Mario Vuskovic ist zurück beim Hamburger SV. Zwei Monate vor Ablauf seiner vierjährigen Sperre wegen Dopings nahm der 24-Jährige erstmals wieder am Mannschaftstraining des Fußball-Bundesligisten teil. Wegen des großen Interesses hatte der Verein die Übungseinheit unter Trainer Merlin Polzin in das Volksparkstadion verlegt.

Vor zahlreichen Medienvertretern, etwa 6000 Fans auf der Nordtribüne und ehemaligen Teamkollegen betrat Vuskovic um 15.17 Uhr unter Jubel und Beifall den Rasen. Seit dem 15. November 2022 hatte der Innenverteidiger nicht mehr mittrainieren dürfen, nachdem bei einer Trainingskontrolle im September zuvor die verbotene Substanz Erythropoetin (Epo) im Urin des Kroaten nachgewiesen worden war. Er beteuert bis heute seine Unschuld.

Der HSV hatte für das Comeback-Training extra das Volksparkstadion geöffnet

Der Fall des Kroaten hatte den Verein, die Mannschaft und die Anhängerschaft emotionalisiert. Die Strafe wurde von vielen als ungerecht oder unangemessen empfunden. Bundesweit löste er Debatten unter anderem über die Zuverlässigkeit der Nachweismethode aus. Seine Spielsperre endet am 15. November.

Noch ist nicht absehbar, ob und wann Mario Vuskovic – sein jüngerer Bruder Luka verzauberte in der vergangenen Saison als Leihspieler die HSV‑Fans – wieder auf höchstem Niveau spielen kann. In seiner Heimat Split trainierte er vier Jahre lang mit Fitness-Trainern, unter anderem mit Josko Vlasic, ehemaliger kroatischer Zehnkampfmeister und Vater von Hochsprung-Olympiasiegerin Blanka Vlasic. „Was ich von ihm gesehen habe, als er dann mal da war, macht er einen sehr, sehr fitten, sehr dynamischen Eindruck“, sagte HSV-Coach Merlin Polzin.

Doch gelingt es, einen Spieler nach so langer Zeit wieder auf Erstliga-Level zu bringen? Es ist ein Experiment, das es so zumindest in der Bundesliga noch nicht gegeben hat. Vier Jahre kein Mannschaftstraining, keine Abläufe, keine Spiele, keine Zweikämpfe. Und überhaupt? Was haben die vier Jahre bei Vuskovic mental bewirkt? „Ich habe bislang im Profifußball kaum einen Typen wie Mario erlebt. Er bringt mit seinen charakterlichen Stärken alles mit“, sagte Ex-HSV-Sportvorstand Jonas Boldt dem „Kicker“. Der heutige Sport-Geschäftsführer des Zweitligisten Hannover 96 mahnte zugleich, es müsse aber „um den Menschen und nicht um die Umsetzung eines Pilotprojektes gehen“.

HSV könnte einen Vuskovic auf Top-Niveau gut gebrauchen

Zwei Monate muss Vuskovic noch warten, ehe er überhaupt mal wieder spielen darf. Am Dienstag begann sozusagen die Wiedereingliederung. Die erste Partie nach Ablauf der Sperre am 15. November ist das Nordderby beim SV Werder Bremen. Erwartungen, dass er dann schon spielen könnte, wären wohl illusorisch.

Dabei kann der HSV einen guten Innenverteidiger aktuell sehr gut gebrauchen. Vor dem 0:5 in Leipzig am Sonntag hatten die Hamburger eine Woche zuvor ebenfalls 0:5 gegen den FSV Mainz 05 verloren.

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