An diesem Donnerstag beginnt der Neustart der Nationalmannschaft nach dem abermaligen Debakel bei der Fußball-WM so richtig. Der neue Bundestrainer hat seinen ersten Kader nominiert. In der Nations League stehen für Jürgen Klopp gleich vier Länderspiele an: in den Niederlanden (24. September), gegen Griechenland (27. September), gegen Serbien (1. Oktober) und in Griechenland (4. Oktober, alle Duelle auch im Ticker bei WELT). Bleiben Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.
Klopp trägt auf dieser Pressekonferenz ein Cap, auf dem das Logo des Ausrüsters Adidas in Schwarz-Rot-Gold gehalten ist und auf dem steht: „Einer von 83 Millionen“. Klopp sagt: „Ich würde mir oder uns gern die Fahne zurückholen, wenn ich ganz ehrlich bin. Ich will nicht, dass, wenn sie einer schwenkt, jemand denkt: ,Was ist mit dir nicht in Ordnung?’ Sondern dass man einfach nur das Gefühl hat: Ja, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen, zugezogen und – wie auch immer – dass du hier lebst. Ich möchte den Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen. Positiver Patriotismus – gern! Kann man stolz darauf sein, Deutscher zu sein, und trotzdem offen und trotzdem vielfältig und trotzdem nett, freundlich? Kann man Mitgefühl haben? Kann man all diese Dinge haben? Ich bin hundertprozentig sicher, ja.“
Vier Spiele, 44 Spieler. Ein Statement des neuen Bundestrainers. Das gab es noch nie. Darunter sind noch 16 WM-Fahrer und gleich 16 Akteure ohne Länderspieleinsatz. Nach zwei von vier Partien wechseln sich die Kader ab. „Wir haben keine A- oder B-Mannschaft gemacht. Wir wollen alle vier Spiele gewinnen“, stellt Klopp klar.
Kader 1
Tor
- Finn Dahmen
- Alexander Nübel
- Marc-André ter Stegen
Abwehr
- Hennes Behrens
- Yann Aurel Bisseck
- Nathaniel Brown
- Max Rosenfelder
- Nico Schlotterbeck
- Jonathan Tah
- Philipp Treu
- Josha Vagnoman
Mittelfeld
- Nadiem Amiri
- Bambasé Conté
- Yannick Engelhardt
- Chris Führich
- Serge Gnabry
- Lennart Karl
- Joshua Kimmich
- Jamal Musiala
- Felix Nmecha
- Kevin Schade
- Anton Stach
Angriff
- Younes Ebnoutalib
- Kai Havertz
Kader 2
Tor
- Noah Atubolu
- Finn Dahmen
- Jonas Urbig
Abwehr
- Waldemar Anton
- Ridle Baku
- Finn Jeltsch
- Maximilian Mittelstädt
- David Raum
- Malick Thiaw
Mittelfeld
- Karim Adeyemi
- Mika Baur
- Tom Bischof
- Saïd El Mala
- Brajan Gruda
- Vitaly Janelt
- Felix Keidel
- Aleksandar Pavlović
- Derry Scherhant
- Florian Wirtz
Angriff
- Jonathan Burkardt
- Nick Woltemade
Nach 70 Minuten Fragen und Antworten ist die Pressekonferenz mit Jürgen Klopp beendet. Der neue Bundestrainer präsentierte sich gut gelaunt, locker und verbreitete Aufbruchstimmung. Es war viel positive Energie spürbar. Sein XXL-Kader ist allerdings ein großes Experiment, das es so noch nie gab. Und klar ist: Auch einer wie Klopp in seiner Rolle als Messias des deutschen Fußballs wird sehr schnell an Ergebnissen gemessen.
Die anstehenden Partien der Nations League in Amsterdam gegen die Niederlande (24. September) und drei Tage danach gegen Griechenland in Augsburg werden ein erster Gradmesser sein. Die Partien in München gegen Serbien (1. Oktober) und in Griechenland (4. Oktober) werden weiteren Aufschluss geben – für Klopp und die Fans des DFB‑Teams.
Bayern Münchens Mittelfeldspieler Joshua Kimmich wird unter Klopp der Kapitän des ersten DFB‑Kaders sein. Aber wer wird im zweiten Kader die Binde tragen? Das lässt Klopp noch offen: „Keine Ahnung, dazu habe ich mir keine Sekunde Gedanken gemacht. Aber am Ende wird jemand die Binde tragen.“
Klopp über den Verzicht auf WM‑Held Deniz Undav vom VfB Stuttgart: „Mit Deniz Undav habe ich gesprochen. Deniz hat noch nicht richtig in die Saison hereingefunden. Ich wollte mich für vier Stürmer entscheiden und habe mich für den Moment für die anderen entschieden.“
Über die Gründe, warum er die beiden WM-Fahrer Leon Goretzka (Aston Villa) und Leroy Sané (Galatasaray Istanbul) nicht nominiert hat, sagt Klopp: „Leroy hat noch nicht so richtig Fuß gefasst in dieser Saison. Ich werde mit ihm noch sprechen, habe ich aber noch nicht getan. Mit Leon Goretzka habe ich auch noch nicht gesprochen, aber Leon ist verletzt. Ich habe über 50, 60 Telefonate geführt. Da muss ja auch Substanz drinnen sein und nicht nur: ‚Hi, hier bin ich!‘“
Frankfurts Younes Ebnoutalib hat seine Nominierung selbst öffentlich gemacht – und sich dafür im Anschluss bei Klopp entschuldigt: „Er hat allen Leakern in die Suppe gespuckt. Er hat mir das Video geschickt, sich bei mir entschuldigt. Ich meinte: ,Mach dir keine Sorgen.’ Ich habe da einen Jungen gesehen, der sich unheimlich gefreut hat. Diese Begeisterung würde ich gern uns allen bewahren.“
Über die Qualitäten von Ebnoutalib sagt Klopp: „Er ist nach einer schweren Verletzung zurückgekommen. Die Entscheidung für ihn ist im Trainerteam relativ schnell gefallen. Die erste Halbzeit gegen Union (drei Tore, Anmerkung der Redaktion) war super. Er ist ein großes Talent auch wenn er schon 23 ist. Der hat schon alles gesehen.“
Mit Philipp Treu, Yannick Engelhardt, Max Rosenfelder und Derry Scherhant sind gleich vier DFB-Debütanten von Freiburg Teil des Klopp-Kaders. „Freiburg macht es schon eine ganze Weile super“, erklärte der Neu-Bundestrainer seine Entscheidung für das Quartett: „Jede Mannschaft baut sich aus unterschiedlichen Charakteren auf. Da bringt jeder sein Teil ein. Mentalität kann man nicht kaufen, aber entwickeln. Die Freiburger haben Mentalität. Das hat auch damit zu tun, wo sie herkommen. Ich freue mich darauf, die Jungs kennenzulernen und mit der Zeit zusammenzuwachsen.“
Klopp auf die Frage, mit welchem Spieler er im Zuge der Nominierungs-Auswahl das lustigste Telefonat hatte: „Am längsten gelacht hat Bambassé Conté. Als ich angerufen habe, hat er zwei Minuten gelacht. Auch Mika Baur, Felix Keidel und Hennes Behrens habe ich sehr überrascht.“
Klopp hat in seinem ersten DFB-Kader auf Oliver Baumann verzichtet. Dabei war der Hoffenheimer Torwart noch bei der WM Teil des deutschen Kaders. Klopp erklärt seine Entscheidung: „Ich habe mich als erfahrenen Mann für Marc-André ter Stegen entschieden. Dahinter wollte ich dann die nächste Generation haben.“
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