Nach und nach mausert sich Ikea zum Energieanbieter: Nach Solarzellen und Wärmepumpen nimmt das Möbelhaus nun auch Strom ins Programm. Taugt der Tarif etwas?

Ikea, das verbinden die meisten mit Kleiderschränken ("Pax"), Einbauküchen ("Metod") oder günstigen Gläsern ("Reko"). Nicht aber mit Balkonkraftwerken, Wärmepumpen oder gar Wallboxen. Und doch hat Ikea diese Produkte überwiegend im Laufe des vergangenen Jahres ins Programm genommen. Abgerundet wird das Angebot nun mit einem Stromtarif, genauer, einem dynamischen Tarif für Ökostrom.

Der Tarif sei für Ikea "der nächste logische Schritt, um einen aktiven Beitrag zur Energiewende zu leisten", erklärt Jacqueline Polak, bei Ikea Deutschland für das Energiethema verantwortlich. Offenbar funktioniert das bisherige Angebot zur persönlichen Energiewende bei Ikea, auch wenn das Unternehmen dazu gegenüber dem stern keine konkreten Angaben macht. Man sei noch in der Wachstumsphase.

Bislang werden die "Energielösungen" bei Ikea nur online angeboten, in den 54 Einrichtungshäusern und zehn Planungsstudios des Konzerns sind lediglich Hinweise auf das Angebot zu finden.

Ikea hat den komplizierten Stromtarif gewählt

Besonders interessant ist, dass sich Ikea ausgerechnet einen dynamischen Stromtarif ausgesucht hat. Bei normalen Tarifen gibt es einen festen, vom Stromanbieter kalkulierten Arbeitspreis, der meist für ein Jahr garantiert wird. Der dynamische Stromtarif dagegen orientiert sich direkt am Börsenstrompreis, der viertelstündlich festgelegt wird. Ein eher kompliziertes Angebot.

Sein Vorteil: Der Kunde hat die Möglichkeit, seinen Verbrauch auf Stunden zu schieben, wo Strom an der Strombörse besonders günstig ist. In der Regel ist Strom am Morgen und am Abend besonders teuer, wenn viel Elektrizität von Privathaushalten nachgefragt wird, und an sonnigen Tagen in den Mittagsstunden besonders günstig, wenn wenig verbraucht wird, aber Solarzellen besonders viel Strom liefern. Wer seinen Stromverbrauch entsprechend anpasst und einen dynamischen Tarif hat, kann also den Geldbeutel schonen – und die Umwelt noch dazu.

Das klingt verlockend, doch tatsächlich ist der Nutzen für die meisten Bürger gering. Sie können bloß Waschmaschine und Trockner gut timen. Das genügt aber nicht, um nennenswert zu sparen. Laut Analysen des Vergleichsportals Verivox lohnt es sich für den Durchschnittsverbraucher eher, häufiger den Stromtarif zu wechseln und einen Anbieterbonus mitzunehmen, als einen dynamischen Stromtarif zu wählen. Tatsächlich entscheiden sich bei Verivox so wenige für dynamische Tarife, dass man sie dort wieder aus der normalen Angebotsliste herausgenommen hat. Verivox zeigt dynamische Tarife erst, wenn man den entsprechenden Haken auf der Seite setzt.

Dynamische Tarife lohnen sich bei E-Auto oder Wärmepumpe 

Etwas anders liegt der Fall, wenn man ein E-Auto fährt und zu Hause lädt. Oder wenn man eine Wärmepumpe betreibt. Dann kann sich der dynamische Tarif durchaus lohnen. Und beides ist ja auch bei Ikea im Programm, die Kombi also logisch. Allerdings fehlt bisher in den meisten Wohnhäusern noch der Smart Meter. Das ist ein intelligenter Stromzähler, der protokolliert, wann genau wie viel Strom verbraucht wird. Und er ist Voraussetzung für den Tarif.

Viele Stromversorger mit dynamischen Tarifen bieten an, einen solchen Stromzähler kostenlos einzubauen. So ist es auch beim Angebot von Ikea. Und es ist bemerkenswert, dass Ikea immer noch von der "Energiewende" spricht und diese unterstützen will, auch wenn sich der politische Wind unter CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche inzwischen ziemlich gedreht hat.

Bleibt die Frage: Wie gut ist das Angebot? Zunächst ist zu sagen, Ikea ist gar nicht selbst Anbieter, sondern Vermittler. Das gilt für alle Energielösungen, also auch für die Wärmepumpe oder die Wallbox fürs E-Auto. Anbieter ist der schwedische Solarinstallateur Svea Solar. Ikea gewährt aber Rabatte auf alle Energielösungen von Svea, wenn man Ikea-Familiy-Mitglied ist.

Ikeas Strompreis nur im Mittelfeld

Mit der Ikea-Mitgliedschaft sinkt die Anbieter-Grundgebühr für den Ökostrom auf 5,95 Euro pro Monat. Das ist tatsächlich eine der günstigeren Monatsgebühren bei dynamischen Stromtarifen. Genauso wichtig ist aber der Anbieteraufschlag auf den Arbeitspreis, also die Servicegebühr zusätzlich zum Börsenstrompreis und zu Steuern, Netzentgelten und Umlagen. Der beträgt bei Svea/Ikea zwei Cent pro Kilowattstunde. Damit liegt der Anbieter eher im Mittelfeld. Günstige Anbieter wie Lichtblick, Naturstrom, rabot.energy oder Octopus mit vergleichbarer Grundgebühr verlangen so zwischen 0,9 und 1,8 Cent Aufschlag auf den Strompreis für ihren Service. In Summe ist Ikea damit teurer.

Am Ende spielt immer der gesamte Service eine Rolle. Gibt es Hilfe bei der Anschaffung des Smart Meters? Gibt es Apps, um das Laden des E-Autos oder die Steuerung der Wärmepumpe zu erleichtern? Wer mit dem Gedanken spielt, einen dynamischen Stromtarif zu wählen, muss einiges bedenken. Hilfreich sind dabei die Infos der Verbraucherzentrale und die Übersicht von Finanztip.

Ikea nimmt für sich in Anspruch, dass sein Gesamtpaket attraktiv sei, und peilt ein breites Publikum an. "Nachhaltige Energie sollte kein Privileg sein", sagt Jacqueline Polak, "sondern zu einer neuen Normalität werden."

Festzuhalten bleibt: Bislang sind es erst eher kleinere, weniger bekannte Anbieter, die sich bei dynamischen Stromtarifen engagieren. Zwar müssen auch die großen Stromanbieter solche Tarife vorhalten, aber meist sind das nur teure Alibiprodukte. Ikeas Entscheidung, hier mitzuspielen, dürfte die dynamischen Stromtarife bekannter machen. Eine "Revolution", wie in manchen Medienberichten behauptet wird, ist es nicht.

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