In den vergangenen Tagen hatte ihn ein Virus von der Arbeit abgehalten. Mittwochabend war Vincent Kompany zumindest einigermaßen genesen und zurück am Spielfeldrand. Der Trainer des FC Bayern coachte beim 2:2 (1:1) gegen den FC Arsenal in der Champions League emotional an der Seitenlinie. Und sah, wie seine Mannschaft einen großen und wichtigen Sieg verpasste.
Nach dem 3:3 auswärts gegen Viking Stavanger vor einer Woche war es das zweite Unentschieden in der Königsklasse in Folge. Ohne Mittelfeldchef Joshua Kimmich, der wegen des Todes seines Vaters fehlte, und ohne den gesperrten Offensivstar Michael Olise hätten die Münchner in einem intensiven Spiel drei Punkte verdient gehabt, waren defensiv aber nicht clever und stabil genug. Nach dem 0:1 drehten sie die Partie, brachten das 2:1 allerdings nicht über die Zeit. Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp sah von der Tribüne aus zu. „Faires Ergebnis zwischen zwei großartigen Teams“, schrieb Tennis-Legende Boris Becker in den sozialen Medien.
Nach fünf Punkten aus drei Partien sind die Münchner im Kampf um einen Platz in den Top acht und dem direkten Einzug ins Achtelfinale zwei Wochen vor dem schwierigen Auswärtsspiel bei Atlético Madrid unter Druck. Arsenal hat zwei Zähler mehr.
Nach dem Abpfiff betonte Kompany: „Wir hatten das Gefühl, dass wir das Spiel gewinnen können oder vielleicht sogar müssen.“ Und sagte auf der Pressekonferenz, dass es ihm besser gehe. „Ich habe in der vergangenen Woche nicht auf meinen Körper gehört. Dann hat der Körper irgendwann gesagt: Jetzt hör mal auf, Junge.“
Zu den Aussagen Klopps während der Halbzeitpause im Spiel gegen Arsenal wollte Kompany nichts sagen. „Da sage ich nix dazu. Nächste Frage“, sagte er schmunzelnd auf die Frage eines Reporters zu den Aussagen Klopps vom Mittwochabend.
Jürgen Klopp: „Ich bin nicht Papst des Fußballs“
Der Bundestrainer hatte in der Halbzeitpause bei DAZN gesagt: „Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht. Aber ich will mich einfach weiterbilden. Mal ist es hybrid, dann Mann gegen Mann, dann nicht gegen den Mann. Ich lerne immer noch.“
Auch über Kane hatte sich Klopp in der Pause geäußert: „Harry Kane ist heute überall. Das finde ich mit Ball in Ordnung, aber gegen den Ball … Wenn ich Harry Kane in der letzten Linie sehe, und zwar nicht im tiefen Block, sondern im Mittelfeld-Pressing. Das ist einfach für mich … Und noch mal, ich bin nicht Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen, aber abschließend dahinter gestiegen bin ich auch nicht“, so Klopp lachend.
Die Aussagen wurden von einigen Medien als Kritik beziehungsweise als Zweifel gewertet und sorgten Mittwochabend für Aufsehen und Diskussionen im Münchner Stadion.
Jürgen Klopp Mittwochabend im DAZN-Interview neben Ex-Nationalspieler Michael BallackEs ist in jedem Fall ungewöhnlich, dass sich ein Bundestrainer ausführlicher zur Taktik und Spielweise von Klubtrainern äußert. Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann, Joachim Löw und Hansi Flick hatten das nahezu immer vermieden und in Interviews bei Stadionbesuchen eher allgemein geantwortet.
Kompany sagte zum Spiel seiner Mannschaft: „Wir hatten nicht die totale Dominanz. Wir hatten die meisten Großchancen und haben die richtige Energie gezeigt.“
Bundestrainer Jürgen Klopp nahm mehrere Anläufe, die Frage nach der Diskussion über Joshua Kimmich möglichst unverfänglich zu beantworten - und entschied sich letztlich dafür, sich zu den Fragen der Journalisten zum DFB-Kapitän und dessen Stammplatz gar nicht weiter zu äußern.Der Bayern-Trainer hat aktuell Personalsorgen. Der eingewechselte Luis Díaz musste nach 22 Minuten angeschlagen vom Rasen. Er hat muskuläre Probleme. Mit ihm und Jamal Musiala fehlen Kompany derzeit zwei wichtige Offensivspieler. „Insgesamt geht das Remis in Ordnung. Uns haben heute viele Spieler gefehlt, deshalb nehmen wir den Punkt mit“, sagte Bayerns Topstürmer Harry Kane.
Der Engländer war wieder einmal einer der besten Bayern, bereitete das 1:0 vor und erzielte das 2:1 per Elfmeter. „Ich habe nichts dagegen, wenn Harry Kane den Ballon d’Or gewinnt“, sagte sein Mitspieler Tom Bischof. „Er hätte es sich auf jeden Fall verdient. Er macht nicht nur die Tore, sondern auch die Assists und ist immer für die Mannschaft da.“ Der Gewinner des Ballon d’Or wird am kommenden Montag verkündet.
Kompany betonte am Ende dieses besonderen Fußballabends noch, dass man Tabellenführer der Bundesliga sei. Und er sich nun auf die nächste Partie konzentriere. Sonntag (17.30 Uhr, DAZN) treten die Bayern in der Liga beim SC Freiburg an.
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Er saß gegen Arsenal auf der Medientribüne des Münchner Stadions.
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