Privatleute parken Milliarden auf Sparkassen-Konten - und bekommen dafür kaum Zinsen. Das Geld könnte sinnvoll eingesetzt werden. Ein neues Angebot soll für Bewegung sorgen.

Deutschlands Sparkassen wollen im Stil von Neo-Brokern mehr Kunden zu Wertpapieranlegern machen und so zugleich Gelder für Investitionen in Europa mobilisieren. "Das politische Interesse in Europa sollte sich stärker darauf richten, europäisches Kapital für europäische Investments zu gewinnen. Da wünschen wir uns mehr den Fokus auf ganz normale Privatanleger", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Ulrich Reuter, in Frankfurt.

"Wir regen an, gemeinsam neue Modelle für eine Mobilisierung privaten Kapitals für europäische Infrastrukturen zu entwickeln. Und dem mindestens genau so viel Aufmerksamkeit wie einer europäischen Kapitalmarktunion zu schenken", sagte Reuter.

Tagesgeld: Beliebt, aber oft unrentabel

Tatsächlich schlummern gewaltige Summen auf meist niedrig verzinsten Tagesgeldkonten - auch bei den öffentlich-rechtlichen Sparkassen, die dafür nach Analysen von Vergleichsportalen wie Verivox im Schnitt sogar noch weitaus weniger Zinsen zahlen als überregionale Kreditinstitute.

Die – in aller Regel unverzinsten - Sichteinlagen bei den 339 Sparkassen erhöhten sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr um fast 48 Milliarden Euro auf 845,1 Milliarden Euro. "Gerade in unsicheren Zeiten will man liquide bleiben. Faktisch verliert man damit aber Geld", sagte Reuter.

Zwar investierten die Privatkunden der Sparkassen der Jahresbilanz zufolge auch stärker in Wertpapiere wie Fonds und ETFs: Der Nettoabsatz, also Käufe minus Verkäufe, lag mit 18,4 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahresergebnis. Vor allem mit Blick auf das Rekordjahr 2023 sei aber noch Luft nach oben, sagte Reuter.

Wertpapierhandel soll einfacher werden 

Mit "S-Neo" ermöglichen die Sparkassen künftig den Handel von mehr als 21.000 Wertpapieren direkt in der App. Zunächst soll das Angebot den 19,8 Millionen Nutzerinnen und Nutzern der Sparkassen-App zur Verfügung stehen, perspektivisch soll es auch für Menschen geöffnet werden, die bislang noch keine Sparkassenkunden sind.

"Die Preisentscheidung liegt bei den Instituten selbst. Ich habe aber die Erwartung, dass S-Neo in der Angebotsbreite und bei den Preisen absolut wettbewerbsfähig zu anderen Neo-Brokern sein wird", sagte Reuter. "Wir glauben sogar, dass wir im Gesamtpaket besser sein werden als jeder heutige Neo-Broker."

Bilanziert wird im nächsten Jahr. Für 2025 ergab sich für die Sparkassen nach vorläufigen Zahlen ein Vorsteuergewinn von 7,9 (2024: 7,4) Milliarden Euro. Unter dem Strich stehen unverändert 2,8 Milliarden Euro Überschuss.

dpa

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