An dieses Champions-League-Duell werden sich die Fans in Europa noch viele Jahre erinnern: Der unglaubliche Neun-Tore-Krimi zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern Ende April im Prinzenparkstadion war ein Fußballspiel für die Geschichtsbücher.
Nur wenige Partien in der Historie der Königsklasse boten ein derartiges Spektakel wie diese Halbfinal-Begegnung. Beide Mannschaften spielten Fußball wie von einem anderen Stern. Tempo, Tore, Drama, Emotion – der Krimi von Paris hatte alles, was das Fußball-Herz begehrt.
Der Ausgang des epischen Showdowns ist bekannt: Paris siegte mit 5:4 (Rückspiel: 1:1) und feierte einen Monat später im Budapester Finale gegen den FC Arsenal den zweiten Champions-League-Sieg in Folge (5:4 n. E.).
Wenn am 5. Juni 2027 im Madrider Estadio Metropolitano das nächste Endspiel in der Königsklasse steigt, könnten sich PSG und die Bayern erneut auf dem Platz gegenüberstehen, denn: Beide Klubs gelten in diesem Jahr als die zwei heißesten Titelanwärter auf den Henkelpott.
„Luis Enrique hat den Fußball revolutioniert“
PSG ist im europäischen Fußball aktuell schlichtweg das Maß aller Dinge. Das bewiesen die Hauptstädter mit der erfolgreichen Titelverteidigung in der vergangenen Saison. Seit seinem Amtsantritt 2023 hat Trainer Luis Enrique aus Paris eine fußballerische Supermacht geformt, die sich mit dem Doppel-Triumph in der Königsklasse endgültig in der Riege der großen europäischen Topteams etabliert hat. PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi: „Luis hat den Fußball revolutioniert, nicht nur bei Paris, sondern im gesamten Fußball. Er ist wirklich der beste Trainer der Welt.“
Double-Sieger FC Bayern München trifft in der Champions-League-Gruppenphase daheim unter anderem auf den diesjährigen Finalisten Arsenal London.Mit einem erneuten Triumph würde Paris der erst vierte Klub werden, dem es gelingt, den Henkelpott dreimal in Serie zu gewinnen. Zuvor schafften das nur Ajax Amsterdam (1971 bis 1973), die Bayern (1974 bis 1976) und Real Madrid (2016 bis 2018). Rekordsieger Real (15 Titel) gelang zwischen 1956 und 1960 sogar fünf Siege am Stück – ein bis heute unerreichter Rekord. Der Start in die neue Saison ist dankbar, es geht am Mittwoch gegen Slovan Bratislava.
Den Titel-Hattrick von PSG wollen unter anderem die Bayern verhindern. Letztmals gewannen die Münchner die Champions League 2020 in der Corona-Saison unter Hansi Flick, dem aktuellen Chefcoach des FC Barcelona. Aus der damaligen Siegermannschaft sind noch sechs Spieler dabei: Manuel Neuer, Sven Ulreich, Joshua Kimmich, Alphonso Davies, Serge Gnabry und Jamal Musiala. Alle anderen Bayern-Profis konnten die Champions League noch nicht gewinnen – auch nicht die Superstars Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz. Der Titel-Hunger in München ist entsprechend riesig!
Bayern-Coach Vincent Kompany, der mit seinem Team am Donnerstag gegen die Norwegen von Bodö Glimt einsteigt, sagt: „Bald sind wir wieder in der Champions League, und dann werden wir alles versuchen, um in dieses Finale zu kommen und das hoffentlich zu gewinnen. Ohne dass es irgendwelche Garantien gibt, dass man diesen Pokal gewinnt. Aber die Überzeugung ist da.“ Der Belgier weiter: „Wir haben uns mit einigen der Transfers, die wir in diesem Sommer getätigt haben, auch noch ein wenig verbessert. Und hoffentlich gibt uns das die Chance, unsere Ziele zu erreichen.“
Barcelona rüstet mit Rodri auf
Gemeint sind die Zugänge Ismael Saibari, Nathaniel Brown und Bara Sapoko Ndiaye, für die der deutsche Rekordmeister insgesamt 103,5 Millionen Euro ausgab.
Allerdings: Die Bayern sind nicht die einzige Mannschaft, die PSG dieses Jahr herausfordern will. Mit Flicks Barcelona, das im Sommer Superstar Rodri, den besten Spieler der vergangenen WM, von Manchester City verpflichtete, gibt es noch einen weiteren heißen Titelanwärter.
Rodri kam für 60 Millionen. Euro von Manchester City (mit Boni sind weitere ca. 16 Millionen möglich). Brisant: Der Mittelfeld-Stratege war sich zuvor schon mit Real Madrid einig, folgte dann aber dem Ruf seiner spanischen Nationalmannschaftskollegen aus Barcelona. Mit Rodri hat Barça nun insgesamt acht Weltmeister im Team, darunter die Teenie-Stars Pau Cubarsí und Lamine Yamal.
In den vergangenen zwei Saisons wurde Barça, das zum Auftakt am Mittwoch gegen Feyenoord Rotterdam antritt, unter Flick jeweils spanischer Meister. Der letzte Triumph in der Champions League ist indes schon ganze elf Jahre her. Mit Rodri wollen die Katalanen den Henkelpott nun endlich zurück nach Barcelona holen.
Rummenigges Glaube an Hansi Flick
Ex-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge glaubt, dass Flick die Champions League mit Barça früher oder später auf jeden Fall gewinnen wird. Der Europameister von 1980: „Zweimal Meister vor Real Madrid zu werden und die Mannschaft dabei sehr verjüngt zu haben, ist eine große Leistung. Ich sage voraus: Hansi Flick wird mit dem Team auch die Champions League gewinnen, wenn er lange genug da ist.“
Was PSG, Bayern und Barça eint: Sie alle setzen auf offensiven Fußball. Catenaccio scheint im modernen Fußball mehr und mehr aus der Mode zu kommen. Das bezeugte nicht zuletzt die WM im Sommer, bei der selbst viele Außenseiter mutig nach vorne spielten, Deutschland-Schreck Paraguay mal ausgenommen. Pro Spiel fielen beim Turnier in Nordamerika durchschnittlich 2,96 Treffer – der höchste Torschnitt seit der WM 1970 in Mexiko (2,97 Treffer pro Spiel).
Mit Spanien wurde darüber hinaus die spielstärkste Mannschaft Weltmeister. Die Iberer hatten in ihren acht Partien einen durchschnittlichen Ballbesitzanteil von 64 Prozent, erzielten 14 Treffer und kassierten dabei zugleich nur ein einziges Gegentor.
Auch in der Champions League wird immer offensiver gespielt. Der Torschnitt in der vergangenen Saison: 3,47 Treffer pro Spiel. Allein PSG schoss stolze 45 Tore. Die Bayern landeten mit 43 knapp dahinter – Angriff ist eben die beste Verteidigung.
Was hat Mourinho noch im Tank?
Umso größer war die Verwunderung in Fußball-Europa, als Real Madrid im Juni die Verpflichtung von José Mourinho bekannt gab. Der Portugiese, der die Madrilenen bereits von 2010 bis 2013 trainierte, zählte früher zu den weltweit besten Trainern, doch mittlerweile gelten sein defensiver Spielansatz und sein autoritärer Führungsstil als nicht mehr wirklich zeitgemäß. In den vergangenen acht Jahren konnte Mourinho nur einen einzigen Titel gewinnen – die Conference League mit der AS Rom 2022.
In der Saison 2025/26 verpasste Mourinho mit Portugals Rekordmeister Benfica Lissabon sogar die Qualifikation für die Champions League. Real-Boss Florentino Pérez holte Mourinho trotzdem zurück nach Madrid. Nun soll „The Special One“ die Star-Truppe um Kylian Mbappé, Jude Bellingham und Vinícius Júnior zum 16. Triumph in der Champions League führen.
Die meisten Experten sehen die Verpflichtung von Mourinho kritisch. „Ich weiß nicht, welche Überlegungen hinter seiner Rückkehr stehen, das weiß nur der Verein“, meint etwa Ex-Real-Boss Jorge Valdano. Doch Mourinho komplett abzuschreiben wäre ein Fehler. Dafür hat der zweimalige Champions-League-Sieger zu viel gewonnen. Hinzu kommt: Real hat Rodri zwar nicht bekommen, dafür aber ein halbes Dutzend anderer Topstars verpflichtet, darunter Spaniens WM-Helden Marc Cucurella vom FC Chelsea (55 Millionen Euro) sowie Bundesliga-Shootingstar Yan Diomande von RB Leipzig (125 Millionen Euro). Real startet Dienstag gegen Inter Mailand in die neue Saison.
In England sticht Arsenal heraus
Auf dem Zettel haben sollte man zu guter Letzt auch Vorjahresfinalist Arsenal. Die Londoner, die im Mai erstmals seit 22 Jahren wieder englischer Meister wurden, setzen unter Coach Mikel Arteta auf kontrollierten Offensivfußball und sind dank ihrer Kompaktheit, wie das Endspiel gegen PSG zeigte, nur sehr schwer zu schlagen. Ein erneuter Finaleinzug ist der Mannschaft um Nationalspieler Kai Havertz und England-Star Declan Rice durchaus zuzutrauen. Am ersten Spieltag wartet Mittwoch gleich ein echter Prüfstein – es geht zum SSC Neapel.
Arsenals Ligarivalen Manchester City und der FC Liverpool zählen, anders als in den vergangenen Jahren, hingegen nicht zum engen Favoritenkreis. Beide Klubs befinden sich in einem Mega-Umbruch. Eine Außenseiterrolle haben auch Borussia Dortmund, VfB Stuttgart und RB Leipzig, die drei anderen deutschen Vertreter. Gleiches trifft auf Italiens Quartett um Scudetto-Sieger Inter Mailand zu.
PSG, Bayern, Barça, Real und die „Gunners“ – in diesem Jahr dürfte das Rennen um die Champions League ein Fünfkampf werden.
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