Die naheliegenden Themen waren schnell abgearbeitet. „Wir haben nach dem 2:1 einfach nicht das dritte gemacht, was definitiv möglich gewesen wäre. Wir hatten die Chancen. Warum wir nicht gewonnen haben? Wir müssen uns selbst an die Nase fassen“, ordnete Max Eberl nach dem 2:2 (1:0) im Spitzenspiel gegen Dortmund präzise ein.

Und auch zum Comeback von Joshua Kimmich, der wegen eines Trauerfalls in der Familie die vergangenen Spiele verpasst hatte, verlor der Sportvorstand des FC Bayern im TV-Interview bei Sky noch einige deutliche Worte. „Ich bin stolz, dass ich so einen Spieler beim FC Bayern habe. Wie er gespielt hat. Er stand heute auf dem Platz wie ein Leader. Und das hat mir sehr imponiert. Joshua Kimmich hat mir vorher schon imponiert, aber jetzt noch mehr.“

Doch dann war da ja noch die Sache mit Lennart Karl.

Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte in der WELT AM SONNTAG die Herangehensweise und das Selbstverständnis von Jung-Nationalspieler Lennart Karl kritisiert. „Ich habe mir vorgenommen, ein ernstes Gespräch mit ihm zu führen. Er ist noch lange kein Superstar, junge Spieler brauchen Demut“, so Hoeneß. Nach Ansicht des 75-Jährigen haben die Lobeshymnen dem Senkrechtstarter der vergangenen Saison ein wenig den Kopf verdreht.

Auch Eberl hatte sich über Karls sportliche Form zuletzt kritisch geäußert. Also sah sich Michael Ballack berufen, für seinen Klienten in die Bresche zu springen. Der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft ist Berater des 18-Jährigen. „Dass Max Eberl nun, nachdem Lennarts Leistungskurve wieder klar nach oben zeigt, ihm ein sportliches Loch attestiert, geschmückt mit Fehltritten, ist vom Zeitpunkt her unverständlich und inhaltlich zumindest mal zu hinterfragen“, ärgerte sich Ballack im Vorfeld des Spiels gegen Dortmund: „Lennart ist 18 Jahre jung. Wo wart Ihr mit 18?“

Hat noch eine lange Karriere vor sich: Lennart Karl

Eberl wurde nach dem Spiel von einem Reporter gefragt, was er darüber denke, dass Karl trotz der Verletzungen von Ismael Saibari und Serge Gnabry nicht eingewechselt wurde. „Ich bin nicht Trainer. Das entscheidet schon noch der Trainerstab.“ Direkt zu der Kritik von Michael Ballack befragt, antwortete der Sportvorstand mit einer Gegenfrage: „Hat er das als DAZN-Experte gesagt oder als Berater des Spielers? Das weiß ich jetzt nicht.“

Eine süffisante Spitze bezogen auf die in der Causa zumindest unglückliche Doppelfunktion Ballacks. Erkennt Eberl gar einen Interessenkonflikt? Der Befragte zuckte nur mit den Schultern, grinste und sagte: „Ich habe einfach nur festgestellt und gefragt.“

Matthäus erinnert an Hoeneß und Schweinsteiger

Letztlich kühlte die Diskussion auch wieder ab. Nicht nur, dass Karl noch eingewechselt und nur die Torlatte seinen Siegtreffer in der Nachspielzeit verhinderte. Auch Eberl klang in einem zweiten Statement bei Sky geradezu versöhnlich.

„Ich finde es schwierig, wenn man über Medien jetzt so eine Diskussion oder so einen Disput führt. Wir haben Lennart Karl als ein großes Talent in der vergangenen Saison gesehen“, stellte er fest: „Er hat als junger Mensch eine Verletzung vor der WM, wo er vermutlich fünf Spiele gemacht hätte. Die hat er verpasst und kommt dann verletzt zu uns zurück. Es war dann kompliziert für ihn. Wir wussten, dass so eine Entwicklung auch mal eine Delle haben kann. Nichts anderes haben wir gesagt.“

Sportlich sei die Trendwende laut Eberl bereits erfolgt: „Man sieht, es geht wieder nach oben. Und er ist auf dem richtigen Weg.“ Mehr noch: „Uns beeindruckt, wie dieser junge Mann diese Sachen beiseite schiebt.“ Die kleine Spitze Richtung Ballack verkniff Eberl sich aber auch im TV nicht: „Ich habe nicht ganz verstanden, was er da als Berater oder Moderator gesagt hat.“

Das Schlusswort zu dem Thema war im TV Lothar Matthäus vorbehalten. Diese Debatten bei jungen Spielern seien nicht neu, beim FC Bayern ohnehin nicht: „Früher hat Uli Schweinsteiger zum Friseur geschickt.“

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