Die städtische Messegesellschaft Hamburg Messe und Congress (HMC) lässt die wirtschaftlich schweren Jahre der Pandemie hinter sich und verzeichnet auch für 2025 einen Rekordumsatz. Die 91,7 Millionen Euro waren der bislang höchste Umsatz von HMC in einem „ungeraden“ Jahr. Einen Rekordumsatz für ein „gerades“ Jahr hatte die Messe bereits 2024 vorgelegt, es waren 140,2 Millionen Euro.
HMC betrachtet gerade und ungerade Jahren vor allem deshalb in einem Gesamtbild, weil in den geraden Jahren die beiden für Hamburg wichtigsten Messen stattfinden, die Leitmesse SMM für die internationale maritime Branche und die WindEnergy Hamburg als weltweit bedeutendste Veranstaltung der Windkraftindustrie.
Wenn es in den vergangenen Jahrzehnten einen Gewinn gab, dann nur in den geraden Jahren. 2025 verzeichnete HMC einen – vorläufigen – Jahresverlust von 14,9 Millionen Euro. 2024 hingegen hatte das Messeunternehmen 20,9 Millionen Euro Jahresgewinn verzeichnet. HMC strebt einen dauerhaft profitablen Betrieb in allen Jahren an, sagte der für die Finanzen zuständige Geschäftsführer Uwe Fischer: „Wir wollen die Lücke bei der Profitabilität in den ungeraden Jahren schließen.“
Das Gesamtprogramm von HMC umfasst eine große Spannbreite von Publikumsmessen wie Reisen & Caravaning oder die Hamburger Motorrad Tage bis hin zu Fachmessen wie die Internorga für die Hotellerie und Gastronomie oder die Aircraft Interiors Expo für die Luftfahrtbranche. Hinzu kommen jüngere Veranstaltungsformate wie die Online Marketing Rockstars für die Digital- und Marketingbranche oder die Polaris Convention für den Computerspiele- und Animationsmarkt, die Elemente von Fach- und auch von Publikumsmessen aufweisen.
Im vergangenen Jahr zählte HMC insgesamt 665.676 Menschen bei sieben Eigen- und 45 Gastveranstaltungen. Im für das Messegelände vergleichbaren Jahr 2023 waren es 554.271 Menschen. Hinzu kam das in den vergangenen Jahren generalsanierte Congress Center Hamburg (CCH) am Bahnhof Dammtor. Das CCH zählte 207.706 Menschen bei insgesamt 120 Veranstaltungen, das waren 46 Prozent mehr Besucherinnen und Besucher und 58 Prozent mehr Veranstaltungen als 2024. Darunter waren 47 Konzerte und Bälle. „Die Kultur ist zurück im CCH“, sagte Geschäftsführer Heiko M. Stutzinger.
Zugute kommt dem Kongresszentrum für das angestrebte weitere Wachstum neben der guten Lage und Bahnanbindung vor allem auch die gestiegene Kapazität: 16.500 Menschen dürfen sich nun zugleich im CCH aufhalten, bislang war die Kapazität auf 12.000 Personen beschränkt. Für dieses Jahr sind im CCH neben vielen Fachkongressen und anderen Veranstaltungen auch Konzerte von Ina Müller und Rea Garvey geplant.
HMC will mit Eigen- und Gastveranstaltungen, mit neuen Formaten und der Vertiefung erfolgreicher Schwerpunkte in den kommenden Jahren deutlich weiter wachsen. „Wir legen seit zwei Jahren einen sehr klaren Fokus auf die Entwicklung neuer Veranstaltungen. Dabei planen wir nicht bis ins letzte Detail, sondern setzen auf Geschwindigkeit und geben den Formaten Raum, sich zu entwickeln“, sagte Stutzinger. „Wir orientieren uns dabei an der etablierten Arbeitsweise von Start-ups, weil wir glauben, dass sich diese hervorragend für unsere Veranstaltungen adaptieren lässt. Anders wäre die hohe Zahl an neu konzipierten Veranstaltungen auch nicht möglich.“
So zu arbeiten, bedeute allerdings auch, „Scheitern in Kauf zu nehmen“, sagte Stutzinger: „Das heißt: Nicht alle diese Messen und Kongresse werden zu langlebigen großen Veranstaltungen heranwachsen. Wir können insgesamt aber schneller reagieren, sind einfach agiler.“
Für Hamburg als mittelgroßen Messestandort sehen die beiden Geschäftsführer bei der weiteren Entwicklung gleichermaßen Vor- und Nachteile: Von Vorteil sind aus Sicht von Stutzinger und Fischer die im Vergleich zu größeren Messestandorten wie Frankfurt oder Hannover geringeren Fixkosten für die Erhaltung und Erneuerung der Anlagen. Mit seiner touristischen Attraktivität und seinen guten Bahnanbindungen wiederum habe Hamburg „ein echtes Pfund“, sagte Stutzinger.
Bei den Nachteilen sehen die beiden Messechefs die mangelnden transkontinentalen Flugverbindungen des Hamburg Airport. Vergleichsweise schwierig sei auch die Ausweitung des internationalen Geschäftes. Große Messestandorte nutzten dafür zahlreiche Niederlassungen und Tochterunternehmen im Ausland, das sei für HMC nicht möglich.
Dennoch sind den Hamburgern in den vergangenen Jahren auch Akquisitonen von Veranstaltungen auf internationaler Ebene gelungen, etwa für die Windkraft-Industrie gemeinsam mit asiatischen Partnern in Singapur oder auch der Sicherheitskongress Global Security and Innovation Summit gemeinsam mit einem britischen Partner, der 2025 erstmals in Hamburg stattfand.
Wichtigster einzelner Themenbereich bleiben die Energiewende und die erneuerbaren Energien rund um die maritime Messe SMM und die WindEnergy Hamburg im September der geraden Jahre. Dieser Schwerpunkt wird in diesem Jahr erneut – zum zweiten Mal nach 2024 – durch die Gastmesse Hydrogen Technology Expo für die Wasserstoffwirtschaft ergänzt. „Das sind die ,großen Drei‘ Messen für das Thema Transformation des Energiesystems“, sagte Stutzinger. Mit Premieren von Eigen- und Gastveranstaltungen auch in diesem Jahr plant HMC erneut einen Umsatzrekord für ein gerades Jahr, und zwar von 158,5 Millionen Euro.
Große Erwartungen setzen die Geschäftsführer von HMC auf das Hamburger Olympiareferendum Ende Mai. Im Jahr 2015 war eine Bewerbungskampagne an einem Referendum knapp gescheitert. Dieses Mal geht es um eine Austragung Olympischer und Paralympischer Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044.
„Wir sind überzeugt davon, dass eine Hamburger Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele richtig und wichtig ist“, sagte Stutzinger. „Es ist eine Riesenchance für Hamburg und die Metropolregion. Wir rufen die Bürgerinnen und Bürger deshalb dazu auf, bei dem Referendum mit Ja zu stimmen.“
Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit vielen Jahren auch über das Messegeschäft in Hamburg.
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