Eike Immel ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Torhüter des deutschen Fußballs. Im Alter von 17 Jahren debütierte er als jüngster Bundesliga-Schlussmann bei Borussia Dortmund, wechselte 1986 zum VfB Stuttgart und bestritt insgesamt 534 Bundesligaspiele. Er nahm an zwei Welt- (1982, 1986) und zwei Europameisterschaften (1980, 1988) teil, machte 19 Länderspiele und wurde 1992 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Seine aktive Karriere beendete er 1997.

Rund 30 Jahre danach drohte dem 65-Jährigen eine Gefängnisstrafe, doch in der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Marburg wurde er nun wegen Betrugs nur zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Sie gilt für vier Jahre. Zudem muss Immel innerhalb von zwei Monaten an einer Drogen-Therapie teilnehmen und sich regelmäßig testen lassen. Mithilfe einer Schuldnerberatung muss er sämtliche Einnahmen und Ausgaben belegen und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit binnen eines Jahres absolvieren. Das Wichtigste aber: Keine Haft für Immel. Durchaus eine Überraschung, nachdem er im August 2025 in erster Instanz zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden war.

2007 kam es zum ersten Kontakt mit Kokain

Der frühere Fußballprofi hatte sich bei verschiedenen Personen immer wieder Geld geliehen, es aber nie zurückgezahlt, darunter auch die Lebensgefährtin des gestorbenen Weltmeisters Andreas Brehme. Es ging um mehr als 100 Taten und insgesamt rund 34.000 Euro. Seinen Gläubigern gegenüber soll er behauptet haben, sich „gerade in einem finanziellen Engpass“ zu befinden. Außerdem soll Immel Eintrittskarten für ein Fußballspiel der EM 2024 verkauft haben. Das Geld habe er behalten, aber nie Tickets als Gegenleistung ausgehändigt.

Grund sei seine Kokainsucht gewesen, wie er nun erstmals zugab. Die Beichte und eine Entschuldigung an einen Geschädigten, dem er rund 20.000 Euro abnahm, dürften Immel letztlich vor der Haft bewahrt haben.

Mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wurde Eike Immel 1980 Europameister

BILD dokumentierte die Verhandlung. So habe sein Verteidiger Burkhard Benecken auf eine Bewährungsstrafe plädiert: „Er ist kein Betrüger, der alle nach Strich und Faden ausnimmt, um selbst Ferrari zu fahren. Über allem schwebt der Resozialisierungsgedanke. Wenn seine Kokainsucht behandelt ist, wird Herr Immel keine Straftaten mehr begehen, davon bin ich überzeugt.“

Immel habe sich im Prozess entsprechend reumütig gezeigt: „Ich kann es nur wiederholen, dass es mir wahnsinnig leidtut. Im Grunde kann ich dankbar dafür sein, dass ich angezeigt wurde. Ich gebe alles zu. Ich will nicht mehr lügen. Ich hoffe, dass ich eine zweite Chance bekomme, wirklich zu zeigen, dass ich das auch mache, was ich gesagt habe.“ Genau die hat er nun bekommen.

Immel hatte bereits 2008 wegen Betrugs vor dem Amtsgericht Marburg gestanden. Er wurde damals zu einer Geldstrafe von 5200 Euro verurteilt, nachdem er sich von einem Rentner 15.000 Euro geliehen und nie zurückgezahlt hatte.

Nun erklärten Immel und sein Anwalt vor Gericht, wie es bei dem Torwart zu den finanziellen Schwierigkeiten gekommen war. Demnach soll er 2007 erstmals mit Kokain in Kontakt gekommen sein. Körperliche Schmerzen und Arbeitslosigkeit hätten den Nährboden geliefert. Benecken: „Es gab auch eine sehr dunkle Phase 2021, auch bedingt durch Corona und private Probleme. Dazu ein Rückfall.“

Eike Immel äußerte sich ebenfalls: „Ich will mein Leben ändern, egal, wie das hier ausgeht. Ich habe gute Freunde, die sagen: ,Mach’ klar Schiff und dann kümmern wir uns um Dich.‘ Ich habe erkannt, dass meine Tätigkeit im Fußball liegt. In Torhüter-Camps arbeiten kann ich. Ich habe auch wieder zwei, drei Angebote von Reality-TV. Eigentlich dachte ich: Ich gehe da rein und kann mit der Gage meine Schulden bezahlen. (...) Ich habe seit einem Jahr eine Partnerin an meiner Seite, die sich große Sorgen macht und die einfach toll ist. Da lohnt es sich, auch dafür zu kämpfen und ein anständiger Kerl zu werden.“

Richter Dominik Balzer zeigte sich zufrieden mit Immels Einlassungen: „Er hat die Hosen runtergelassen, auch in Angelegenheiten, zu denen er sich nicht hätte äußern müssen.“ An Immel gerichtet sagte er: „Wenn Sie sowas in der Zukunft bringen, wissen Sie jetzt auch selbst, dass Sie in allerkürzester Zeit in der JVA landen.“

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