Adrian Geiler fand am DAZN-Mikrofon mal wieder schnell die richtigen Worte. „Das war Martin-Schindler-Masterclass. Kneif mich mal einer“, sagte der Kommentator und lachte. Es war aber auch geradezu aberwitzig, was besagter Schindler bei der European Darts Championship in Dortmund zuvor gezeigt hatte. Die deutsche Nummer eins bezwang den Waliser Jonny Clayton vor 5000 Zuschauern in der Westfalenhalle sensationell mit 10:1. Es war angesichts der Bedeutung des Spiels und der Distanz die wohl beste Leistung in Schindlers Karriere.
Am Ende stand ein Average von 103,16 Punkten in seiner Statistik. Er traf zehn seiner 15 Würfe auf die Doppel (66,67 Prozent), die ersten sechs waren alle im Ziel. Weltklasse!
„Ich bin sehr glücklich mit meiner Darbietung. Jetzt kann alles passieren“, sagte Schindler und blickte damit bereits auf das Halbfinale (ab 19 Uhr, DAZN live) am Sonntagabend voraus. Es ist Schindlers erstes bei einem Majorturnier überhaupt und das beste Ergebnis eines deutschen Dartspielers seit dem Halbfinaleinzug von Gabriel Clemens bei der Weltmeisterschaft 2023. Mit seinem Erfolg kehrt er auch wieder in die Top 20 zurück.
In der Vorschlussrunde trifft er überraschend auf den Polen Krzysztof Ratajski, der sich sensationell 10:6 gegen Luke Littler durchsetzte. Der Superstar muss damit weiter auf seinen ersten Titel bei der European Darts Championship, dem Saisonfinale der European Tour, warten. Es ist der einzige Titel, der ihm noch fehlt. „Es ist ein großer Erfolg für mich“, sagte Ratajski nach der Sensation: „Ich werde mein Bestes geben, aber Martin wird das ganze Publikum hinter sich haben.“
Schindler holt das Fernglas raus
Schindler hatte gegen die Nummer fünf der Welt von Beginn an seine Topform gezeigt, checkte in 13 Darts zum 1:0. Dass Clayton anschließend in zwölf Darts konterte, deutete einen engen Kampf an. Doch „The Wall“ machte erst das 2:1 perfekt, checkte dann mit dem ersten Dart auf Tops zum 3:1 und nahm anschließend noch 127 Punkte zum 4:1 raus. Mit den Händen deutete er ein Fernglas an.
Und das wurde nach der Pause direkt wieder ausgepackt: Der 30-Jährige checkte 167 Punkte zum Break und nächstem Highfinish. Nachdem er ein Leg später auch den sechsten Versuch auf dem Doppel ins Ziel brachte – er checkte auf der Doppel-16 zum 6:1 – war das Spiel vorentschieden. „Es ist nicht zu begreifen, was Martin hier spielt“, schüttelte Adrian Geiler den Kopf.
„Jonny spielte nicht schlecht, aber ich habe ihm mit meinen Checkouts immer die Legs vor der Nase weggeschnappt“, analysierte Schindler treffend. Anders als nach den beiden vorangegangenen Siegen gegen die Niederländer Wessel Nijman und Jermaine Wattimena, zeigte sich Schindler allerdings ungewöhnlich ruhig. Weil er weiß, dass nun noch mehr möglich ist?
Besiegte Wessel Nijman, Jermaine Wattimena und auch noch Jonny Clayton: Martin Schindler steht im Halbfinale von Dortmund„Ich hoffe, dass er das genauso spielen kann heute Abend. Denn dann wird es echt spannend“, orakelte Co-Kommentator Tim Wolters bei DAZN, davon ausgehend, dass Schindler auf Luke Littler treffen werde. Der Superstar unterlag anschließend allerdings sensationell gegen Ratajski. Für Schindler stehen die Chancen damit gut, in Dortmund als erster Deutscher der Geschichte ein Finale beim Major-Turnier zu erreichen.
European Darts Championship, Ergebnisse
1. Runde
- Luke Woodhouse (ENG) – Dirk van Duijvenbode (NED) 6:3
- Stephen Bunting (ENG) – Danny Noppert (NED) 6:5
- Cameron Menzies (SCO) – Niels Zonneveld (NED) 6:3
- Gerwyn Price (WAL) – Rob Cross (ENG) 6:2
- Damon Heta (AUS) – James Wade (ENG) 6:5
- Kim Huybrechts (BEL) – Ryan Searle (ENG) 6:1
- Gian van Veen (NED) – Andrew Gilding (ENG) 6:4
- Ross Smith (ENG) – Karel Sedlacek (CZE) 6:4
- Ryan Joyce (ENG) – Jermaine Wattimena (NED) 3:6
- Krzysztof Ratajski (POL) – Dave Chisnall (ENG) 6:2
- Nathan Aspinall (ENG) – Cristo Reyes (ESP) 6:3
- Jonny Clayton (WAL) – Niko Springer (D) 6:3
- Luke Littler (ENG) – William O'Connor (IRL) 6:3
- Wessel Nijman (NED) – Martin Schindler (D) 5:6
- Kevin Doets (NED) – Michael van Gerwen (NED) 6:3
- Josh Rock (NIR) – Chris Dobey (ENG) 6:1
Achtelfinale
- Gerwyn Price (WAL) – Cameron Menzies (SCO) 10:4
- Stephen Bunting (ENG) – Kim Huybrechts (BEL) 10:3
- Ross Smith (ENG) – Damon Heta (AUS) 10:7
- Luke Woodhouse (ENG) – Gian van Veen (NED) 10:6
- Krzysztof Ratajski (POL) – Kevin Doets (NED) 10:8
- Martin Schindler (D) – Jermaine Wattimena (NED) 10:4
- Luke Littler (ENG) – Nathan Aspinall (ENG) 10:5
- Jonny Clayton (WAL) – Josh Rock (NIR) 10:8
Viertelfinale
- Ross Smith (ENG) – Luke Woodhouse (ENG) 10:6
- Gerwyn Price (WAL) – Stephen Bunting (ENG) 10:3
- Martin Schindler (D) – Jonny Clayton (WAL) 10:1
- Krzysztof Ratajski (POL) – Luke Littler (ENG) 10:6
Halbfinale
- Ross Smith (ENG) – Gerwyn Price (WAL)
- Martin Schindler (D) – Krzysztof Ratajski (POL)
Finale
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