Ein aktueller Diversitätsbericht von „Fußball kann mehr“ zeigt leichte Fortschritte bei der Besetzung von Frauen im deutschen Profi-Fußball. Insgesamt allerdings gibt es noch Aufholbedarf: Nur sieben von 36 Profiklubs haben Frauen im Top-Management. Im großen Ranking liegt eine TV-Macherin ganz vorn. Auch zwei aktive Spielerinnen schaffen es in die Rangliste. Das sind die mächtigsten Frauen im deutschen Fußball.
1. Alice Mascia (Chefin DAZN Deutschland): Der Streaming-Dienst gehört unter der eloquenten Italienerin, die seit 2022 die Verantwortung trägt, zu den wichtigsten Geldgebern der Bundesliga und der FBL. Unter ihr ist DAZN seit der zweiten Jahreshälfte 2024 erstmals profitabel. Einer ihrer größten Coups: Sky die Samstagskonferenz wegzuschnappen. Zu Platz 1 sagt sie: „Diese Anerkennung ehrt mich sehr. Vor allem aber sehe ich sie als Ausdruck der Verantwortung, die mit unserer Rolle verbunden ist.“
Mascia (52) sieht großes Potenzial im Frauensport – in DAZN RISE existiert sogar ein reiner Frauensport-Sender – und speziell im Frauenfußball. „Der Frauenfußball hat in den vergangenen Jahren beeindruckende Fortschritte gemacht – sportlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Dennoch stehen wir erst am Anfang einer äußerst vielversprechenden Entwicklung.“
Alice Mascia in ihren BüroräumenDAZN zeigt neben der FBL u. a. auch die Serie A Fem und LaLiga Fem. Mascias Vision: „Um sein volles Potenzial auszuschöpfen, müssen wir bereit sein, ein neues Playbook zu schreiben: Innovationen voranzutreiben, unternehmerisch zu denken und etablierte Ansätze zu hinterfragen. Jetzt kommt es darauf an, die bestehende Dynamik nachhaltig zu nutzen und dem Frauenfußball die Sichtbarkeit, Wertschätzung und wirtschaftliche Perspektive zu geben, die er verdient. Das ist eine gemeinsame Aufgabe des gesamten Ökosystems – von Klubs und Verbänden über Medien bis hin zu Marken. Wir alle tragen Verantwortung dafür, das nächste Kapitel dieser Entwicklung mitzugestalten.“
2. Katharina Kiel (FBL-Präsidentin): Wofür es in der Bundesliga drei Männer braucht – Präsident Watzke und die Geschäftsführer Lenz und Merkel –, schafft die 34-Jährige (noch) in Personalunion weg. Mit Cleverness und Charme hat sie die Wogen bei der Loslösung vom DFB geglättet und einen für die Frauen-Bundesliga (FBL) guten Grundlagenvertrag ausgehandelt. Ihre nächsten Herausforderungen – neben ihrem Job als Direktorin für Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt: der Verkauf der TV-Rechte ab 2027/28 und die Suche nach einem/einer FBL-Geschäftsführer/in.
3. Nia Künzer (DFB): Die 46-Jährige köpfte Deutschland zum WM-Titel 2003, war nach ihrer aktiven Karriere kritische Kommentatorin im Fernsehen. Als Direktorin Frauenfußball verantwortet die studierte Pädagogin alle Entscheidungen rund um die Nationalmannschaft und den DFB-Nachwuchs. Sie traf die Entscheidung, Christian Wück zum Bundestrainer zu machen. Damit leitete sie den Aufwärtstrend der DFB-Elf nach der Krise ein – und damit auch wieder eine bessere Sichtbarkeit des deutschen Fußballs insgesamt.
4. Christina Rühl-Hamers (Schalke 04): Die Finanzchefin verhinderte 2021 nach dem ersten Bundesliga-Abstieg die Insolvenz. Saniert den Schuldenklub kontinuierlich. Die 50-Jährige sitzt zudem im Lizenzierungsausschuss und im Ausschuss Finanzen.
5. Tatjana Haenni (RB Leipzig): Die Ex-Nationalspielerin der Schweiz ist seit Anfang 2026 die erste Frau als CEO eines Bundesligisten. Haenni (59) verantwortet alle Bereiche bei RB Leipzig und war zuletzt mit den Klub-Bossen der Liga bei der WM.
6. Inga Leschek (RTL/Sky): Bei RTL Deutschland, zu dem seit Juni 2026 auch Sky gehört, verantwortet die 48-jährige Österreicherin als Geschäftsführerin Inhalte u. a. den Sport-Bereich. Auf RTL/Sky laufen 1. und 2. Bundesliga sowie der Europapokal.
7. Kathleen Krüger (Hamburger SV): Die 41-Jährige wurde 2012 beim FC Bayern als erste Frau in der Bundesliga zur Teammanagerin ernannt. U. a. schätzt sie Star-Coach Pep Guardiola sehr. Nun verantwortet sie als Sportvorstand den sportlichen Gesamtbereich des HSV.
8. Bianca Rech (FC Bayern): Die 45-Jährige vergibt als Direktorin Frauenfußball die begehrten Kaderplätze beim Serienmeister FC Bayern. Die Ex-Nationalspielerin ist stark in den Erwerb des Unterhachinger Stadions eingebunden.
9. Nadine Keßler (Uefa): Die 38-Jährige schafft als Uefa-Frauenfußball-Chefin sportliche und finanzielle Rahmen auch für deutsche Vereine durch die Europapokale. Ein Angebot als deutsche Sport-Staatsministerin sagte sie ab.
10. Giulia Gwinn (FC Bayern): Die Kapitänin hat das Sagen im DFB-Team und eine führende Rolle bei Bayern. Die 27 Jahre alte Verteidigerin ist die bekannteste deutsche Fußballerin mit großer Reichweite und starker Werbepräsenz.
11. Celia Sasic (DFB): Sasic (38) ist als Vizepräsidentin im DFB für Gleichstellung und Vielfalt im gesamten Fußball zuständig. Die frühere Nationalspielerin wird eine wichtige Rolle bei der Organisation zur Europameisterschaft der Frauen 2029 in Deutschland spielen.
12. Fritzy Kromp (Werder Bremen): Die 41 Jahre alte Trainerin kümmert sich als Werder-Übungsleiterin auch um Infrastruktur, Kaderplanung und Nachwuchs. Als ZDF-Expertin ist sie meinungsbildend – wie zuletzt bei der Männer-WM.
13. Esther Sedlaczek (ARD-Moderatorin): Für das Erste führt die 40-Jährige durch die Übertragungen der Top-Spiele, befragt bei großen Turnieren hartnäckig den Bundestrainer zu Krisen und kitzelt vieles aus Experte Schweinsteiger heraus.
14. Lena Goeßling (Beraterin): Die 40-Jährige verantwortet die Frauenfußball-Sparte der Berater-Agentur Sports 360, betreut die Jungstars Carlotta Wamser und Ena Mahmutovic sowie Rekord-Transfer Lisa Baum (für 600.000 Euro von RB Leipzig zu Arsenal).
15. Almuth Schult (35/Expertin): Die ehemalige Torhüterin ist als ARD-Expertin und Podcasterin eine der meinungsstärksten Kommentatorinnen des Fußballs.
16. Maren Meinert (Co-Trainerin Frauen-Nationalmannschaft): Meinert (53) war Kandidatin für den Trainer-Posten der DFB-Frauen, möchte aber nicht in vorderster Reihe stehen. Die ehemalige Spielerin hat den größten Einfluss auf Bundestrainer Christian Wück.
17. Veronica Saß (FC Bayern): Die Tochter von Bayerns ehemaligem Ministerpräsidenten Edmund Stoiber kümmert sich als Rechts-Direktorin beim FC Bayern um juristische Inhalte bei Verträgen und Transfers. Zudem ist Saß (48) Vizepräsidentin der Frauen-Bundesliga.
Veronica Saß18. Laura Wontorra (Moderatorin): Bei DAZN, RTL und MagentaTV hat die 37-Jährige stets die wichtigsten Protagonisten des Fußballs am Mikrofon. In Interviews hakt sie gut nach und ist für die Fans eine große Meinungsmacherin.
19. Heike Ullrich (DFB): Ullrich (57) ist als Vizepräsidentin für den Frauenfußball verantwortlich, dabei ist sie wichtigste Ratgeberin für Frauenfußball-Direktorin Künzer und betreibt intern und extern viel Lobbyarbeit, auch in der Organisation für die EM 2029.
20. Silke Sinning (DFB): Die 57-Jährige ist im DFB-Präsidium für die Themen Bildung und Gesundheit verantwortlich. Dabei hat die Vizepräsidentin großen Einfluss auf den Breiten- und Hobby-Fußball, den Schulsport sowie den wichtigen E-Sport.
21. Jennifer Zietz (1. FC Union): Zietz (42) rüstet als Frauenfußball-Chefin mit Sitz im Präsidium den Kader von Union auf, startet damit einen Angriff auf die Rangordnung in der Bundesliga und nutzt dafür auch Gelder der Männer.
22. Alexandra Popp (Borussia Dortmund): Die ehemalige Kapitänin der Nationalmannschaft spielt nun zwar bei Drittligist Dortmund. Aber Popp (35) hat immer noch eine starke Stimme für wichtige Themen, baut den Frauenfußball beim BVB mit auf.
23. Marie-Louise Eta (1. FC Union): Die 35-Jährige war Ende der vergangenen Saison die erste Interims-Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga und betreut nun die aufstrebende Frauen-Mannschaft von Union. Die Ex-Spielerin gilt als eines der größten Talente im Trainerinnenbereich.
24. Silke Seidel (Borussia Dortmund): Muss als Aufsichtsratschefin einen Gesamtpersonalaufwand in Höhe von 268 Millionen Euro genehmigen. Die 64-Jährige hat einen engen Kontakt zu Präsident Watzke. Die Drähte zwischen Aufsichtsrat und Klubchefs sind daher sehr kurz.
25. Sabrina Wittmann (FC Ingolstadt): Die 35-Jährige ist nach dem Intermezzo von Eta wieder die einzige Cheftrainerin einer Männermannschaft aus den obersten drei Ligen. Die frühere Spielerin betreut Ingolstadt seit Sommer 2024.
Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in SPORT BILD.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke