Zehn Euro sind der entscheidende Wert. Ab dieser Summe zahlen Kunden oft mit Karte, bei Beträgen darunter eher in bar. Wobei sie nicht immer die Wahl haben: Viele Händler bieten Kartenzahlung erst ab einem Einkaufspreis von zehn Euro an. Die Ergebnisse zum Zahlungsverhalten stammen aus einer 2025 veröffentlichten Studie des EHI-Retail-Instituts. Der Ausblick der befragten Händler: „Die Zahlungsgewohnheiten im Einzelhandel werden sich in den nächsten fünf Jahren erheblich ändern.“
Schon jetzt ist der Anteil der Kunden hoch, die lieber mit Karte zahlen. Klassische Kredit-, aber auch Debit- und Girokarten oder die damit per Handy verbundenen digitalen Wallets machen laut EHI 44 Prozent aller Transaktionen im Einzelhandel aus. Der so eingezogene Umsatz lag demnach 2024 bei insgesamt 314,1 Milliarden Euro – das ist eine Steigerung von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Und die Konkurrenz unter den Anbietern steigt. Die Zahl der Banken mit gebührenfreien Angeboten nimmt zu, aber auch die Konkurrenz der Institute zu privaten Dienstleistern wie PayPal oder Klarna, die auch auf „Jetzt-Kaufen-Später-Bezahlen“-Angebote setzen.
Der Finanzdienstleister Anyfin fand in repräsentativen Umfragen vom Mai 2025 heraus, dass 71 Prozent der Deutschen schon einmal einen Konsumkredit abgeschlossen haben. Während diese Tendenz steigend ist, nimmt die Verbreitung klassischer Kreditkarten eher ab. Mit 3,4 Millionen wurden 2024 in Deutschland fast 600.000 Kreditkarten weniger ausgegeben als vier Jahre zuvor. Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Kreditkarten-Eigentümer mit 46 Prozent hierzulande zudem ohnehin eher gering.
„Die Anschaffung einer Kreditkarte macht nur Sinn, wenn ich sie tatsächlich in einer bestimmten Lebenssituation benötige“, sagt Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen. Zum Beispiel bei Anzahlungen im Hotel oder wenn für einen Mietwagen im Ausland Kautionen notwendig sind.
Richtig eingesetzt, können die Karten aber auch einen Schufa-Vorteil bringen. Konten, die einen Dispokredit erlauben, und nachweislich pünktlich zurückgezahlte Kredite können den sogenannten Schufa-Score und damit die eigene Bonität verbessern. Allerdings funktioniert der Trick nicht unbegrenzt: Wer mehr als zwei Kreditkarten hat, fällt eher negativ auf.
Bei der Anschaffung einer Kreditkarte gibt es laut Lawrence einiges zu bedenken. Wichtig sei zum Beispiel, dass die Bank das gesamte Geld am Monatsende automatisch von einem Referenzkonto einzieht statt nur einen kleinen Teil, während der Rest als Kredit mit Zinsen weiterläuft.
Wer im Umgang mit einem Kredit „nicht geübt“ sei, sollte sich zudem mit dem „eigenen Budgetmanagement auseinandersetzen“. Auch gebe es immer wieder dubiose Trends am Kreditkartenmarkt – etwa, dass Kunden, um eine Karte zu bekommen, eine bestimmte Versicherung abschließen müssten.
Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG schätzt, dass in Zukunft die digitalen Angebote weiter an Relevanz gewinnen werden. Künftig könnten demnach auch immer mehr „staatlich kontrollierte digitale Währungsinitiativen“ wie die Bezahl-Infrastruktur Wero oder sogar der digitale Euro aufsteigen. Schon jetzt zeige KPMG zufolge die Zahlungsaktivität, dass Deutschland bereits über „funktionierende digitale Infrastrukturen verfügt, die als Grundlage dienen könnten“.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und Business Insider erstellt.
Felix Seifert ist Redakteur im Ressort Wirtschaft und Innovation. Er schreibt unter anderem über die Themen Karriere, Verbraucher, Mittelstand und Immobilien.
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