ablesen. Zudem ergaben sich beim Dieselpreis keine klaren Auffälligkeiten.

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