Die Lust auf die ganz große Fußballbühne wurde im Internat geweckt. Manuel Neuer wohnte in der Akademie des FC Schalke 04, er war 18 Jahre jung und blickte aus seinem Zimmer in die Gelsenkirchener Arena. Eines Tages selbst dort spielen, in den größten Partien des internationalen Fußballs ...
Beim Finale der Champions League 2004 war Neuer als Balljunge vor der Südkurve im Einsatz. Der FC Porto siegte 3:0 gegen AS Monaco, Trainer der Portugiesen war der spätere Starcoach José Mourinho. Ein Stück Fußballgeschichte. Rund drei Jahre später spielte Neuer erstmals in der Königsklasse, mit Schalke gegen den FC Valencia (0:1).
In dieser Woche, 22 Jahre nach dem Finalabend als Balljunge, beginnt für den 40-jährigen Neuer seine wohl letzte Saison in der Königsklasse. Neuers Vertrag endet im Sommer 2027, und er hat angedeutet, dass die aktuelle wohl seine letzte Spielzeit sein wird. Neuer legt sich nicht ganz deutlich fest, doch die Tendenz ist klar.
Nach über 160 Partien in der Champions League spielt der Torwart seine letzten Spiele im wichtigsten Klubwettbewerb der Welt, je nach Abschneiden in der Ligaphase des Wettbewerbs können es bis zu 17 sein. Es ist die letzte europäische Mission des mehrfachen Welttorhüters.
Donnerstag (21.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT und bei DAZN) empfängt er zum Start der Ligarunde FK Bodo Glimt. Es ist das erste von zwei Aufeinandertreffen der Münchner mit norwegischen Mannschaften in der Champions League. Am 13. Oktober treten die Münchner bei Viking Stavanger an. Bodo Glimt besiegte in der vergangenen Saison als Außenseiter sensationell Manchester City, Inter Mailand sowie Atlético Madrid und spielte bei Borussia Dortmund 2:2.
„Wir sind gewarnt“, sagte Neuer auf der Pressekonferenz des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Mittwochmittag über Glimt. „Wir wissen, wie sie gegen andere starke Mannschaften aufgetreten sind. Sie spielen ohne Angst, sie haben wenig zu verlieren. Das Thema Intensität wird ein Faktor werden.“
Wird er denn spielen? Oder Jonas Urbig, der ihn mittel- und langfristig als Nummer 1 des FC Bayern beerben soll? „Es gibt keine Absprache für das Spiel“, sagte Neuer am Mittwochmittag. „Ich habe das Gefühl, dass ich spiele, und bereite mich so vor. Keiner von uns entscheidet das, sondern der Trainer mit dem Trainerteam. Wir kommunizieren und bereiten uns immer beide darauf vor, dass wir spielen können.“
Manuel Neuer nennt seine Favoriten auf den Titel
Das Finale der Champions League steigt am 5. Juni 2027 in Madrid. Neuer könnte zum dritten Mal in seiner Karriere den Titel gewinnen. „Ich weiß, dass mit dieser Mannschaft, dem Trainerteam und unserem Spirit alles drin ist“, sagte er. „Ich trete die Saison an mit allen möglichen Zielen, die wir erreichen können. Wir haben das Potenzial. Das war auch ein Grund, warum ich weitergemacht habe. Mir würde es persönlich alles bedeuten, wenn es das dritte Mal mit der Champions League klappen würde. Wir schauen auf den Start und müssen unsere Hausaufgaben machen; ich will nicht zu viel über den Titel sprechen.“
Ein Reporter wollte von Neuer wissen, wen er als Favoriten auf den Titel in dieser Saison 2026/2027 in der Champions League sieht. Neuer nannte unter anderem den Vorjahressieger Paris St. Germain sowie den zweiten Finalisten FC Arsenal und den FC Barcelona. „Die Mannschaften werden sich herauskristallisieren. Jeder hat Höhen und Tiefen. Ich gehe davon aus, dass die üblichen Verdächtigen wieder eine Rolle spielen werden.“
Manuel Neuer 2008 in seiner ersten Saison in der Champions League mit dem FC Schalke 04In der ersten Saison unter Trainer Vincent Kompany schafften es die Bayern ins Viertelfinale, in der vergangenen Spielzeit ins Halbfinale. Was fehlt noch zum großen Wurf? „Es fehlen Nuancen. Es waren Duelle auf Augenhöhe“, sagte Neuer. „Wir haben das Potenzial. Die Erfahrungen helfen uns. Wir haben den Willen, wieder dahinzukommen. Es ist unser großes Ziel, Champions-League-Sieger zu werden. Wir haben bittere Niederlagen erlebt, aber das ist für uns auch eine zusätzliche Motivationsspritze, dass wir im nächsten Sommer in Madrid spielen wollen.“
Damit sich für diesen besonderen Weltklasse-Torhüter der Kreis schließt – und sich Neuer dann 20 Jahre nach seinem Debüt mit dem Titel aus der Champions League verabschiedet.
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Zuletzt war er bei der Fußball-WM in den USA und wird beim Spiel des FC Bayern Donnerstagabend im Münchner Stadion auf der Medientribüne sitzen.
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