Das Interesse war gigantisch. 80 Medienvertreter verfolgten Jürgen Klopps erstes Training als Bundestrainer. Der 59-Jährige redete viel mit seinen Spielern und überließ dann einem Assistenten das Feld. Athletiktrainer Krunoslav Banovic übernahm die Erwärmung der Nationalspieler. Sehr zur Freude Klopps, dessen typisches Lachen über den Platz hallte, als etwa die Profis sich Huckepack nehmen sollten. Nach 15 Minuten war die Nationalmannschaft dann unter sich, das Training nicht mehr öffentlich.

Wenige Stunden vor der Übungseinheit hatte es für drei Spieler bereits einen Termin gegeben – bei Adidas. In einem Medienraum des Verbandsausrüsters warteten viele Medienvertreter. Im Wechsel stellten sich Philipp Treu (25 Jahre/SC Freiburg), Max Rosenfelder (23/SC Freiburg) und Younes Ebnoutalib (23/Eintracht Frankfurt) den Fragen der Reporter.

Klopp spricht mit seinen vor dem Training mit seinen Spielern

Treu berichtete von einem lockeren Gespräch, das er via Facetime vor neun Tagen mit Jürgen Klopp hatte. Und davon, wie motivierend es für ihn gewesen sei, dass der Bundestrainer ihm auch persönlich gesagt hätte, in Deutschland würden alle denken, dass es keine Rechtsverteidiger gäbe. „Das ist natürlich eine coole Aussage, die mir einfach extrem Motivation gibt für die kommende Woche, in der ich einfach zeigen kann, was ich draufhabe und wer der Rechtsverteidiger aus Freiburg denn ist. Ich will Gas geben und zeigen, wer ich bin.“

Treus Chancen, am Donnerstagabend direkt in der Startelf zu stehen, sind gut. Seine Position ist seit Jahren vakant in der Nationalmannschaft, weshalb Joshua Kimmich, der beim FC Bayern im zentralen Mittelfeld spielt, dort zuletzt auch immer zum Einsatz kam. Bei der WM hatte Kimmich hinten rechts oftmals Probleme.

Philipp Treu schwärmt von Jürgen Klopp

Möglicherweise findet sich in Philipp Treu nun eine Lösung. Zumindest ist er willens. Klopps lockere und positive Art – „wie er einen dann auch anlacht“ – würde etwas mit dem Gegenüber machen. „Da sagst du dir: ‚Hey, das ist ja ein Mega-Typ. Mit dem habe ich einfach Bock zu arbeiten, für den würde ich durchs Feuer gehen‘.“

Rechtsverteidiger Treu erzählte übrigens auch, was er gemacht hat, als Deutschland bei der WM im Sechzehntelfinale an Paraguay scheiterte. So sei er unmittelbar nach dem Aus in den Kraftraum gegangen, um weiter an sich zu arbeiten. „Ich kann mich noch ganz genau erinnern. Nach dem Spiel bin ich direkt in den Kraftraum und habe mir da schon gesagt: Ich arbeite jetzt, damit ich vielleicht die nächsten Monate oder auch Jahre – ich habe mir keine Deadline gesetzt – mal den Anruf bekomme und den Bundestrainer treffen kann.“

Nun war es so weit – wie auch für Teamkollege Rosenfelder und den Frankfurter Angreifer Ebnoutalib.

Die Nationalmannschaft ist neu aufgestellt: Jürgen Klopp hat seinen Kader für die anstehenden Länderspiele vorgestellt. Sehen Sie die DFB-Pressekonferenz hier in voller Länge.

Auch Innenverteidiger Rosenfelder schwärmte vom neuen Bundestrainer. „Er ist natürlich eine Person, die sehr viel Erfahrung mitbringt, die schon eine gewisse Ausstrahlung hat durch das, was er in den vergangenen Jahren erreicht hat. Von daher hat man natürlich großen Respekt“, sagte Rosenfelder.

Nett und sympathisch sei Klopp, der bekannt sei für seine Art und Weise, wie er Fußball spielen will. „Mit hohem Pressing, mit sehr, sehr viel Energie und Power. Er hat uns auf jeden Fall schon angezündet. Ich glaube, dafür ist er ja auch bekannt, dass er Menschen ganz gut abholen kann, ganz gut mitnehmen kann. Da hat er uns schon mal gut eingestimmt.“

Younes Ebnoutalib berichtete von einer sehr positiven Sitzung, die es am vergangenen Dienstag im Teamquartier gab. „Er hat uns einfach nur erklärt, was er von uns erwartet. Einfach, dass wir mit Stolz die deutsche Nationalmannschaft vertreten, Gas geben, auch wenn nicht gleich alles 100 Prozent läuft. Dass wir alles reinhauen. Jürgen Klopp ist einer der besten Trainer der Welt und es gibt schon viel positive Energie.“

Lars Gartenschläger ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Zuletzt war er bei der WM in den USA. Bei den ersten Länderspielen unter Klopp werden Gartenschläger und sein Kollege Julien Wolff abwechselnd auf der Medientribüne sitzen.

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