Die Vereinigung Cockpit (VC) rechnet wegen des Kriegs zwischen Israel, den USA und dem Iran mit steigenden Ticketpreisen im Flugverkehr. Umwege führten zu höherem Kerosinverbrauch, längeren Einsatzzeiten für Cockpit- und Kabinenpersonal sowie zu zusätzlichem organisatorischem Aufwand.
„Diese Faktoren können sich in den Ticketpreisen niederschlagen“, erklärte die Pilotengewerkschaft gegenüber Capital. Neben der Dauer der Kampfhandlungen trügen auch die steigenden Anforderungen an Sicherheits- und Krisenmanagement zur Kostensteigerung bei. Sollte der Ölpreis deutlich steigen, „wäre auch mit Auswirkungen auf Flugpreise zu rechnen“.
Zum Ausmaß eines möglichen Preisschubs äußerte sich die Gewerkschaft nicht. Erste Beobachtungen aus der laufenden Krise zeigen jedoch bereits Effekte: In Indien haben sich die Ticketpreise einem Medienbericht zufolge auf einzelnen Europa-Verbindungen nahezu verdoppelt oder liegen 200 bis 300 Prozent über dem sonst üblichen Niveau, weil Airlines teils über weit entfernte Umsteigepunkte fliegen müssen.
Irankrieg: Flugverkehr verengt sich
Wegen des Irankriegs ist der Luftraum in weiten Teilen des Nahen Ostens derzeit stark eingeschränkt. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) empfahl Fluggesellschaften, die Lufträume von Bahrain, Iran, Irak, Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon, Oman, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien vollständig zu meiden. Einzelne Staaten wie der Irak haben ihren Luftraum für den zivilen Verkehr ganz geschlossen.
Damit sind zentrale Flugkorridore zwischen Europa und Asien gestört. Verbindungen nach Indien oder Südostasien verlaufen üblicherweise je nach Wetterlage und Verkehrsaufkommen über die Golfregion, den Irak oder Iran, teils auch über Afghanistan. Fluggesellschaften umfliegen das Krisengebiet deshalb großräumig, wie Live-Daten des Portals Flightradar zeigen.
Nach Angaben der Pilotengewerkschaft VC führt dies zu einer deutlich erhöhten Verkehrsdichte südlich des Sinai, über der Mitte und dem Süden Saudi-Arabiens, über Oman und teilweise auch über Afghanistan. Dort verlaufe der Verkehr in teils engen Korridoren, die an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen könnten.
Gefahren nicht nur durch Beschuss
Die Sicherheitslage bewertet die Vereinigung Cockpit als äußerst kritisch. In Gebieten, „in denen zahlreiche Raketen und Drohnen auftreten, Einsätze von Kampfflugzeugen geflogen werden und Flugabwehr operiert“, sei „ein sicherer Betrieb für den zivilen Luftverkehr völlig ausgeschlossen“. Gefahren entstünden nicht nur durch direkte Waffeneinwirkung. Auch eine eingeschränkte Qualität der Flugsicherung oder Störungen satellitengestützter Bordsysteme stellten Risiken dar.
Fluggesellschaften seien daher verpflichtet, Krisengebiete kontinuierlich zu analysieren und Routen frühzeitig anzupassen. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation empfehle ausdrücklich ein Vorsorgeprinzip, also das rechtzeitige Meiden gefährdeter Regionen. Leider sehe man immer wieder, dass Fluggesellschaften versuchten, „ihre Operation bis zum letztmöglichen Zeitpunkt aufrechtzuerhalten“ und nicht vorausschauend handelten, erklärte die VC.
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