Um den Verkauf des deutschen Raumfahrt-Laserspezialisten Mynaric entwickelt sich ein brisanter Bieterwettbewerb. Nach WELT-Informationen aus Branchenkreisen ist der Rüstungskonzern Rheinmetall an einer „nationalen Lösung“ mit einer Mynaric-Übernahme interessiert. Dies würde den bislang geplanten Verkauf des High-Tech-Unternehmens an den US-Raumfahrtkonzern Rocket Lab torpedieren. Rheinmetall erklärte auf Anfrage, dass der Konzern, wie in anderen Vergleichsfällen, Themen über mögliche Zukäufe nicht kommentiert.
Im März 2025 hatte Rocket Lab den Kauf von Mynaric für 75 Millionen Dollar angekündigt, falls die Bundesregierung dem Verkauf ins Ausland zustimmt. Diese Einwilligung ist wegen der zivil-militärischen Anwendungen der Technik notwendig. Die Entscheidung liegt im Bundeswirtschaftsministerium unter Leitung von Katherina Reiche (CDU). Doch die in der Branche schon längst erwartete Zustimmung wurde bereits mehrfach vertagt.
Mynaric wurde 2009 gegründet und ist im Zukunftsmarkt der Satellitenkommunikation über Laserstrahlen tätig, wie sie von den großen Konstellationen wie Starlink von SpaceX genutzt wird. Die Technologie gilt als strategisch wichtig, zumal Deutschland bis 2030 rund 35 Milliarden Euro in die Weltraumsicherheit investieren will. Mynaric gilt als Herausforderer des zum Airbus-Konzern gehörenden Marktschwergewichts Tesat-Spacecom und will vor allem durch kostengünstige Serienfertigung punkten. Durch Lieferverzögerungen geriet Mynaric jedoch in eine Schieflage und musste die US-Börsennotierung einstellen.
Im Frühjahr 2025 konnte Mynaric nur durch ein Sanierungsverfahren (StaRUG) mit dem Ausscheiden aller Altaktionäre gerettet werden. Eine Schlüsselrolle spielten dabei Darlehen der zum Allianz-Konzern gehörenden US-Investmentgesellschaft Pimco. Dieser finanzielle Neustart ermöglichte das Übernahmeangebot des US-Raumfahrtkonzerns Rocket Lab, der zu den Mynaric-Kunden gehört. Rocket Lab stellt sich immer breiter auf. Die Palette reicht von Raketen über Satelliten bis zu Weltraumsensoren, vor allem für das US-Militär.
Airbus ist Konkurrent mit Lasertechniktochter Tesat
Kritiker sehen bei einer Freigabe des Einstiegs des US-Konzerns bei Mynaric einen Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologie in einem Zukunftsmarkt. Zu befürworten sei daher eine „nationale Lösung“ wie sie Rheinmetall anstrebt.
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern baut aktuell sein Raumfahrtgeschäft aus und würde mit Mynaric seine Technologiebasis verbreitern. Rheinmetall bewirbt sich laut Branchenkennern gemeinsam mit dem Bremer OHB-Konzern um den Milliardenauftrag für eine Bundeswehr-Satellitenkommunikationsflotte mit 100 bis 200 Satelliten (Projekt SATCom Bw 4), die mit Laserkommunikationstechnik ausgerüstet werden soll. Wettbewerber um diesen Auftrag ist Airbus mit seiner Lasertechniktochter Tesat.
Mynaric produziert nach eigenen Angaben derzeit Laserterminals in zweistelliger Größenordnung die Woche. Über 350 Terminals seien 2025 an Kunden ausgeliefert worden, ein Großteil davon zum Aufbau der ersten Stufe eines militärischen US-Satellitennetzwerks. Mynaric darf wegen Vertraulichkeitserklärungen mit Kunden keine genaue Anzahl nennen, bestätigt aber, dass Terminals des Unternehmens bereits im Weltraum aktiv sind.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.
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