Das gab es in der Bundesliga noch nie. Da in der Ursapharm-Arena von Aufsteiger SV Elversberg gerade gebaut wird, fehlt die Nordtribüne. Das hat große Auswirkungen auf die TV-Produktion, auch am Sonntag beim Heimspiel gegen den FC Bayern (17.30 Uhr, live bei DAZN und im Sport-Ticker der WELT).
Vergangene Saison standen die Kameras der Bundesliga-Produktionsfirma Sportcast noch auf der Haupttribüne. So blickten die Fernsehzuschauer auf die Baustelle, und es kam weniger Fußballstimmung im TV auf. Das wollte Elversberg in der Ersten Liga ändern und reichte bei der Bundesliga den Antrag ein, die Kameras auf die Baustellenseite zu verlegen.
Für dieses Konzept mussten vom Klub eine Medientribüne und Kameratürme aus Stahlrohr gebaut werden. Das Konzept überzeugte, und daher gab es die Genehmigung der Liga. So steht auf der Nordseite jetzt eine Tribüne mit einer Nutzlast von maximal 45 Tonnen, auf der die Medienvertreter sitzen. Dazu gehören auch die Kommentatoren.
Darüber ist noch ein weiteres Podest für das TV. Dort stehen die beiden Führungskameras, mit denen der Großteil des Spiels sowie Nahaufnahmen gefilmt werden. Daneben ist noch die Kamera für das Scouting-Feed, also die Totale, bei der alle 22 Akteure für Analysezwecke zu sehen sind.
Bei Regen empfehlen die Elversberger festes Schuhwerk
Auf diesem Hauptturm stehen die Geräte in einer Höhe von bis zu 12,20 Metern, er trägt zehn Tonnen Gewicht. Darüber hinaus gibt es jeweils auf Höhe der beiden Strafraumgrenzen zwei weitere Türme für je eine Kamera (ebenfalls 12,20 Meter), die maximal zwei Tonnen tragen. Die Ausrüstung wird per Elektrokettenzug hochgebracht.
Da es dies so noch nicht gab, bekommen die Medienvertreter eine Sicherheitseinweisung. Die Konstruktion sei auf eine maximale Windlast von „Beaufort 8“ (62 bis 74 km/h) ausgelegt. Das wurde bei einer statischen Berechnung nachgewiesen. Es wird darauf hingewiesen, dass Treppe und Gänge bei Nässe rutschig sein können, und man festes Schuhwerk anziehen solle. Als Schutz gibt es ein PVC-Dach.
Wenn es vor dem Spiel eine Vorhersage mit einer Windstärke über der zulässigen Windlast geben sollte, können die Kameras wieder wie vergangene Saison auf der Haupttribüne aufgestellt werden. Das Stadion soll im Frühjahr 2027 fertig sein. Bis dahin werden die Kameratürme je nach Baustellensituation immer wieder verlegt.
Die TV-Produktion wird bei Standard-Spielen mit mindestens 16 Kameras gemacht. Für Top-Partien ist sogar ein Aerial-Kamerasystem, das an Stahlseilen über dem Spielfeld bewegt wird, in Elversberg möglich.
Ohnehin ist die Erfolgsstory des Aufsteigers verrückt. Rückblick. Es ist der 11. September 2021: Nach einem 0:0 gegen Hessen Kassel belegt die SV Elversberg Tabellenrang elf der Regionalliga Südwest. An diesem Tag gewinnen die Bayern klar mit 4:1 beim Topklub Leipzig und springen auf Platz zwei der Bundesliga. An diesem Wochenende trennen beide Teams drei Ligen und insgesamt 64 Tabellenplätze.
Fast genau fünf Jahre später treffen die Klubs aufeinander – und Elversberg liegt vor den Bayern. Nach den Aufstiegen 2022, 2023 und 2026 sowie den zwei Siegen zum Bundesliga-Auftakt ist Elversberg Vierter, die Bayern reisen als Sechster ins Saarland.
Und der Aufsteiger hat Lust auf mehr. „Wir werden antreten, um das Spiel zu gewinnen. Eine Mannschaft auf internationalem Topniveau an der Kaiserlinde wird der größtmögliche Indikator, um zu sehen, wie gut wir wirklich sind“, sagt Sportdirektor Christian Weber: „Wir wollen mit der gleichen Herangehensweise wie bisher reingehen und die Euphorie mitnehmen. Es wird spannend zu sehen, wie wir auch hier den mutigen Fußball auf den Platz bringen.“
Drei Tore beim 3:2 gegen Leverkusen, sogar vier beim 4:3 in Gladbach: Die Elversberger überraschen die Liga mit Hurra-Fußball. Das ist kein Zufall. Dass man sich nicht wie andere Aufsteiger einigeln will und seine Punkte mit Zerstörer-Fußball sammelt, ergaben interne Gipfel im Sommer.
„In der Analyse nach der Saison ging es auch darum, wie wir in der Bundesliga antreten wollen. Da waren wir uns in der sportlichen Leitung schnell einig, dass wir die DNA erhalten wollen und mutig, aktiv sowie mit hoher Intensität spielen wollen“, verrät Weber über die Meetings mit Trainer Vincent Wagner, dem Technischen Direktor Josef Welzmüller und auch Präsident Dominik Holzer.
Und das, obwohl klubeigene Datenanalysen ergaben, dass die Umstellung auf Defensiv-Fußball Mannschaften prozentual häufiger den Klassenerhalt brachte. Doch Elversberg bleibt bei seinem Stil. Weber: „Darauf basierend haben wir die Profile für Zugänge erstellt und konnten mit den entsprechenden Inhalten unsere Neuzugänge von unserem Weg überzeugen.“
Die Offensiv-Zugänge zahlen zurück. Allein die Top-Talente Maurice Krattenmacher (21/von Bayern), Francis Onyeka (19/Leihe von Leverkusen) und Cole Campbell (20/vom BVB) kamen in den ersten zwei Ligapartien auf zusammen vier Torbeteiligungen.
Und so gewann die SVE als erster Aufsteiger seit 18 Jahren die ersten beiden Spiele. Dass man bald auch mal wieder hinter den Bayern stehen könnte, wissen die Saarländer selbst. Sportboss Weber: „Wir müssen einen guten Mix finden. Wir dürfen stolz sein und hatten tolle Erlebnisse. Wir brauchen aber das Bewusstsein, dass es nur geht, wenn wir bei hundert Prozent sind. Rückschläge kommen eher schneller als langsamer, und es wird nicht der Bundesliga-Alltag sein, dass es dauerhaft so läuft.“
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke