Der frühere Nationaltorhüter Jens Lehmann sieht Jonas Urbig nicht als zukünftigen Stammkeeper beim FC Bayern. „Ich glaube nicht, dass er auf Dauer die Nummer eins bei Bayern München wird, weil er zu jung ist“, sagte Lehmann in der Sky-Sendung „Triple – der Hagedorn-Fußballtalk“ und ergänzte im weiteren Verlauf: „Er ist ein großes Talent, aber in der Regel ist das schwierig, als Nummer zwei im bequemen Windschatten einer Weltklasse-Nummer-eins selbst die Nummer eins zu werden.“
Der 23-jährige Urbig soll bei den Münchnern die Nachfolge von Manuel Neuer antreten und bekommt zunehmend mehr Spielpraxis. „Er spielt ab und zu, aber da ist noch so etwas wie sein Vater. Der ist noch da, der löscht mal einen Brand, aber ansonsten kann er sich hier entfalten. Es ist etwas total anderes, wenn er auf einmal jedes Spiel machen muss. Oder wenn da vielleicht jemand ist, den man auch noch verpflichtet, der ihm Feuer gibt und auch spielen will“, so Lehmann.
Auch Ex-Bayern-Keeper Oliver Kahn ist noch skeptisch. „Die Nummer eins zu sein bedeutet, es gibt keinen Manuel Neuer mehr und man hat die vollkommene Verantwortung. Das ist eine ganz andere Situation. Solange die Konstellation so ist, kann ich dir nicht sagen, ob Jonas Urbig wirklich die Qualität hat, die Nummer eins bei Bayern München zu sein“, sagte der Vize-Weltmeister von 2002, der Urbig aber „gute Spiele“ und Talent attestiert.
Urbig spielt seit Januar 2025 bei den Bayern und gab jüngst auch sein Debüt in der Nationalmannschaft unter Jürgen Klopp. Auch in dieser Hinsicht ist Lehmann noch skeptisch: „Ich glaube nicht, dass er sofort die Nummer eins in der Nationalmannschaft werden kann. Ich glaube, er wird nochmal einen Umweg gehen müssen.“
Hätte Neuer seine Karriere beenden müssen? Das sagt Kahn
In dem Talk ging es auch um die Frage, ob Neuer seine Karriere schon hätte beenden sollen. Kahn sagte dazu aus eigener Erfahrung: „Wenn man 36, 37, 38 wird – ich habe das selbst erlebt –, braucht der Körper länger zur Regeneration. Es passiert hier und da mal ein Fehler. Das Mentale, dieses ständige auf 100 Prozent laufen. Irgendwann kriegst du es nicht mehr hin, auch wenn du es willst.“
Kahns Schlussfolgerung daraus: „Und dann kommst du eben in die Diskussion. Und diese Diskussion, die ja gerade in der aktuellen Situation auch um Neuer entstanden ist, kann man sich ersparen. Man muss irgendwann für sich selbst entscheiden, was ist mir jetzt wichtiger: meiner Leidenschaft so lange wie möglich nachzugehen oder zu sagen: Nein, ich möchte an dem Punkt abtreten, wo die Menschen sagen, er kann doch eigentlich noch zwei, drei Jahre machen. Und irgendwann, und das sehe ich jetzt so kommen, ist es nicht mehr seine eigene Entscheidung, sondern die Entscheidung anderer.“
Neuer hatte seinen Vertrag bis Sommer 2027 verlängert und war im Sommer noch einmal ins Tor der Nationalmannschaft zurückgekehrt – mit dem Aus im Sechzehntelfinale lief das Comeback wenig erfolgreich.
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