Die deutschen Exporteure sind mit einem Dämpfer ins Jahr 2026 gestartet. Im Januar wurden Waren im Wert von 130,5 Milliarden Euro in alle Welt verkauft, ein Minus von 2,3 Prozent zum starken Vormonat Dezember, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Exporte um 0,6 Prozent zu.

Deutliche Rückgänge gab es im Geschäft mit Europa: Die Ausfuhren in die EU-Staaten schrumpften um 4,8 Prozent zum Vormonat Dezember auf 71,6 Milliarden Euro. Zudem brachen die Exporte nach China um gut 13 Prozent ein auf 6,3 Milliarden Euro. Zuwächse erzielten die deutschen Unternehmen dagegen in ihrem wichtigsten Exportland, den USA. Dorthin stiegen die Ausfuhren kräftig um 11,7 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro.

Nach Deutschland importiert wurden im Januar Waren im Wert von 109,2 Milliarden Euro. Das waren 5,9 Prozent weniger als im Vormonat Dezember und 4,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

2025 waren die deutschen Exporte dank eines starken Dezembers erstmals seit zwei Jahren wieder leicht gewachsen – trotz des Zollstreits mit den USA unter Präsident Donald Trump. Zwar brachen die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten ebenso ein wie nach China, doch das Europa-Geschäft wuchs kräftig. Für dieses Jahr erwartet der Außenhandelsverband BGA ein Plus von 0,6 Prozent.

Zuletzt hatte sich die Stimmung der Branche verbessert. Die Ifo-Exporterwartungen stiegen im Februar in den positiven Bereich. Von einer breiten Erholung könne jedoch noch keine Rede sein, hieß es zu den Daten, die noch vor Beginn des Iran-Kriegs veröffentlicht wurden. Mit der Eskalation im Nahen Osten wachsen die Sorgen um die deutsche Wirtschaft, unter anderem, weil die gestiegenen Ölpreise den Transport von Waren verteuern. Das trifft die Exportnation Deutschland besonders.

Wirtschaft spricht von „verkorkstem Jahresstart“

Aus der Wirtschaft kamen erste Reaktionen, die zwischen Sorge und vorsichtigem Optimismus schwanken. Carsten Brzeski, ING-Chefsvolkswirt, sagte: „Auch künftig sehen sich die deutschen Exporte starkem Gegenwind ausgesetzt. Die US-Zölle belasten die Ausfuhren weiterhin und dürften ihre volle Wirkung erst in diesem Jahr entfalten – ungeachtet der neuen Unsicherheit seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs.

Gleichzeitig litten die deutschen Exporteure unter einem dreifachen China-Schock: einer schwächeren Nachfrage ⁠nach deutschen ​Produkten in China, einem zunehmenden ‌Wettbewerb durch chinesische Hersteller auf Drittmärkten und in der EU und schließlich der Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden. Der Krieg im Nahen Osten, stark steigende Energiepreise und potenziell neue Reibungen in den Lieferketten sind nur die jüngsten Belastungen in einer langen Reihe.“

Der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, sagte: „Der verkorkste Jahresstart sollte nicht fehlinterpretiert werden. Noch immer sind die Vorzeichen günstig für höhere gesamtwirtschaftliche Wachstumsraten. Die Auftragseingänge hatten zum Jahresende 2025 einen äußerst guten Lauf, und in Anbetracht ‌der öffentlichen Mittel für Rüstung und Infrastruktur werden sich die ⁠Auftragsbücher in den kommenden Monaten weiter füllen. ​Zwar werden nicht alle Industrien in gleichem Maße davon profitieren, für das Wachstum insgesamt brechen aber bessere Zeiten ⁠an.

Für die Exportwirtschaft werde entscheidend sein, ob sich die Zollkonflikte beruhigen und ob die Ölpreise fallen. Höhere Energiekosten wären für das globale verarbeitende Gewerbe eine schwerwiegende Belastung. Eine daraus resultierende geringe Investitionsneigung ‌würde gerade die deutsche ⁠Industrie deutlich treffen.“

Und Alexander Krüger, Chefvolkswirt von Hauck Aufhäuser Lampe: „Der ​Rückgang ⁠ist verkraftbar, die Gegenbewegung ​zum guten Vormonat moderat ausgefallen. Angesichts mangelnder Wettbewerbsfähigkeit werden sich Exporte kaum zu neuen Höhen aufschwingen. ‌Wegen ​der US-Zölle wird es auch erst noch zu negativen Mengenreaktionen kommen. ‌Der ‌gestiegene Rohölpreis ist ein neues Hemmnis für den Sektor. Alles in allem zeigen die Konjunkturdaten einen misslungenen Start der deutschen Wirtschaft ​ins laufende ‌Jahr.“

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