Die erste Länderspiel-Periode unter Jürgen Klopp war längst nicht so erfolgreich wie erhofft und erwartet. Das 0:0 im Rückspiel gegen Griechenland bildete den Abschluss der Premieren-Reise des neuen Bundestrainers. Die Bilanz: Zwei Unentschieden, eine Niederlage, lediglich ein Sieg. Die ersehnte Revanche nach dem 0:1 im Hinspiel missglückte.
Diplomatisch formuliert: Durchaus ausbaufähig. Zweimal nicht gegen Griechenland gewonnen, in zwei Partien gegen diese Mannschaft ohne eigenes Tor geblieben. Das Viertelfinale der Nations League zu erreichen, wird für Deutschland nun recht schwierig; der aktuelle Tabellenplatz drei reicht nicht.
Doch es ging bei Klopps Start nicht ausschließlich um Ergebnisse und Treffer. Es ging um Atmosphäre, Stimmung und die Marschroute. Um neue Ideen und Mut. Darum, die richtigen Signale zu senden.
Klopp hatte 44 Spieler nominiert. Das war mutig. Es zahlte sich insofern aus, dass er alle kennenlernte und viele Gespräche führen konnte. Eine clevere Maßnahme. Zehn Spieler kamen zu ihren Debüts.
Klopp schafft ein Band zwischen Fans und Mannschaft
Klopp sammelte auf dieser Reise viele Erkenntnisse. Das war sein Hauptanliegen, wie er immer wieder betonte. Er zeigte sich als guter Kommunikator und stellte sich nach dem 0:1 gegen Griechenland vor seine Mannschaft. Der 59-Jährige schuf ein Band zwischen Nationalelf und Fans, bedankte sich nach den Partien mit Applaus vor der Fankurve beim Publikum und lobte die Unterstützung von den Rängen.
Klopp präsentierte sich als gewohnt guter KommunikatorDer Hype um Klopp in den vergangenen 14 Tagen war noch größer als gedacht. Manchmal überzogen, in Bezug auf das Interesse und die Stimmung rund um die Mannschaft aber auch hilfreich. Ein Bundestrainer als Star und Hoffnungsträger.
Das Gefühl, das Klopp vermittelt, ist viel wert und hilft der Mannschaft. Um Klopps Einfluss und Ideen deutlich erkennen zu können, braucht es Zeit. Das wurde in diesen ersten zwei Wochen unter dem Bundestrainer deutlich. Und kommt nicht überraschend.
Die Reise hat im Kreis der Spieler Gewinner hervorgebracht
- Philipp Treu überzeugte als Rechtsverteidiger. Klopp brachte ihn in drei von vier Spielen von Beginn an. Der Profi des SC Freiburg überzeugte, hätte Deutschland im Rückspiel gegen die Griechen kurz vor Schluss sogar zum Sieg schießen müssen. Auch Malik Thiaw war in den zwei Partien, in denen er spielte, in der Abwehrkette sehr sicher. Der Profi von Newcastle United ist eine echte Alternative für die Innenverteidigung.
- Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof im zentralen Mittelfeld zeigten als Trio mit Florian Wirtz vor sich, dass sie die Nationalelf in den kommenden Jahren prägen können. In der zweiten Woche glänzten sie gegen Serbien in Abwesenheit von Kapitän Joshua Kimmich. Im Rückspiel gegen Griechenland war Wirtz Kapitän, das Trio spielte nicht so groß auf wie vier Tage zuvor.
- Jonas Urbig: Beim FC Bayern ist er die Nummer zwei – dennoch ließ Klopp ihn gegen Serbien debütieren. Und bot ihn im Rückspiel in Griechenland erneut auf. Der 23-Jährige war der einzige der nominierten Torhüter, der zwei Spiele absolvieren durfte. Und rettete Deutschland in Thessaloniki mit einer Parade zu Beginn der Partie vor dem Rückstand. Urbig blieb zweimal ohne Gegentor. In den Partien davor hatte Deutschland nicht „zu Null“ gespielt. Urbig strahlte Sicherheit aus und dürfte mittel- und langfristig Deutschlands Nummer eins werden.
- Derry Scherhant überzeugte mit seiner Dynamik und dem Zug zum Tor. Klopp ließ den 23-jährigen Offensivprofi vom SC Freiburg in den letzten zwei Spielen der Reise spielen. In Griechenland bereitete Scherhant das 1:0 von Jonathan Burkhardt vor, das wegen eines Handspiels vorher nicht zählte. Scherhant war Sonntag phasenweise einer der auffälligsten Deutschen, auch wenn ihm manchmal noch die Effizienz fehlt.
Der Bundestrainer wird schon bald ein Gerüst finden und bei der Spielerauswahl filtern müssen. Griechenland, das es nicht zur WM geschafft hatte, und Serbien sind nicht der Maßstab, und Kader eins und Kader zwei sind natürlich kein dauerhaft geeignetes Modell.
Bereits im November stehen die nächsten Spiele in der Nations League an, dann könnten auch die verletzten Jamal Musiala, Nico Schlotterbeck und Kai Havertz wieder dabei sein. Und dann wird Klopp nicht mehr mit zwei Kadern und vielen Neulingen experimentieren.
Die erste Periode unter Klopp war ein zumindest in Teilen gelungener Anfang. Nicht mehr. Und nicht weniger.
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