Die angeschlagene Warenhauskette Galeria erwägt Standortschließungen. „Im Zuge mittelfristig auslaufender Mietverträge führt das Unternehmen in den kommenden Wochen intensive Verhandlungen zur Flexibilisierung von Mietkonditionen an acht der insgesamt 83 Filialstandorte“, heißt es in einer Konzernmitteilung. Man kämpfe für den Erhalt der Filialen. Voraussetzung seien aber wirtschaftlich nachhaltige Mietmodelle. „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen.“

Auf der Kippe stehen Standorte in sechs Städten, darunter auch sehr prominente Filialen wie die am Kurfürstendamm in Berlin oder in der Hohe Straße in Köln. Weiterhin betroffen sind Mannheim, Braunschweig, Aschaffenburg, München Rotkreuzplatz sowie Berlin Hermannplatz und Köln Breite Straße.

„Wir sind uns unserer Rolle und Relevanz in den besten Einzelhandelslagen Deutschlands sehr bewusst“, sagt Philipp Kretzer, der Vertriebschef von Galeria. Allerdings müsse seinem Unternehmen auch ein langfristig positives operatives Ergebnis ermöglicht werden.

Das Unternehmen drängt daher auf niedrigere Mieten. Die entsprechenden Verhandlungen seien auch bereits angelaufen und würden „mit der notwendigen Konsequenz geführt“. Für den Fall von Schließungen kündigt die Geschäftsführung bereits Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan an.

Gerungen wird darüber hinaus auch um die Zukunft der Filiale am Alexanderplatz in Berlin. Kürzlich hatten sich Galeria und der Standorteigentümer Commerz Real auf eine Laufzeitverlängerung zumindest bis Ende März 2027 geeinigt. Der Vermieter strebt eine Mischnutzung an und wünscht sich unter anderem den Einzug der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB). Dieser Option steht der Berliner Senat offen gegenüber, bislang scheiterte eine Einigung dem Vernehmen nach aber an der Miethöhe. Seit Monaten schon ringen die drei Seiten um die Zukunft des Warenhauses im Zentrum von Berlin.

Bei Galeria scheint die Lage insgesamt erneut angespannt. Zumal das Weihnachtsgeschäft für den stationären Einzelhandel insgesamt und für das Unternehmen im Speziellen nicht so gelaufen ist wie erhofft. Galeria selbst spricht von einer „national angespannten Marktsituation des innerstädtischen Einzelhandels“. Die Warenhauskette hat bereits drei Insolvenzen durchgemacht, die bislang letzte ist rund zwei Jahre her.

Neun Standorte wurden im Zuge dessen geschlossen. Der Umsatz der verbliebenen 83 Filialen lag im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2024/2025 bei mehr als zwei Milliarden Euro. Mittlerweile gehört das Handelsunternehmen der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Der Firmensitz wurde zuletzt von Essen nach Düsseldorf verlegt.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.

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