Martin Engelhardt war 27, als er erstmals Präsident der Deutschen Triathlon Union (DTU) wurde. Mittlerweile ist der 66-Jährige nach einer Pause erneut in dieser Position – bereits seit 15 Jahren. Das könnte sich bald ändern: Am 5. Dezember tritt er in Frankfurt in einer Kampfabstimmung um das Amt des DOSB-Präsidenten gegen IOC-Mitglied Michael Mronz an.
Es geht um die Nachfolge von Thomas Weikert. Engelhardt – genauer: Prof. Dr. Martin Engelhardt – ist Orthopädie-Chefarzt am Klinikum Osnabrück, DTU-Präsident (1987 bis 2001 und seit 2011) und seit 2024 Vizepräsident im DOSB. 2004 und 2008 war er zudem Leitender Orthopäde der deutschen Olympiamannschaft. Seine Chefarzt-Tätigkeit endet im März 2027.
Vorbild für Engelhardts „Sportplan für Deutschland“ ist Norwegen mit seinen vielen Top-Athleten. Die Grundlagen werden dort seit mehr als 20 Jahren unter dem Motto „Teamgeist und Freude“ in der Schule mit einer täglichen Sportstunde und dem Fach Prävention gelegt, in dem die Kinder und Jugendlichen zur gesunden Ernährung und zum lebenslangen Sporttreiben motiviert werden. Dazu gehören eine gute Sportlehrer- und Trainerausbildung sowie ein guter Zustand und Zugang zu den Sportstätten.
Frage: Herr Engelhardt, die Findungskommission, in der auch Spitzenverbände und Landessportbünde vertreten waren, hat Michael Mronz vorgeschlagen. Warum wollen auch Sie Thomas Weikert beerben?
Martin Engelhardt: Weil ich überzeugt bin, dass der deutsche Sport an einem Wendepunkt steht – nicht nur für den Leistungssport, sondern auch für seine gesellschaftliche Bedeutung. Wir haben gesellschaftlich ungeheure Probleme. Die kann der Sport zwar nicht alle lösen, er macht aber viele Angebote für eine positive Veränderung. Ich glaube, dass ich der Richtige für das Präsidentenamt und die vielen Herausforderungen bin.
Frage: Beim Treffen mit den Spitzenverbänden Anfang Oktober in Oberhaching wurde bekannt, dass es eine Vier-Augen-Vereinbarung zwischen Ihnen und Mronz gab, nicht gegeneinander anzutreten, falls die Findungskommission einen von Ihnen beiden als Kandidaten vorschlägt. Werden Sie wortbrüchig?
Engelhardt: Michael Mronz und ich haben uns bereits im vergangenen Jahr getroffen, als noch gar nicht klar war, ob es eine Findungskommission gibt. Ich fragte ihn, ob er als Präsident kandidieren wolle. Damals war er noch unentschlossen. Wir stellten dann fest, dass wir uns beide aufgrund unserer Fähigkeiten für geeignet halten, und vereinbarten: Sollten wir beide kandidieren, würden wir das Mehrheitsvotum der Spitzenverbände und Landessportbünde respektieren und am Ende nicht mehr gegeneinander antreten.
Frage: Aber?
Engelhardt: In Oberhaching zeigte sich jedoch, dass der Vorschlag der Findungskommission weder bei den Spitzenverbänden noch bei den Landessportbünden eine Mehrheit fand. Das Mehrheitsvotum, auf das wir uns verständigt hatten, gab es also nicht.
Frage: Widerstand gegen Mronz soll aus dem Wintersport-Lager, der Leichtathletik, dem Rudern und aus Bayern kommen ...
Engelhardt: Die Rückmeldungen an mich zeigen, dass es bei einer großen Anzahl von Verbänden den Wunsch gibt, dass ich den DOSB als Präsident führe. Zumal ich auch die Erwartungen an einen ehrenamtlichen Full-time-Präsidenten erfülle, der sich voll auf das Amt konzentrieren kann: Ende März endet meine Tätigkeit als Chefarzt, dann kann ich meine gesamte Arbeitskraft dem DOSB widmen.
Frage: Mronz sagt, für ein Weiter-so beim DOSB sei er die falsche Wahl …
Engelhardt: Auch ich will kein Weiter-so. Wir haben viele identische Vorstellungen: einen handlungsfähigeren DOSB mit gestärktem Hauptamt, einen autonomen Sport auf Augenhöhe mit der Politik und den leistungsfähigsten Verband in Europa. Und eine gute Idee hinter Münchens Olympia-Bewerbung, hinter der sich ganz Deutschland versammelt.
Frage: Der DOSB-Präsident ist erster Ansprechpartner des IOC bei Münchens Olympia-Bewerbung. Bringen Sie im Vergleich zu Mronz den Malus mit, dass Ihnen das große internationale Netzwerk fehlt?
Engelhardt: Michael Mronz hat sich in den drei Jahren als IOC-Mitglied engagiert, das Vertrauen der IOC-Präsidentin Kirsty Coventry erarbeitet und von daher einen Vorsprung. Den will ich für unsere Bewerbung nutzen. Aber ich wurde 1987 mit 27 Jahren erstmals zum DTU-Präsidenten gewählt, ich habe an vielen internationalen Veranstaltungen teilgenommen, war im Exekutivboard des Triathlon-Weltverbands und seit 2000 in unterschiedlichen Funktionen bei allen Sommerspielen dabei. Von daher habe auch ich umfassende internationale Kontakte – und ich habe sie immer wieder genutzt, um Partner und Mittel für den Sport zu gewinnen, für die DTU ebenso wie für unsere Wissenschaftsinstitute IAT und FES.
Frage: Wo sehen Sie Ihre Vorteile gegenüber Mronz?
Engelhardt: Ich verstehe mich nicht als Gegner von Michael Mronz. Ich verstehe mich als innenpolitische Alternative zu ihm. Ich habe die DTU zweimal aus einer finanziell existenzbedrohenden Lage geführt – mit neuen Partnern, soliden Finanzen und klaren Strukturen. Diese Erfahrung braucht der DOSB jetzt. Michael Mronz sagt, als DOSB-Präsident habe seine Stimme im IOC mehr Gewicht und Münchens Olympia-Bewerbung mehr Durchschlagskraft. Ich sage: Wir müssen als Team mit einem optimalen Konzept, gemeinsamen Zielen und klarer Arbeitsteilung das große Ganze angehen.
Frage: Wie würde die Arbeitsteilung mit Mronz aussehen, wenn Sie DOSB-Präsident würden?
Engelhardt: Ich würde eng mit den deutschen IOC-Mitgliedern Michael Mronz und Kim Bui zusammenarbeiten, um Olympia nach Deutschland zu holen. Michael Mronz würde in jedem Fall weiterhin eine führende Rolle in unserer Olympia-Bewerbung spielen – auch wenn er am 5. Dezember unterliegen sollte. Das wünschen sich auch viele Spitzenverbände. Ich würde mich vorrangig um die vielen Aufgaben in Deutschland kümmern.
Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“ , „Sport Bild“) geführt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
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