Die Welt atmet auf, nachdem US-Präsident Donald Trump seine Ankündigung zurückgezogen hat, die gesamte iranische Zivilisation auszulöschen. Stattdessen einigten sich die USA und der Iran offenbar auf eine zweiwöchige Waffenruhe – der vom Iran vorgelegte Zehn-Punkte-Plan wurde von Trump als sehr gute Basis für Verhandlungen bezeichnet.
Auch für den internationalen Handel ist das eine gute Nachricht. Der iranische Außenminister kündigte die Öffnung der Straße von Hormus an, der Schiffsverkehr durch die Meeresenge solle wieder möglich gemacht werden.
Doch große Reedereien lassen bisher keine Schiffe durch die Meerenge fahren – zu groß ist offenbar ihr Misstrauen gegenüber Iran. Sie halten die Lage noch für zu unübersichtlich. Die vereinbarte Waffenruhe biete noch keine vollständige Sicherheit für den Seeverkehr, sagte ein Unternehmenssprecher der dänischen Containerreederei Maersk, die nach Transportmenge die weltweit zweitgrößte ist. Im Golf befinden sich derzeit zehn Schiffe von Maersk. Man prüfe die Auswirkungen der Einigung.
Der Verband deutscher Reeder (VDV) ist ebenfalls skeptisch. Die aktuelle Nachrichtenlage sei ein hoffnungsvolles Signal, aber: „Solange die Details nicht vorliegen und die Sicherheit nicht gewährleistet ist, bleibt die Lage angespannt“, sagte ein Verbandssprecher auf Anfrage zu Capital.
Seit Ende Februar sitzen dem Verband zufolge noch immer mehr als 2000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. „Darunter befinden sich mindestens 50 Schiffe von zehn deutschen Reedereien mit etwa 1000 Seeleuten an Bord“, so der VDV-Sprecher.
Iran will Gebühr fürs Passieren der Schiffe
Logistikexperte Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft kann verstehen, dass die Reedereien der Waffenruhe nicht trauen. „Ich denke, was die Reedereien aktuell daran hindert zu handeln, ist, dass sie auf die Ansagen der Versicherer warten müssen“, sagt Puls. Noch sei es zu früh, um von einer vollständigen Sicherheit für die Schiffe zu sprechen.
Außerdem sei noch unklar, was es mit der Gebühr auf sich habe, die Schiffe zahlen sollen, wenn sie die Straße von Hormus passieren wollen. So sollen die Iraner Medienberichten zufolge Durchfahrtszahlungen in Höhe von 2 Mio. Euro pro Schiff fordern. Das Geld wolle sich das Land mit dem Oman teilen. Sollte diese Durchfahrtsgebühr tatsächlich verlangt werden, glaubt Experte Puls, „dass die Reeder die Kosten garantiert weitergeben werden – schlussendlich auch an die Endkonsumenten“. Puls weiter: „Das könnte man dann schon als strategischen Sieg des Iran sehen.“ Die Meeresenge sei als internationales Gewässer normalerweise frei von solchen Abgaben.
Auch Trump will abkassieren
Auch die Amerikaner wollen von dem Frieden finanziell profitieren. Trump schrieb auf der Plattform Truth Social, dass nun viel Geld verdient werde. Eine Art bezahlter Geleitschutz für die Schiffe durch die Amerikaner? Puls hält das für eher unwahrscheinlich. Niemand wisse, wie viele Seeminen in der Meeresenge platziert seien, die USA hätten seiner Kenntnis nach auch keinen Minenräumer in der Nähe, der zum Einsatz kommen könnte. Außerdem brauche es keinen Geleitschutz, wenn auch nicht gefeuert wird. „Ich sehe nicht, wie die Amerikaner davon profitieren können. Verlautbarungen dieser Art auf dem Social-Media-Account von Donald Trump würde ich mit Vorsicht betrachten“, so Puls.
Ab Freitag sollen weitere Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad stattfinden. Die Reedereien hoffen, dass in den kommenden Tagen und Wochen dann mehr Klarheit herrscht. Dass der internationale Handel schnell zur Normalität zurückkehrt, hält Ökonom Puls für ausgeschlossen: „Das ist vergleichbar mit einem Schweizer Uhrwerk, in das Sand gekippt wurde. Trotz Umkippen und Leerklopfen wird es dauern, bis dieses System wieder läuft.“
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