Deutschlands Maschinenbauer zeigen sich besorgt über die hohen Umfragewerte der AfD in den Bundesländern mit Landtagswahlen 2026. Das Land drifte bei Wahlerfolgen der AfD in eine „ganz gefährliche Richtung“, sagte Bertram Kawlath, der Präsident des Maschinen- und Anlagenbauverbandes VDMA, gegenüber WELT AM SONNTAG.
„Das Wirtschaftsprogramm dieser Partei sieht vor, die EU zu verlassen, den Euro abzuschaffen und dazu auch die Nato zu verlassen. Das aber ist ein Angriff auf die Sicherheit und den Wohlstand unseres Landes.“ Ein Nato-Austritt öffne Tür und Tor für die Zerstörungswut böswilliger Staaten. „Wenn wir die EU und den Euro verlassen, zerstören wir unser Auslandsgeschäft. Das deutsche Wirtschaftsmodell gründet aber auf Exporten“, sagte Kawlath.
Den bisherigen Regierungsparteien warf der Unternehmer „Angst vor dem Wähler“ vor. „Falsch und verstörend ist es, wenn man nicht den Mut aufbringt, Dinge umzusetzen, die man auf breiter Basis für richtig erkannt hat, weil man Angst hat, dass es jemandem wehtut.“ Das sorge am Ende für Politikverdrossenheit und stärke die Ränder, warnte Kawlath. „Eine große Mehrheit sieht den Reformstau und wartet darauf, dass die demokratische Mitte endlich ins Handeln kommt.“
Den größten Bedarf sieht der VDMA beim Thema Wettbewerbsfähigkeit. Um den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder zu stärken, müssten die Unternehmenssteuern gesenkt, Bürokratie abgebaut und der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden.
„Statt einer täglichen sollte es eine wöchentliche Höchstarbeitszeit geben. Wir müssen auch wieder mehr arbeiten, mindestens 40 Stunden. Und länger: Mit einem Rentenalter von 65 und einer Frühverrentung mit 63 werden wir die Herausforderungen der Demografie niemals bewältigen“, sagte Kawlath. Außerdem müssten die Nebenkosten für Arbeit massiv gesenkt werden. „Dass wir bei den Sozialabgaben in Richtung von 50 Prozent marschieren, ist eine Katastrophe. Weiter so ist keine Option mehr.“
Kritik übte der VDMA-Präsident zudem am sogenannten „Industrial Accelerator Act“ der EU, hinter dem die Idee einer Stärkung der europäischen Wirtschaft steht durch die Bevorzugung europäischer Produkte in öffentlichen Ausschreibungen. „Local Content ist keine Lösung“, sagte Kawlath. Damit lasse sich kein Standort retten. „Buy European klingt zwar nach einer einfachen Lösung. Aber am Ende verschließt man damit die Augen vor dem Wettbewerb und hofft, dass er damit verschwindet. Aber er ist nicht wirklich weg.“
Ausnahmen könne es aber im Rüstungsbereich geben und bei strategisch relevanten Zukunftstechnologien, die für die europäische Souveränität entscheidend sind.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.
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