Wie es Victoria Carl wirklich ging, als ihre Welt zusammenbrach und sie keine Hoffnungsträgerin der deutschen Skilangläufer mehr war, weil sich ein Dopingschleier über alles gelegt hatte, wusste niemand genau. Auch nicht, was sie selbst mit etwas Abstand darüber dachte. Denn: Sie zog ich aus der Öffentlichkeit zurück. Nur einmal, vor etwa einem Jahr, gab sie auf Facebook einen kleinen Einblick in ihre Situation, äußerte sich zur Dopingprobe selbst aber nicht. Im Verband glaubte niemand an wissentliches Doping. Doch das ändert an den Fakten nichts: Sie ist positiv getestet worden.
Mit einem Interview für den schwedischen Sender SVT hat die 31-Jährige jetzt ihr langes öffentliches Schweigen gebrochen und einen Einblick in ihr Seelenleben gewährt. Als es um das nahende Ende ihrer Dopingsperre ging, kämpfte Carl mit den Tränen. Die Langlauf-Olympiasiegerin von 2022 atmete einmal tief durch, nahm sich einen Moment und sagte dann: „Ich hoffe, dass ich genauso stark in den Weltcup zurückkomme, wie ich vorher war. Aber ich weiß es einfach nicht. Es wird ganz schwer für mich, wieder in das Wettkampfgeschehen reinzukommen.“ Ihre Sperre läuft am 25. November dieses Jahres aus.
Was genau war passiert? Der Weltcup-Winter 2025 war bereits beendet und für Carl erfolgreich verlaufen. Als Gesamtzweite hatte sie die beste Saison ihrer Karriere absolviert. Bei einer Kontrolle im Frühjahr wurde sie dann positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet. Das Medikament wird in erster Linie zur Behandlung von Atemwegserkrankungen eingesetzt.
Nach damaligen Angaben des Deutschen Skiverbandes (DSV) wurde der Sportsoldatin am 26. März 2025 nach ihrem letzten Rennen bei den Winter-Militärweltspielen in Andermatt durch einen Truppenarzt der Bundeswehr das Medikament Spasmo Mucosolvan zur Behandlung einer akuten spastischen Bronchitis verabreicht. In einer DSV-Pressemitteilung wurde sie damals wie folgt zitiert: „Ich war krank, hatte starke Hustenanfälle und habe das Medikament auf ärztliche Anweisung genommen. Ich habe alles offengelegt – mir war nicht bewusst, dass ein verbotener Wirkstoff enthalten ist.“
Victoria Carl: „Extrem wütend auf mich selbst“
Der leitende Sanitätsoffizier der Militär-Wettkämpfe sagte: „Die ärztliche Verordnung war medizinisch nachvollziehbar, aber organisatorisch fehlerhaft. Die Sportlerin trifft keinerlei Schuld. Sie handelte im Vertrauen auf die fachärztliche und kompetente Betreuung innerhalb eines offiziellen militärischen Wettkampfumfelds.“ Vor einer Strafe schützte das nicht.
Die folgende Sperre kostete Carl auch die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen im Februar 2026 in Italien. Im schwedischen TV sagte sie nun: „Ich habe dem Arzt einfach zu sehr vertraut und bin extrem wütend auf mich selbst, weil ich ihm eben zu sehr vertraut habe und nicht noch einmal nachgefragt habe, ob wir es überhaupt einnehmen durften.“
Carl war seit dem positiven Test isoliert, durfte weder mit dem deutschen Team trainieren noch an Wettkämpfen teilnehmen. Bei den Winterspielen 2022 hatte sie in Peking noch an der Seite von Katharina Hennig Gold im Teamsprint gewonnen. In Italien wäre sie als Deutschlands größte Hoffnungsträgerin im Skilanglauf angetreten. „Um mich selbst zu schützen“, sagte sie nun, „habe ich die Spiele überhaupt nicht verfolgt.“
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