Es ist inzwischen nichts Neues mehr, dass Alexander Zverev Auslosungen erwischt, durch die das Tor zu einem Grand-Slam-Finale weit aufgeht. In diesem Jahr aber schafft er es, kontinuierlich durch dieses Tor zu gehen und mindestens im Halbfinale zu stehen. Bei Major-Turnieren ist 2026 kein anderer Profi so erfolgreich wie der Hamburger. Kein Jannik Sinner, kein Carlos Alcaraz, niemand. Halbfinale Australian Open, dann in Paris der erste Grand-Slam-Titel und schließlich das Wimbledon-Endspiel. Die angenehme Folge für den Deutschen: Bei den US Open, die am Sonntag beginnen, ist er zum ersten Mal an Nummer eins gesetzt.
Mehr noch: Er ist der erste Deutsche, dem das seit 35 Jahren gelingt. Damals, 1991, ebenfalls in Flushing Meadows, war es Boris Becker, dem diese Ehre zuteilwurde. Zverev war da noch lange nicht geboren. Dass der Olympiasieger von 2021 dabei von den Verletzungen seiner Kontrahenten profitierte – dafür kann er nichts. Sinner, die Nummer eins der Welt, muss wegen einer Knieverletzung passen, und Alcaraz machte seit Mitte April kein Spiel im Einzel mehr. Er laborierte an einer Handgelenkverletzung und gibt im New Yorker Stadtteil Queens nun sein Comeback. Doch zuvor zog Zverev im Ranking noch an ihm vorbei und ist die Nummer eins im Turnier, ohne je die Nummer eins der Welt gewesen zu sein.
Zverev ist in New York an Nummer eins gesetztAber genau dieses Ziel hat Zverev. „Das will ich erreichen, wenigstens eine Woche“, sagt der French-Open-Champion. Dem hätte er sich auch weiter annähern können, doch die Masters in Montreal und Cincinnati gingen in die Hose: Das Aus kam im ersten und im dritten Match.
„Ich brauche Zeit, um meinen Rhythmus zu finden“
„Montreal war relativ schlecht. In Cincinnati war es nicht sonderlich gut, aber es war besser. Ich habe vor Montreal offen gesagt: Ich brauche Zeit, um in Form zu kommen und meinen Rhythmus auf dem Hartplatz zu finden“, so Zverev. Dazu hatte er durch das zweimalige frühe Scheitern nur vier Einzelmatches Zeit, dazu drei Doppelpartien mit Kumpel Marcelo Melo und in New York ein kurzes Match im Mixed mit Taylor Townsend. Da war am Dienstag sofort Schluss. Zverev ist aber sicher: „Das passt schon.“
Und so kommt ihm das Los bei den US Open sehr entgegen. Erstrundengegner Lorenzo Sonego hat er in sechs Begegnungen sechsmal besiegt. Sollte es dann gegen Quentin Halys gehen, sollte der Franzose auch keine Gefahr darstellen. Bis zum Viertelfinale wäre Zverev, egal gegen wen, immer großer Favorit. Dann würde im Halbfinale womöglich Felix Auger-Aliassime warten, Alcaraz erst im Finale. Aber bis dahin sind noch zwei Wochen Zeit. Zverev wird gut beraten sein, nicht zu weit vorauszuschauen. Das ging schon einige Male schief. Wimbledon 2025 war trotz einer super Auslosung schon in der ersten Runde gegen Arthur Rinderknech aus Frankreich Schluss. Vor einem Jahr in New York war schon in der dritten Runde Endstation – gegen Auger-Aliassime. Davor hatte er sich auf Mallorca in der Akademie von Rafael Nadal vorbereitet – mit dessen Onkel und Ex-Trainer Toni. Das tat er dieses Jahr wieder. Bleibt für ihn zu hoffen, dass das Resultat diesmal besser wird.
In Wimbledon 2025 war trotz einer super Auslosung schon in der ersten Runde gegen Arthur Rinderknech aus Frankreich Schluss. Vor einem Jahr in New York war schon in der dritten Runde Endstation – gegen Auger-Aliassime. Davor hatte er sich auf Mallorca in der Akademie von Rafael Nadal vorbereitet – mit dessen Onkel und Ex-Trainer Toni. Das tat er dieses Jahr wieder. Bleibt für ihn zu hoffen, dass das Resultat diesmal besser wird.
Dass Zverev weniger Zeit hatte als vergangenes Jahr, sich auf den zweiten Hartplatz-Swing der Saison einzustellen, ist ein Fluch der guten Tat. Zwei Top-Turniere auf Rasen schlauchten und forderten ihren Tribut. Vor dem Wimbledon-Finale stand er in Halle/Westfalen schon im Halbfinale. Klar, dass dann erst einmal ein paar freie Tage mit Freundin Sophia Thomalla auf Ibiza und Mallorca her mussten. Die waren nicht nur verdient, sondern auch wichtig für Körper und Geist.
Alexander Zverev hat das Wimbledon-Finale gegen Jannik Sinner mit 7:6, 6:7, 3:6, 4:6 verloren. „Er hat einen Riesenschritt dieses Jahr gemacht, deshalb ist es umso trauriger, dass er das hier nicht geschafft hat“, so Ex-Tennisprofi Carl Uwe Steeb.Nun also New York. Da zeigte der 29-Jährige schon, dass er mit den Gegebenheiten im Big Apple umgehen kann. 2020 bestritt er mitten in der Corona-Zeit hier sein erstes von inzwischen fünf Grand-Slam-Finals. Zwei Punkte fehlten ihm damals zum Sieg gegen den Österreicher Dominic Thiem. Wer weiß, wie seine Karriere verlaufen wäre, hätte er da schon den ersehnten Triumph gefeiert, auf den er noch fast sechs Jahre warten musste.
Zverev muss Sinners Verletzung gnadenlos ausnutzen
Dazu kommt noch das irre Halbfinale 2021 gegen Novak Djokovic, das er ebenfalls verlor. Aber letztlich hat er ihn, den Major-Titel, der ihn vom Unvollendeten zum Vollendeten werden ließ. Zum Vollkommenen, der wohl ultimativen Stufe, fehlt nur noch der Sprung auf Weltranglistenplatz eins.
Dieser ist in New York zwar nicht zu erreichen. Aber der Rückstand auf Sinner lässt sich für ihn weiter verkürzen. Will er den Platz an der Sonne tatsächlich erreichen, muss er Punkte sammeln, wo es nur geht, und die Verletzung des Italieners gnadenlos ausnutzen. Wenn man Zverev in diesem erfolgreichen Jahr etwas vorwerfen kann, dann, dass er schon zu viele Zähler hat liegen lassen im Kampf um die höchste Weltranglistenposition. Aber das ist sicher Kritik auf hohem Niveau.
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