Frankreichs Fußballverband FFF entzieht dem massiv unter Druck stehenden Fifa-Chef Gianni Infantino das Vertrauen im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im März 2027. Das habe der Exekutivausschuss des Verbands auf Antrag seines Präsidenten Philippe Diallo einstimmig beschlossen, teilte der FFF in Paris mit. Zwar sei Infantino, der bisher noch keinen Gegenkandidaten hat, ursprünglich Unterstützung zugesagt worden, doch seien diese Voraussetzungen nun nicht mehr gegeben.
Als Grund nannte der FFF Infantinos mittlerweile zurückgenommene Pläne zur Einbindung von Investoren für zukünftige WM-Geschäfte. Die Initiative habe dem Ansehen und der Einheit des Fußballs schweren Schaden zugefügt. Die Führungsstruktur der Fifa werde der Bedeutung des Fußballs nicht gerecht. Der FFF regte eine grundlegende Reform des weltweiten Dachverbands an.
Infantino hatte am vergangenen Sonntag eine Fifa-Sprecherin mitteilen lassen, dass er trotz aller Kritik im nächsten Jahr für eine dritte Amtszeit zur Wahl antreteVor diesem Hintergrund werde der FFF in den kommenden Tagen eine Reihe von Konsultationen mit französischen und internationalen Persönlichkeiten mit Fachwissen und Kompetenz in der Unternehmensführung über den sportlichen Bereich hinaus einleiten.
Ziel sei es, Vorschläge für eine tiefgreifende Umgestaltung der Fifa-Führung zu formulieren, um das Vertrauen wiederherzustellen, die Transparenz zu stärken und die Unabhängigkeit sowie die Vorbildfunktion des Weltfußballverbands zu gewährleisten, hieß es vonseiten des französischen Verbands.
Europa ist das Zentrum des Widerstands gegen Fifa-Präsident Infantino
Zuvor hatte der belgische Fußballverband bereits am Montag bekannt gegeben, dass er Infantino bei dessen Bewerbung um eine weitere Amtszeit nicht unterstützen werde. Die Gründe lägen in mangelnder Transparenz, unzureichender Verbandsführung sowie in einem Vorfall bei der WM rund um Donald Trump und US-Stürmer Folarin Balogun.
Im Fall Balogun kritisierte der belgische Verband, dass die Fifa bislang keine zufriedenstellenden Erklärungen geliefert habe, warum die Entscheidung getroffen wurde und wie ähnliche Fälle künftig behandelt werden sollen.
Nachdem US-Präsident Trump Infantino kontaktiert hatte, wurde eine eigentlich fällige Ein-Spiel-Sperre für Baloguns Platzverweis ausgesetzt. Dadurch konnte der Spieler im Achtelfinale gegen Belgien antreten. Die Belgier gewannen dennoch 4:1. Die belgischen Spieler waren durch einen der größten Eklats der Turniergeschichte offenbar zusätzlich motiviert. „Zwei Monate nach den Ereignissen müssen wir feststellen, dass unsere Fragen bis heute unbeantwortet geblieben sind“, sagte RBFA-Präsidentin Pascale Van Damme.
Fifa reagiert nur mit Eingangsbestätigung des Beschwerdeschreibens
Ärger droht Infantino auch von anderer Seite. Die Menschenrechtsorganisation FairSquare setzte ihren Kampf gegen ihn mit einer erneuten Beschwerde bei der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes fort. In dieser werden Infantino Verstöße gegen den Fifa-Ethikkodex vorgeworfen. Alle Vorfälle stünden mit US-Präsident Donald Trump in Verbindung, wie aus dem Dokument hervorgeht, das der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorlag.
„Zusammengenommen liefern sie überzeugende Beweise dafür, dass der Fifa-Präsident bei seinen Bemühungen, sich beim US-Präsidenten einzuschmeicheln, mindestens seine Macht missbraucht, gegen seine Pflicht zur politischen Neutralität verstoßen und seine Treuepflicht verletzt hat“, heißt es in der Beschwerde: „Die Beweise dafür, dass er aus diesem Verhaltensmuster persönlichen Nutzen ziehen wollte, verstärken die Schwere der Vorwürfe noch.“
Vier der acht Vorfälle waren bereits Teil der Beschwerde, die FairSquare im Dezember 2025 nach der vielfach kritisierten Verleihung des neuen Fifa-Friedenspreises an Trump bei der Auslosung für die WM 2026 eingereicht hatte. Die aktuelle Beschwerde enthalte laut FairSquare nun auch Einzelheiten zu Infantinos Rolle in der sogenannten Balogun-Affäre während der WM sowie bei den gescheiterten Plänen für einen hochumstrittenen Investorendeal zur Vermarktung von Weltmeisterschaften.
„Die nun eingereichte ergänzende Beschwerde enthält noch schwerwiegendere Vorwürfe und bildet in ihrer Gesamtheit ein Beweisbündel, das auf wiederholte Fehlfunktionen und Missstände in der Führungsebene des Fußballs hindeutet“, heißt es in der Beschwerde. Als unabhängiges Rechtsorgan müsse die Ethikkommission „nicht nur handeln, sondern auch erkennbar mit der gebotenen Eile, Transparenz und Konsequenz vorgehen“, forderte die Menschenrechtsorganisation.
Auf die erste Beschwerde habe die Fifa-Ethikkommission laut FairSquare lediglich mit einer Eingangsbestätigung des Schreibens reagiert. Die Organisation war zuletzt mit einer ähnlichen Beschwerde gegen Infantino beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gescheitert.
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