Es ist das große Tuschelthema in der Medienbranche. Ab der kommenden Saison überträgt Paramount+ fast die komplette Champions League in Deutschland. Für den Zyklus von 2027/28 bis 2030/31 hat das Unternehmen die Rechte gekauft, die aktuell noch DAZN für die laufende Saison hält.
Dies wurde am 21. November 2025 verkündet: Paramount+ sei der „preferred bidder“, also der bevorzugte Bieter, von der Uefa-Vermarktungstochter UC3. Doch ein Jahr bevor es losgeht, ist so gut wie nichts bekannt, was die US-Plattform eigentlich plant.
Das führte zuletzt sogar zu Spekulationen, ob Paramount+ überhaupt nächste Saison übertragen würde. Wie die „Sport Bild“ jetzt aus Konzernkreisen erfuhr, ist die Champions League bei Paramount+ fest für die Zeit ab 2027/28 eingeplant. Es gibt keine Gedanken an Sublizenzen. Stattdessen wird daran gearbeitet, wie die Produktion umgesetzt wird und mit welchen Gesichtern man vor der Kamera zusammenarbeitet. Hier steht allerdings noch nichts fest.
Paramount-Sender CBS ist weltweit führend in Fußball-Berichterstattung
Paramount+ ist im Fußball aber kein Neuling: In den USA ist die Plattform, die wie CBS Sports zur Paramount Skydance Corporation gehört, für ihre topbesetzte Champions-League-Runde bekannt. Moderatorin Kate Scott sorgt dort mit den Experten Thierry Henry, Jamie Carragher und Micah Richards für viel Spaß, liefert aber auch Fachwissen.
Weltweit hatten die Social-Media-Clips aus der Sendung vergangene Saison mehr als sechs Milliarden Abrufe. „Unsere Zahlen sind ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass wir vor sechs Jahren noch nicht einmal Fußball im Programm hatten“, sagt CBS-Sportchef David Berson. „Und jetzt sind wir global der führende Sender im beliebtesten Sport der Welt mit über 2000 Live-Spielen pro Jahr.“
Paramount+ sicherte sich die Rechte für die Zeit ab 2027/28 in vielen Ländern: Neben Deutschland sind dies noch Großbritannien und Irland, Kanada, Mexiko sowie der Rest Mittelamerikas und der Großteil Südamerikas. „In allen Gebieten, wo wir die Rechte erworben haben, werden wir dasselbe Modell verfolgen“, sagte Berson im Mai.
„Wir wollen die Spiele so gut präsentieren, wie es nur geht. Wir wollen authentisch sein, uns an den Kern der Fans richten, und dann schauen wir, wie es funktioniert. Dabei wird Social Media ein wichtiger Teil unserer Berichterstattung sein. Aber es gibt noch keine konkreten Pläne zu Locations oder Besetzungen. Da haben wir noch Zeit.“
Bei Heimspielen deutscher Klubs muss Weltsignal produziert werden
Paramount+ steht in Deutschland vor einer großen Aufgabe. Der Anbieter zeigt dann insgesamt 184 der 203 Spiele (inklusive der Qualifikations-Play-offs). Das umfasst alle Partien am Dienstag sowie alle bis auf eine am Mittwoch (diese zeigt dann Prime Video). Auch die Youth League sowie der Uefa Supercup zählen zum Paket. Mit den Rechten sind einige Verpflichtungen verbunden: Bei den Heimspielen der deutschen Klubs muss das Weltsignal produziert werden.
Das sind in der Ligaphase meist eine bis zwei Partien pro Spieltag. Dazu kommen Großprojekte wie der letzte Ligaphasen-Spieltag mit 18 parallelen Partien, von denen 17 bei Paramount+ laufen. Für all das benötigt man zum einen die technische Crew für die Produktion sowie das On-Air-Team für Moderation, Kommentar und Expertenanalysen. Hier läuft dem Bericht der „Sport Bild“ zufolge noch die Suche.
Hier hat die Plattform zwei Optionen: eine eigene Redaktion aufbauen oder sich einen Dienstleister ins Boot holen. In diesem Bereich gibt es in Deutschland zum Beispiel Anbieter wie thinXpool, RTL/Sky oder DAZN, die die nötige Manpower dafür hätten. In Großbritannien könnte man die etablierte und von der Firma IMG Studios produzierte US-Show übernehmen, doch in Deutschland müsste man etwas Neues auf die Beine stellen. Prime Video arbeitet zum Beispiel bei der Champions-League-Produktion in Deutschland und Italien mit der britischen Firma „Sunset + Vine“ zusammen.
Wie sich die Preise von Paramount+ entwickeln, ist offen. Bisher gibt es in Deutschland drei Preisstufen: Das Basis-Abo mit Werbung kostet 5,99 Euro pro Monat, die Standard-Version ohne Werbung 9,99 Euro und das Premium-Abo 12,99 Euro. Paramount+ setzt zum Beispiel in den USA auch eher auf günstigere Preise, um viele Abonnenten zu sammeln. Weltweit hat Paramount+ rund 82 Millionen Kunden.
Ein Projekt beschäftigt die Konzernspitze von der Paramount Skydance Corporation in den USA: Man will eigentlich für 111 Milliarden Dollar (rund 95 Milliarden Euro) den Konkurrenten Warner Bros. Discovery kaufen, zu dem in Deutschland Eurosport gehört. Doch Wettbewerbswächter und Gerichte haben dies erst einmal gestoppt, während die Übernahme geprüft wird. Ein Prozess ist in Kalifornien für März 2027 angesetzt. Die Europäische Kommission hatte die Übernahme im Juli 2026 unter Bedingungen genehmigt.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
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