Der Spirituosenhersteller Mast-Jägermeister ist 2025 gegen den Branchentrend gewachsen. Von der Kernmarke Jägermeister hat der Mittelständler aus Wolfenbüttel in Niedersachsen im vergangenen Jahr 117,6 Millionen 0,7-Liter-Flaschen an den Lebensmitteleinzelhandel sowie an Importeure und Großhändler verkauft, das sind 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz wiederum stieg um knapp zwei Prozent auf 882 Millionen Euro. Die Zahlen liegen WELT AM SONNTAG exklusiv vor.

Damit entzieht sich das Familienunternehmen dem anhaltenden Abwärtstrend der Branche. In Deutschland zum Beispiel, dem nach wie vor wichtigsten Absatzmarkt für Jägermeister, verzeichnete der Spirituosenmarkt laut den Marktforschern von NielsenIQ ein Umsatzminus von fünf Prozent. Im zweitwichtigsten Absatzmarkt USA wiederum musste die Branche laut dem Distilled Spirits Council of the US (Discus) einen Umsatzrückgang von gut zwei Prozent hinnehmen. Den Weltmarkt insgesamt sehen Marktforscher stagnierend, gleichwohl mit einer Wertsteigerung aufgrund einer Premiumisierung.

Dass Jägermeister trotzdem Erfolge feiert, liegt derzeit vor allem an Orange. Allein die Hälfte des Wachstums geht auf die neue Variante zurück. „Damit bedienen wir neue Konsumanlässe“, sagte Vorstandschef Volke, der ohnehin einen Trend zu „helleren, leichteren und mixbaren Spirituosen“ sieht. Zugelegt hat laut Volke aber auch der klassische Jägermeister, selbst in Deutschland wie auch im zollgeplagten US-Markt. In Übersee hatte das allerdings seinen Preis. „Wir haben die Zölle geschluckt, damit das Geschäft keinen Schaden nimmt“, sagte der Manager.

Getrübt wurde die Jahresbilanz von der Entwicklung bei Teremana. Das ist ein Premium-Tequila, 2020 auf den Markt gebracht vom bekannten Hollywood-Schauspieler Dwayne „The Rock“ Johnson. Mast-Jägermeister ist seit 2022 als strategischer Partner für den weltweiten Vertrieb zuständig und hält zudem eine Minderheitsbeteiligung. 2025 war die Entwicklung nun erstmals rückläufig bei Teremana: 13,3 Millionen 0,7-Liter-Flaschen wurden verkauft – nach 14,8 Millionen im Vorjahr.

„Der ganz große Tequila-Hype in den USA hat sich merklich abgekühlt“, sagte Firmenchef Volke. „Wir sehen aber weiterhin großes Potenzial. Denn bislang gibt es Teremana vorwiegend in Nordamerika, wir bringen die Marke nun raus in die ganze Welt.“ Nervös werde er dabei nicht angesichts der schwächelnden Zahlen. „Das kostet Zeit. Aber die haben wir als Familienunternehmen. Und wir sind alle überzeugt: Das wird unsere zweite globale Erfolgsgeschichte.“

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.

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