Die Aufbruchstimmung war in den vergangenen Wochen spürbar. Jürgen Klopps Start in das Amt des Bundestrainers schürte Hoffnung, am Mikrofon, im Umfeld, auf dem Trainingsplatz. Gemeinsam, so die Botschaft, soll die Trendwende geschafft werden.
Nun, nach mehr als 180 Minuten auf dem Rasen, ist er der erste Bundestrainer seit Helmut Schön im Jahr 1964, der keines seiner ersten beiden Spiele gewinnen konnte. Auf das 1:1 in den Niederlanden gab es beim Heimdebüt in Augsburg ein 0:1 (0:0) gegen Griechenland, das nie zuvor gegen eine deutsche Auswahl hatte gewinnen können.
„Ich habe nicht damit gerechnet, aber es hat mich auch nicht überrascht, dass sie da so ein Drecksding reinwurschteln“, sagte Klopp im ARD-Interview nach dem Abpfiff mit Blick auf das Gegentor: „Es tut mir total leid, dass jetzt die Euphorie...“, führte er fort, ehe er stockte: „Alles in Ordnung, und für mich kein Problem. Fußball braucht Training. Fußball braucht Abläufe.“
Und die könne es zum jetzigen Moment noch gar nicht geben. Zu viel sei dafür von ihm verändert worden, wie er selbst herausstrich: „Es ist Teil des Prozesses, absolut. Die Aufstellung, die Zusammensetzung, die vielen Wechsel gehen zu 100 Prozent auf meine Kappe. Dass wir jetzt hier einen tief stehenden griechischen Gegner nicht komplett auseinandernehmen, war auch klar. Das Spiel nicht zu gewinnen – damit hätte ich leicht leben können. Verlieren darfst du es nicht“, sagte er und bog zumindest einmal kurz in die Spielanalyse ab: „Wir haben bei langen Bällen nicht gut reagiert. Das Tor ist unglücklich, aber Felix (Nmecha) darf den Zweikampf natürlich auch gern gewinnen.“
Ansonsten bat Klopp um Zeit und Geduld. Mit Kalendersprüchen: „Mir ist ein schlechter Start lieber als ein schlechtes Ende. Es wird sich alles fügen. Das ist immer so, wenn man die richtigen Dinge tut.“ Und mit Wiederholung der Problematik: „Wir müssen Abläufe haben.“ Ein gutes Beispiel seien die ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit: „Da wussten wir jetzt, was der Gegner macht, haben die Mannschaft darauf eingestellt. Die Abläufe waren da, und dann haben wir es nicht mehr gemacht. Warum wir das nicht mehr gemacht haben, weiß ich noch nicht.“
Schweinsteigers realistischer Blick
Er wird das intern kritisch mit seinem Trainerteam und den Spielern aufarbeiten, nach außen aber ging er schon einmal prophylaktisch in den Verteidigungsmodus. Vor allem aufgrund seines XXL-Kaders mit 44 nominierten Spielern für seine ersten vier Länderspiele erwartet er Kritik: „Aus meiner Sicht war es alternativlos, das so zu machen. Und ich stehe zu 100 Prozent dazu. In der Woche war alles top. Bis auf große Teile dieses Spiels. Aber ich kann mir vorstellen, dass es da draußen jetzt losgeht: ,Wie kann man nur?’ Aber das ist alles in Ordnung. Jeder kann eine Meinung haben.“
Kein schöner Abend: Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz nach dem Griechenland-SpielBastian Schweinsteiger hatte zuvor seine Sicht der Dinge geäußert: „Wir sind keine Topmannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen. Wir haben diese Spieler nicht mehr, die den Unterschied ausmachen. Die haben wir halt nicht“, stellte der Weltmeister fest und stärkte dem Bundestrainer den Rücken: „Deshalb muss Jürgen Klopp sich alle erst mal anschauen, die infrage kommen könnten, um irgendwann auch Jürgen-Klopp-Fußball spielen zu können. Wenn Kimmich nicht da ist, wird es schwierig. Er ist der einzige, der hinten raus mal kreative Pässe spielen kann.“
Man müsse dem neuen Verantwortlichen und seiner Mannschaft Geduld und Zeit geben, mahnt Schweinsteiger: „Jürgen Klopp ist in der Findungsphase. Das ist erst das zweite Länderspiel. Das dauert alles. Er ist nicht der Zauberer. Du kannst nicht erwarten, dass sie hier gegen Griechenland mit 4:0 vom Platz gehen.“
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