Es gab in Friedhelm Funkels Trainerleben viele Entlassungen. Seine durchschnittliche Arbeitsdauer bei Vereinen liegt laut des Fachportals transfermarkt.de im Schnitt bei 1,81 Jahren. Der 72-Jährige hat elf Klubs im Profifußball betreut. Beim 1. FC Köln haben sie ihn im Laufe der Jahrzehnte sogar insgesamt dreimal unter Vertrag genommen. Zweimal schied er, als Retter auf Zeit verpflichtet, planmäßig am Saisonende aus.
Wer Einblicke in so viele Klubs gewinnen konnte, landauf und landab, von München bis Rostock, der kann bei all diesem bunten Treiben natürlich auch etliche Geschichten erzählen. Funkel tat das nun im „11 Freunde“-Podcast „Der Fußball, mein Leben und ich“. Eine Episode bewegt ihn bis heute, das war dem im Gespräch anzumerken. Funkel sprach von der „schlimmsten Trainerentlassung, die ich je erlebt habe“.
Widerfahren ist ihm dieses Trauma bei Fortuna Düsseldorf Ende Januar 2020. Funkel war Mitte März 2016 als Nachfolger von Marco Kurz engagiert worden. Er führte das Team zum Klassenerhalt und wurde in der Saison 2017/2018 Zweitligameister. Die Spielzeit nach dem Bundesliga-Aufstieg schlossen die Fortunen dann auf Platz zehn ab.
Am Tag vor der Entlassung gratulierte Fortuna Düsseldorf Funkel noch
Im Dezember 2019 wurde der Vertrag mit Funkel unter der Bedingung, dass der Klassenerhalt erreicht wird, bis zum 30. Juni 2021 verlängert. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen neun Ligaspielen und dem Abrutschen auf Platz 18 zogen die Verantwortlichen dann keine zwei Monate nach der vorzeitigen Vertragsverlängerung die Reißleine. Am Vorabend hatte der Klub Funkel in den sozialen Medien noch zur Wahl als „Düsseldorfs Trainer des Jahres“ gratuliert.
Funkel kann es bis heute nicht fassen. Das habe „sehr wehgetan“, erzählte er. Warum es für ihn die schlimmste Entlassung gewesen sei, wurde er gefragt: „Weil ich sie nicht erwartet habe, weil ich sie auch heute noch für völlig unnötig halte. Und weil ich sie einfach nicht verstehen konnte.“
Funkel hatte nach seinem Engagement bei 1860 München vorgehabt, seine Trainerkarriere für immer zu beenden. Anfang April 2014 musste er da gehen. Im Hinterkopf aber hatte er: Sollte sich Düsseldorf noch mal melden, würde er schwach werden. Das war dann knapp zwei Jahre später der Fall. Für Funkel, geboren auf der anderen Rheinseite in Neuss, war es eine Herzensentscheidung. Alles schien eine Fügung zu sein – mit bitterem Ende.
Der Klub und er hätten nun mal „eine sehr, sehr erfolgreiche Zeit gehabt. Es stimmte alles“. So berichtete er es. „Die Saison 2020 ging los. Ich war fest davon überzeugt – fest davon überzeugt –, wir schaffen den Klassenerhalt. Es waren noch 15 Spiele zu spielen. Und ich habe null, null Gedanken daran verschwendet, dass ich freigestellt werde. Zumal ich am Tag zuvor Trainer des Jahres geworden war.“
Beim 1. FC Köln und 1. FC Kaiserslautern wurde Funkel zum Retter
Was ihn da jedoch schon stutzig gemacht hatte: Niemand vom Vorstand war bei der Preisverleihung anwesend. Am nächsten Morgen habe dann Sportvorstand Lutz Pfannenstiel schon fünfmal versucht, ihn zu erreichen. „Ich bin dann ins Auto, auf den Parkplatz, und da stand ein Mitarbeiter von der Geschäftsstelle: ‚Friedhelm, du möchtest mal bitte hoch zum Vorstand kommen. Die wollten mit dir ein Gespräch führen.‘ Da wusste ich Bescheid.“
Er sei letztlich im Besprechungsraum vorstellig geworden, „hochimpulsiv, hochemotional. Ich hab mich dann da hingesetzt. Und habe dann gesagt: ‚Wollt ihr mich entlassen?‘ Und da sagte der Lutz Pfannenstiel – Robert Schäfer (Düsseldorfs Vorstandschef, die Redaktion) hatte nicht den Mut, das zu sagen: ‚Ja, wir wollen dich freistellen.‘“
Dann herrschte Stille im Raum, so erinnerte es Funkel. „Ich bin dann aufgestanden, hab den Stuhl umgeschmissen. Und hab gesagt: ,Ihr seid feige Schweine!’“
Liebling der Düsseldorfer Fans: Funkel im April 2018 nach dem Spiel bei Dynamo DresdenEr habe anschließend lange gebraucht, um darüber hinwegzukommen. „Und in dieser Zeit, nach vier, sechs, acht Wochen, ist dann bei mir der Entschluss gefallen: So kannst du nicht aufhören. Obwohl ich ja gesagt habe, ich trainiere keine andere Mannschaft mehr als Fortuna Düsseldorf.“
Funkel bewahrte im Anschluss daran den 1. FC Köln in der Relegation gegen Holstein Kiel im Sommer 2021 vor dem Bundesligaabstieg, gleiches gelang ihm als Nachfolger des glücklosen Dimitrios Grammozis im Sommer 2024 mit dem 1. FC Kaiserslautern. Sogar ins DFB-Pokalfinale führte Funkel den Verein, unterlag aber im Endspiel gegen Bayer Leverkusen mit 1:0.
Anfang Mai 2025 übernahm Funkel schließlich zum dritten Mal in seiner Karriere den 1. FC Köln, er löste Gerhard Struber ab. Funkel unterschrieb einen Vertrag bis zum Ende der Saison. Die Mannschaft stand zwei Spieltage vor Ende der Spielzeit auf dem zweiten Platz der 2. Liga, hatte nach fünf Punkten aus den letzten fünf Spielen aber nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und den vierten Platz sowie eine schlechtere Tordifferenz. Durch zwei Siege stiegen die Kölner als Meister in die Bundesliga auf.
Funkel zeigte sich offen für eine Fortsetzung des Engagements, sagte dann aber wenig später ab. „Ich werde nicht noch einmal sieben bis neun Tage warten, ehe sich eine Mehrheit für mich oder einen anderen Trainer ergibt“, hatte er damals gesagt: „Die Leute wissen, was ich kann, was ich nicht kann und wie ich die Stadt und den Verein kenne. Wenn das jetzt nicht dafür reicht, dann ist das eben so.“
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