Die sportliche Niederlage schmerzte, doch die personellen Folgen treffen den Hamburger SV womöglich noch härter. Vor dem Zweitrundenspiel im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt am Dienstag um 18 Uhr hat sich die ohnehin angespannte Verletztenlage weiter verschärft. Spielmacher Fábio Vieira und Mittelfeldspieler Bilal Nadir werden den Hamburgern nach ihren Verletzungen beim 0:1 in Paderborn für längere Zeit fehlen.
Beide Profis erlitten Muskelverletzungen im Oberschenkel. Bei Nadir wurde zudem eine Beteiligung der Sehne festgestellt. Deshalb rechnet der HSV bei dem 22 Jahre alten Neuzugang mit einer noch längeren Ausfallzeit als bei Vieira. Genaue Angaben zur Dauer machte der Verein nicht. Vieira musste in Paderborn bereits nach 13 Minuten ausgewechselt werden, Nadir verließ in der 71. Minute den Platz.
Die beiden Ausfälle wiegen schwer. Vieira war zuletzt wie erhofft zur zentralen Figur des Hamburger Offensivspiels geworden. In den vier zurückliegenden Bundesligapartien hatte Trainer Merlin Polzin den Portugiesen jeweils von Beginn an eingesetzt. Auch Nadir hatte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in die Mannschaft gespielt und zuletzt zweimal in der Startelf gestanden.
Gegen Frankfurt muss Polzin seine Mannschaft nun erneut umbauen. Neben Vieira und Nadir stehen auch Nicolai Remberg, Nicolás Capaldo, Jordan Torunarigha und Yussuf Poulsen nicht zur Verfügung. Hinzu kommt der weiterhin gesperrte Mario Vuskovic. Patson Daka hingegen kehrt in den Kader zurück. Damit fehlen dem HSV im Pokal insgesamt sieben Profis.
Schon in Paderborn war zu sehen, wie schwer es den Hamburgern fällt, die zahlreichen Ausfälle zu kompensieren. Nach drei Siegen nacheinander fand der HSV offensiv nur selten zu seinem Spiel. Vor allem in der zweiten Halbzeit fehlten Kontrolle und Präzision. „Die zweite Halbzeit war nicht der Anspruch, den wir an uns haben“, sagte Torhüter Daniel Heuer Fernandes. Die Mannschaft habe zu viele Ballverluste produziert und sei nicht zwingend genug gewesen.
Das späte Gegentor fiel aus Hamburger Sicht zudem unter umstrittenen Umständen. Unmittelbar vor dem Treffer von Rayan Philippe wollten Heuer Fernandes und Polzin ein Foulspiel erkannt haben. „Durch diese Aktion wurde das Spiel entschieden“, sagte der Trainer. Philippe, der vom HSV an Paderborn verliehen ist, jubelte gegen seinen eigentlichen Club nur verhalten. Das Tor sei für ihn ein besonderes Geburtstagsgeschenk gewesen, zugleich aber auch mit einem „komischen Gefühl“ verbunden.
Gegen Frankfurt bietet sich bereits die Gelegenheit zur Reaktion
An der insgesamt schwachen Vorstellung der Hamburger änderte die Diskussion über den entscheidenden Zweikampf jedoch wenig. Der HSV vergab die Chance auf den vierten Bundesligasieg nacheinander und muss nun nicht nur die erste Niederlage seit dem 0:5 bei RB Leipzig verarbeiten, sondern auch zwei weitere langfristige Ausfälle auffangen.
Gegen Frankfurt bietet sich bereits die Gelegenheit zur Reaktion. Mit einem Sieg würde der HSV wie in der Vorsaison das Achtelfinale des DFB-Pokals erreichen. Allerdings geht die Mannschaft mit einem Kader in das Spiel, dessen personelle Reserven immer kleiner werden. Gerade der Ausfall von Vieira dürfte nur schwer aufzufangen sein: Mit ihm verliert der HSV nicht nur seinen Spielmacher, sondern jenen Profi, der dem Hamburger Offensivspiel zuletzt Struktur und Ideen gegeben hatte.
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