Die Feindseligkeit war ihm bekannt, selten ließ sie ihn kalt, doch bisher konnte Luke Littler ihr am Ende so gut wie immer mit Genugtuung begegnen. Wenn die Nummer eins der Darts-Welt das Podium betrat, wurde er nicht von allen Fans in Europa gefeiert, doch wenn er das Podium wieder verließ, dann tat er das als Sieger. Die Beschimpfungen der Zuschauer liefen ins Leere.

Bis zu diesem Sonntagnachmittag. In der Amsterdamer Arena AFAS Live, wo die niederländischen Fans die Lokalmatadoren besonders frenetisch feiern und mit Littler auf Kriegsfuß stehen, endete eine außergewöhnliche Serie im Sport. Seit der Niederlage am 25. Oktober 2025 gegen James Wade bei der European Championship war Littler bei Major-Turnieren unbesiegt. Jetzt, im Viertelfinale der World Series of Darts Finals, kassierte er eine krachende 4:10-Niederlage gegen den Waliser Jonny Clayton (51).

Sehr zur Freude der feixenden Fans, die jeden Fehlwurf Littlers feierten. Und davon gab es ungewöhnlich viele. Der 19-Jährige hatte stark begonnen, einen Average von über 100 gespielt, bis zum 3:3 in Legs war alles offen. Dann allerdings verlor der Engländer den Faden, vor allem bei seinen Doppel-Versuchen. Am Ende lag seine Checkout-Quote bei mageren 19,05 Prozent.

Genervter Littler

Bezeichnend das 13. Leg: Littler lag 4:8 zurück, brauchte unbedingt einen Erfolg – und scheiterte krachend. Bei 25 Punkten Rest spielte er die 5, verfehlte dann zunächst die Doppel-10 und dann die Doppel-5. Sichtlich genervt zog er die Pfeile aus dem Board und pikste sie danach noch einmal hinein.

Dann patzte auch Clayton, warf dreimal an der Doppel-4 vorbei. Die erneute Chance für Littler. Doch der traf bei 5 Rest erst die Doppel-1 statt der einfachen 1, legte dann zweimal die einfache 1 nach. Vor Wut rupfte er die Pfeile aus dem Brett, hämmerte sie noch einmal rein, applaudierte dem Publikum, schimpfte und gestikulierte – während Clayton sich das Leg holte und wenig später auch den Gesamtsieg.

Überrascht über die Schwäche des Gegners: Jonny Clayton

Für Littler ist damit sein großer Traum vom „Clean Sweep“ geplatzt – in einem Jahr alle Major-Turniere zu gewinnen. Sechs von elf Titeln hatte er schon unter dem Gürtel: Bei der WM, dem Masters, den UK Open, der Premier League, dem World Matchplay und dem World Cup of Darts hatte er triumphiert. Vier Major-Turniere sind noch zu spielen.

Ross Smith gewinnt den Titel

Clayton hatte nach der Partie beinahe Mitleid mit seinem jungen Kollegen, sagte: „In diesem einen letzten Leg hat er verfehlt, verfehlt, verfehlt … Ich dachte: ‚Oh mein Gott‘. Er hat mir Chancen über Chancen gelassen. Das ist nicht der Luke Littler, den wir alle kennen.“

Littler selbst äußerte sich nach der Pleite nicht, hatte aber schon zuvor seinen Unmut über die feindseligen Fans in Amsterdam herausgelassen. Gegenüber dem Portal „Online-Darts“ sagte er: „Wenn die Niederländer so weitermachen, dann werde ich dort keine Euro-Touren mehr machen. Es hat einfach keinen Sinn, dass ich reise, meine Zeit verschwende, während ich ausgepfiffen werde.“

Littlers Fehltritt konnte von einem aufstrebenden Außenseiter genutzt werden. Der in diesem Jahr stark aufspielende Ross Smith gewann in Amsterdam seinen zweiten Major-Titel nach 2022. Im Finale besiegte der Engländer Gerwyn Price (Wales) deutlich mit 11:5 und kassierte dafür 100.000 britische Pfund Preisgeld.

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