Womöglich hatte sich der eine oder andere Fan nach dem überraschenden Viertelfinalsieg von Martin Schindler am späten Nachmittag noch schnell auf den Weg zur Westfalenhalle begeben, um deutsche Darts-Geschichte mitzuerleben.
So wurden am Abend knapp 7000 Zuschauer Zeuge, wie der 30-Jährige Darts-Geschichte schrieb. Mit einem 11:6 gegen Krzysztof Ratajski verewigte sich Schindler in der Chronik seines Sports und erreichte als erster Deutscher das Finale eines Major-Turniers. Acht Jahre nachdem Max Hopp sein Halbfinale bei der European Darts Championship gegen James Wade im Decider verlor, schaffte „the Wall“ den Sprung.
Im Endspiel (21.45 Uhr, DAZn live) trifft er auf den Engländer Ross Smith, der sich beim Saisonfinale der besten European-Tour-Spieler zuvor mit 11:7 gegen Gerwyn Price aus Wales durchgesetzt hatte.
Schindler in elf Darts zum 4:1
Schindler checkte gegen Ratajski 96 Punkte für das erste Break zum 2:1, finishte in elf Darts zum nächsten Break und ging mit einem 4:1 in die erste Pause. Der Schwung vom Nachmittag, als er Jonny Clayton sensationell mit 10:1 hatte bezwingen können, wurde mitgenommen.
Zu Beginn des zweiten Intervalls konnte Ratajski dann für einen kleinen Dämpfer sorgen, als er 121 Punkte checkte, während Schindler bei 38 Punkten bereitstand. Doch der 30-Jährige aus Rodgau konterte mit dem Re-Break zum 5:2. Im Average lag er mit 103 Punkten knapp neun Zähler über dem Durchschnitt des Polen, der schlichtweg zu selten die Triplefelder traf. Schindler konnte sich daher erneut einen Fehler auf dem Doppel leisten, um eine Aufnahme später zum 6:2 zu checken.
Der Finaleinzug begann tatsächlich Realität zu werden, als „The Wall“ kurz darauf zum 7:2 breakte und zum Pausengong über die Doppel-8 sogar auf 8:2 stellte.
Ratajski konnte die Pause für sich nutzen und anschließend mal wieder seinen Anwurf durchbringen. Schindler aber blieb unbeirrt und brachte seinen Vorteil ebenfalls souverän zum 9:3 durch – keine Spur von Nervosität.
Doch die kam kurz darauf. Ratajski stellte auf 4:9 und – nachdem Schindler fünf Darts für das 10:4 ausließ – das 5:9 und 6:9.
Schindler hat 80.000 Pfund sicher
Nach der letzten Pause ließ Schindler erneut zwei Chancen zum zehnten Leggewinn aus. Die deutsche Nummer eins konnte in der einzigen Schwächephase an diesem Tag aber auf seinen Gegner hoffen. Das Match stand auf der Kippe. Ratajski vergab aber ebenfalls und ermöglichte Schindler das 10:6 über die Doppel-10. Das wichtige zehnte Leg war geschafft. Ein 12-Darter machte den historischen Sieg perfekt.
Es war nicht nur der erste Halbfinalsieg eines Deutschen bei einem Major-Turnier, es war auch Schindlers Premiere gegen den in der Order of Merit vier Plätze höher gerankten Ratajski auf großer Bühne.
Für Schindler ist es der größte Zahltag seiner Karriere. Bisher hatte er in diesem Jahr seit der Weltmeisterschaft 62.000 Pfund eingesammelt. Durch seinen Finaleinzug hat er in Dortmund bereits 80.000 Pfund sicher. Der Turniersieg würde mit 150.000 Pfund honoriert. Zum Vergleich: Seine größte Börse hatte bislang die dritte Runde bei der WM eingebracht, für die es 35.000 Pfund gab. Seine Turniersiege auf der European Tour waren mit 30.000 Pfund prämiert.
European Darts Championship, Ergebnisse
1. Runde
- Luke Woodhouse (ENG) – Dirk van Duijvenbode (NED) 6:3
- Stephen Bunting (ENG) – Danny Noppert (NED) 6:5
- Cameron Menzies (SCO) – Niels Zonneveld (NED) 6:3
- Gerwyn Price (WAL) – Rob Cross (ENG) 6:2
- Damon Heta (AUS) – James Wade (ENG) 6:5
- Kim Huybrechts (BEL) – Ryan Searle (ENG) 6:1
- Gian van Veen (NED) – Andrew Gilding (ENG) 6:4
- Ross Smith (ENG) – Karel Sedlacek (CZE) 6:4
- Ryan Joyce (ENG) – Jermaine Wattimena (NED) 3:6
- Krzysztof Ratajski (POL) – Dave Chisnall (ENG) 6:2
- Nathan Aspinall (ENG) – Cristo Reyes (ESP) 6:3
- Jonny Clayton (WAL) – Niko Springer (D) 6:3
- Luke Littler (ENG) – William O'Connor (IRL) 6:3
- Wessel Nijman (NED) – Martin Schindler (D) 5:6
- Kevin Doets (NED) – Michael van Gerwen (NED) 6:3
- Josh Rock (NIR) – Chris Dobey (ENG) 6:1
Achtelfinale
- Gerwyn Price (WAL) – Cameron Menzies (SCO) 10:4
- Stephen Bunting (ENG) – Kim Huybrechts (BEL) 10:3
- Ross Smith (ENG) – Damon Heta (AUS) 10:7
- Luke Woodhouse (ENG) – Gian van Veen (NED) 10:6
- Krzysztof Ratajski (POL) – Kevin Doets (NED) 10:8
- Martin Schindler (D) – Jermaine Wattimena (NED) 10:4
- Luke Littler (ENG) – Nathan Aspinall (ENG) 10:5
- Jonny Clayton (WAL) – Josh Rock (NIR) 10:8
Viertelfinale
- Ross Smith (ENG) – Luke Woodhouse (ENG) 10:6
- Gerwyn Price (WAL) – Stephen Bunting (ENG) 10:3
- Martin Schindler (D) – Jonny Clayton (WAL) 10:1
- Krzysztof Ratajski (POL) – Luke Littler (ENG) 10:6
Halbfinale
- Ross Smith (ENG) – Gerwyn Price (WAL) 11:7
- Martin Schindler (D) – Krzysztof Ratajski (POL) 11:6
Finale
- Ross Smith (ENG) – Martin Schindler (D)
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