Phil Taylor gilt als einer der erfolgreichsten und bekanntesten Dartsspieler der Geschichte. Der Engländer begann seine professionelle Dartskarriere Ende der 1980er-Jahre. Seinen ersten Weltmeistertitel gewann er 1990 bei der BDO-Weltmeisterschaft. Im Laufe seiner Karriere wechselte er zur Professional Darts Corporation (PDC), wo er seine Erfolge fortsetzte.

Insgesamt gewann er 16 Weltmeistertitel, davon 14 bei der PDC und zwei bei der BDO. Damit hält er bis heute den Rekord für die meisten WM-Triumphe im Dartsport. Außerdem gewann er zahlreiche weitere bedeutende Turniere, darunter den World Matchplay und den World Grand Prix. Besonders bekannt war Taylor für seine außergewöhnliche Präzision, seine Konstanz und seine mentale Stärke. Aufgrund seiner Erfolge erhielt er den Spitznamen „The Power“. Im Jahr 2018 beendete der heute 66 Jahre alte Taylor seine professionelle Karriere nach dem Finale der PDC-Weltmeisterschaft, das er gegen Rob Cross verlor.

Frage: Mister Taylor, vor über acht Jahren haben Sie Ihren Rücktritt vom professionellen Darts bekannt gegeben. Jetzt kommen Sie zurück. Am 23. November spielen Sie im Rahmen der Modus Super Series bei einem Team-Wettbewerb in Portsmouth? Was hat Ihre Meinung geändert?

Phil Taylor: Es ist wirklich nur eine einmalige Sache. ­Modus-Geschäftsführer Jason Thame hat meinen Manager Bob kontaktiert. Bob hat mich dann gefragt, ob ich bei dieser einen Sache mitspielen würde. Und weil Adrian Lewis dabei ist, einer meiner besten Freunde, habe ich gesagt: „Ja, ich mache es.“ Für uns geht es also wirklich darum, ein bisschen Spaß zu haben.

Frage: Wie laufen die Vorbereitungen dafür?

Taylor: Schrecklich.

Frage: Schrecklich? Sie spielen also ungefähr so wie ich?

Taylor: (lacht) Vielleicht sogar schlechter. Aber ich versuche es. Ich gebe mein Bestes.

Frage: Wie lange dauern Ihre Trainingseinheiten?

Taylor: Ich trainiere tagsüber ungefähr eine Stunde. Seit meinem Rücktritt haben sich die Dinge verändert. Das Gefühl ist noch nicht wieder da.

Frage: Glauben Sie, dass es jemals zurückkommen wird?

Taylor: Wir werden sehen. Wenn ich auf der Bühne stehe, werde ich alles geben. Ich möchte Adrian nicht im Stich lassen. Aber ich habe seit ungefähr acht Jahren nicht mehr richtig gespielt.

Frage: Was ist momentan der größte Unterschied in Ihrem Spiel? Ist es die Konstanz? Die Konzentration?

Taylor: Es ist von allem ein bisschen. Ich habe meine Augen machen lassen. Ich habe eine neue Linse bekommen. Beide Augen sind jetzt nicht exakt gleich. Wenn ich ziele, kann ich den Dart deshalb nicht richtig fokussieren. Ich bin jetzt 66 Jahre alt. Der Körper verändert sich nun mal.

Frage: Glauben Sie, dass es auf der Bühne sogar noch schlimmer sein wird, mit all den Lichtern um Sie herum?

Taylor: Wahrscheinlich. Aber ich werde es versuchen. Vertrauen Sie mir.

Frage: Trotzdem haben Sie jüngst gesagt, dass Sie glauben, Luke Littler schlagen zu können. Glauben Sie das immer noch?

Taylor: Na ja. (lacht) In meiner besten Zeit hätte ich Luke definitiv besiegt. Ich würde nicht sagen, dass ich ihn jedes Mal geschlagen hätte. Ich habe auch nicht jeden jedes Mal geschlagen. In bestimmten Spielen wäre es fifty­-fifty zwischen uns gewesen. Luke wäre auf den kürzeren Distanzen besser gewesen. Und ich war auf den längeren Distanzen sehr konstant. Ich glaube, wir hätten uns gegenseitig gutgetan.

Frage: Sehen Sie etwas vom jungen Phil Taylor in ihm?

Taylor: Nicht wirklich. Er ist anders. Er ist ein anderer Typ als ich. Er ist viel ruhiger. Er bleibt eher für sich, während ich jemand war, der sich viel unter die Leute gemischt hat. Er ist kein großer Trainingsweltmeister, soweit ich weiß. Ich dagegen war das. Ich war sehr, sehr fokussiert.

Taylor bei seinem ersten WM-Gewinn 1990. Im Finale schlug er seinen Entdecker Eric Bristow, der Taylors Karriere mit einem Darlehen von 10.000 Pfund gefördert hatte

Frage: Littler spielt aktuell nur sehr wenige Turniere.

Taylor: Meiner Meinung nach lässt er zu viele Turniere aus. Er sollte einfach mehr Turniere spielen. Ich weiß, dass ihm die Zuschauer momentan ein bisschen zusetzen. Aber daran muss er sich gewöhnen. Denn ich glaube, das gilt in jedem Sport: Je mehr du dich darüber beschwerst, desto schlimmer werden es die Leute machen. Ich glaube, dass die Zuschauer ihm dann erst recht noch mehr Sprüche drücken werden.

Frage: Glauben Sie, dass er Ihren Rekord von 16 WM-Titeln brechen könnte?

Taylor: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass er dazu in der Lage ist. Er hat das Talent, einige Male Weltmeister zu werden. Die Frage ist, ob er diese Konstanz aufrechterhalten kann. Selbst wenn er jedes Jahr gewinnen würde, müsste er sich noch 15- oder 16-mal qualifizieren. Das wird sehr schwierig, aber es ist möglich. Wenn er also fokussiert bleibt und sich fit und gesund hält, wer weiß?

Frage: Aber dafür müsste er noch so lange spielen.

Taylor: Genau das ist das Problem, oder? Es steckt so viel mehr Geld im Sport. Ich könnte mir daher vorstellen, dass er in fünf Jahren aufhört.

Frage: Trauen Sie einem Deutschen zu, in den nächsten Jahren die WM zu gewinnen?

Taylor: Ich glaube, Deutschland hat inzwischen gute Spieler. Ich meine, Max Hopp kann wirklich gut spielen. Manchmal lassen ihn seine Checkouts im Stich. Gabriel Clemens ist ein guter Spieler. Und dann gibt es noch Martin Schindler. Er ist ein richtig guter Scorer und kann auch gut checken. Er ist sehr schwer zu schlagen. Wenn Martin bei der WM so spielt, wie er spielen kann, dann könnte er im Finale stehen oder die WM sogar gewinnen.

Frage: Gibt es für die kommende Weltmeisterschaft vielleicht einen Geheimtipp, über den momentan noch nicht so viel gesprochen wird?

Taylor: James Wade. Die Quote darauf, dass er das Finale erreicht, liegt bei 40:1. Das ist eine ganz interessante Wette.

Frage: Wenn Sie Ihr Darts und Ihre Generation mit der heutigen Generation vergleichen, wer war denn besser?

Taylor: Sagen wir mal so, wir wären definitiv bessere Spieler gewesen. Das Equipment ist besser, die Darts sind besser, das Licht ist besser. Meine Averages waren damals ohnehin schon enorm. Und das auf den alten Boards. Auf Boards, die wirklich nicht so gut waren. Mit diesen neuen Boards wäre ich brillant gewesen. Das weiß ich. (lacht) Und ich hätte es geliebt, wenn Spieler wie Luke Littler zu meiner Zeit aufgekommen wären. Je bessere Spieler nachkommen, desto besser hätte auch ich gespielt. Natürlich hätte ich es geliebt, wenn solche Spieler gekommen wären.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.

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