Seit November ist in einem der wichtigsten Dokumente des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) etwas anders: Es ist von Krieg die Rede. Dieser scheine „nicht mehr so ausgeschlossen zu sein wie noch vor einigen Jahren“, heißt es im aktuellen Ratgeber zu Vorsorge-Maßnahmen, die die Bevölkerung für Krisenzeiten treffen sollte. Das Amt veröffentlichte den Ratgeber zusammen mit einer Notfall-Checkliste auf seiner Website.
Es ist nicht die erste Krisen-Packliste des BBK und doch Bruch mit einer Tradition der Zurückhaltung. Bisher sprach man bei der Behörde nur abstrakt von „Krisensituationen“ oder „Notfallvorsorge“. Für die aktuelle Version, so heißt es in einer Mitteilung, habe man sich zu einer „grundlegenden Überarbeitung“ der Hinweise verpflichtet gefühlt, um auf „neue Lebensrealitäten“ einzugehen. Umfragen hätten zudem gezeigt, dass sich die Deutschen mehr Informationen und Empfehlungen zu diesem Thema wünschten.
Checkliste: Geld, Messer, Klopapier
Dass Vorsorge tatsächlich essenziell sein dürfte, bestätigen auch Einschätzungen anderer Experten. Deutschland liege insgesamt nur bei „vier bis fünf“ von möglichen zehn Punkten bei der Krisenvorsorge, sagte etwa der Experte Ferdinand Gehringer vor einigen Wochen im Interview mit WELT. Erst im Januar legte ein Anschlag auf das Stromnetz die Infrastruktur in weiten Teilen Berlins lahm. Die Checkliste zeigt, wie es besser geht.
Vorab aber eine Klarstellung des BBK: Um Verunsicherung gehe es im Ratgeber ausdrücklich nicht, sondern um die „individuelle Handlungsfähigkeit“, die „im Ernstfall die Einsatzkräfte entlastet“, so das Amt auf Nachfrage. Entsprechend nüchtern ist auch die Checkliste als Teil des gesamten Ratgebers gehalten. Hier wird genau aufgeführt, welche Gegenstände für den Notfall wichtig sind. Darunter: Geld, Messer, Klopapier. Aber auch Artikel, die weniger offensichtlich sind: Sonnencreme, Arbeitshandschuhe, Schutzhelme.
Für bis zu zehn Tage sollten die Vorräte halten, rät das BBK. Beim Wasser gilt laut den Experten etwa eine einfache Faustregel: Zwei Liter pro Person und Notfall-Tag. Auch eine Kochgelegenheit wie ein Camping-Kocher und Futter für Haustiere tauchen in der Liste auf. Dazu Ausstattung wie Taschenlampen oder Taschenmesser, ein Feuerzeug, Batterien oder Hygieneartikel. Oft helfe schon eine Grundausstattung: 53 Prozent der Deutschen haben laut Umfragen aus dem Oktober zufolge überhaupt nicht vorgesorgt.
Tatsächlich sind Anpassungen in den Anleitungen des BBK erst einmal nichts Neues. Schon seit 2004 werden von dem Bundesamt immer wieder Hinweise zur Katastrophenvorsorge publiziert und regelmäßig überarbeitet. Den Ratgeber mit Tipps zur Vorgehensweise im Extremfall gibt es schon seit 2013, um aktuell zu bleiben, erscheint jährlich eine neue Auflage.
Taschenlampe
BKK-Empfehlung: Essenzielle Gegenstände für den Notfall kaufen
Gleichzeitig geben die Anpassungen aber guten Einblick, was das BBK gerade tatsächlich für eine Bedrohung hält. Neu sind im Textteil des Ratgebers neben der Vorbereitung auf einen Kriegsfall Handlungsempfehlungen zu Desinformation, Schutzorten und mentaler Gesundheit. In den Jahren zuvor rieten die Experten nicht dazu, Quellen von Online-Nachrichten zu überprüfen und im Umgang mit Ängsten Sport zu machen oder Entspannungstechniken anzuwenden. Naheliegend ist, dass man bei diesen Themen von einer Zunahme der Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.
Batterien
„Insgesamt komplexere Gefährdungslage“
WELT fragte, für wie bedrohlich die Macher des Papiers die politische Lage gerade halten und welche Gefahren wirklich bestünden. „Wir beobachten eine insgesamt komplexere Gefährdungslage“, so das BBK dazu. Für besonders relevant hält man bei der Behörde dabei nicht einen militärischen russischen Angriff, sondern „Naturgefahren wie Hochwasser oder Extremwetter. Aber auch länger andauernde Stromausfälle – etwa infolge technischer Störungen oder Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen.“ Letztere könnten immerhin als Teil einer modernen Kriegsführung verstanden werden, wie sie in den vergangenen Jahren üblich wurde.
Das mag weitreichende Gründe haben. Jahrelang wurde das Thema in Debatten außer Acht gelassen oder kleingeredet. Verschiedene Medien rückten während Corona-Krise private Lebensmittelhaltung oder sogenannte „Prepper“, Menschen, die sich aktiv und umfangreich auf Krisen vorbereiten, in die Nähe des rechtsradikalen Milieus. Hier stellt das BBK eine Veränderung fest. „Das Bewusstsein für Krisenvorsorge ist in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen – nicht zuletzt durch die Pandemie, Extremwetterereignisse und die sicherheitspolitische Lage“, heißt es. Ziel sei „eine niedrigschwellige Orientierung zu geben und konkrete Handlungsempfehlungen bereitzustellen.“
Erste-Hilfe-Set
Eine erhöhte Nachfrage nach „Vorsorge-Produkten“ gibt es aktuell übrigens nicht. Das schreibt der Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels auf eine Anfrage von WELT. Dort gibt man aber auch zu: Diese könne schnell wieder zunehmen, das sei „immer dann zu beobachten, wenn konkrete Krisenereignisse eintreten oder medial stark wahrgenommen werden.“
Die Vorbereitungen auf ein solches Szenario laufen aber zu jeder Zeit. Das regelt das Gesetz, das Supermärkte als Teil der kritischen Infrastruktur ausweist. Sie müssen also grundsätzlich liefern. Wer nicht vorsorgt, könne im Notfall ähnlich wie bei Corona aber auch im Jahr 2026 noch vor „temporären Regallücken“ stehen, so der BVLH.
Seiner Rolle sei man sich „bewusst“, so der Verband. Was genau das heißt, verrät man dort aber nicht. Diese könnten „aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gemacht werden“.
Kurbelradio
Campingkocher
Powerbank
Kerzen
Notheizung
Feuerlöscher
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und Business Insider erstellt.
Felix Seifert ist Redakteur im Ressort Wirtschaft und Innovation. Er schreibt unter anderem über die Themen Karriere, Verbraucher, Mittelstand und Immobilien.
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