Das erste Interview nach seiner Berufung zum Bundestrainer hatte sich Jürgen Klopp offenbar für einen symbolträchtigen Moment aufgespart. Die Bundesliga startete an diesem Freitag in ihre 64. Saison: Der FC Bayern gegen den VfB Stuttgart (im Liveticker der WELT) – und Klopp war mit von der Partie. Im Interview vor dem Duell stand er bei Sky Rede und Antwort.

Sender-Experte Thomas Hitzlsperger sagte kurz vor dem Gespräch mit dem neuen Bundestrainer, mit dem 59-Jährigen sei „sehr viel Hoffnung verbunden, und mir geht’s genauso. Ich glaube, seit vielen Jahren warten schon die Fans darauf: Er kann eine Mannschaft wachrütteln. Er hat so viel Gutes gemacht im Fußball. Er verbindet Know-how mit Emotionalität, mit Fachwissen, mit Persönlichkeit. Und deswegen bin ich sehr, sehr froh, dass er jetzt da ist und er hoffentlich die Mannschaft nach vorn bringt.“

Klopp war augenscheinlich voller Elan und wirkte sehr entspannt. Das wurde im Interview deutlich. Der Bundestrainer über …

… die ersten Tage als Bundestrainer: „Sie waren sehr gut, um ehrlich zu sein. Ich habe viel gelernt, viel verstanden, viele Menschen kennengelernt, viele Gespräche geführt und dann relativ schnell festgestellt, dass das Wichtigste noch gefehlt hat. Die Bundesliga hat noch gar nicht angefangen. Die Spieler müssen ja noch spielen und gesund bleiben und so weiter. Aber das geht ja jetzt endlich auch wieder los. Es ist so, wie es sein soll: voller positiver Gefühle und Vorfreude auf das, was da kommt.“

… über seine Botschaft an die Bundesliga-Trainer: „Ich möchte ganz eng mit ihnen zusammenarbeiten. Also, ich kenne das noch aus meiner Zeit, 25 Jahre oder 24 Jahre Vereinstrainer. Ich habe immer das Gefühl gehabt, ein Spieler spielt zu viel, wenn er bei der Nationalmannschaft spielt, oder spielt gar nicht, und wenn er nicht gespielt hat, hat er zu wenig trainiert. Dann denkst du: Wen schicken die mir denn da zurück? Das wollen wir natürlich ein bisschen anders darstellen. Wir wollen wirklich verantwortlich damit umgehen. Wir wollen, dass die Nationalmannschaft für die Vereine auch einen Mehrwert darstellt, in irgendeiner Form, dass wir mit dem Training ihnen weiterhelfen können, dass wir ihnen mit dem Selbstvertrauen helfen können. Mit einigen Spielern habe ich auch schon gesprochen, aber da ging es jetzt wirklich nur um Kennenlernen. Die Botschaft, um die es da geht, ist einfach: Wir wollen vieles intensiver gestalten. Da sind sich aber auch alle einig. Es ist ja wirklich so: Besser spielen sollte möglich sein. Und dafür muss jeder ein bisschen mehr machen. Bisher macht alles Spaß. Ich habe den besten Job der Welt. Ich habe noch kein Spiel verloren. Sehr geil.“

… über den Austausch mit den Trainern, zum Beispiel mit Bayern Münchens Coach Vincent Kompany: „Das waren sehr, sehr angenehme Gespräche. Logisch, das sind alles gute Jungs. Ich möchte gleich mit Ihnen zusammen. Ich bin Sonntag bei Bayern am Trainingsgelände, will Spieler treffen und so weiter. Aber einfach auch Abläufe kennenlernen. Es geht ja auch darum, denn die Vereine spielen ja unterschiedliche Systeme. Und da muss ich wissen: Was sagen die Trainer eigentlich ihren Spielern, bevor ich sie dann kriege? Aber wir stehen am Anfang und deshalb ist da jetzt nicht so richtig Druck drauf. Es geht primär darum, einfach nur mal ein Gefühl füreinander zu entwickeln und es dann vielleicht zu schaffen, wirklich zusammenzuarbeiten.“

… seine Erkenntnisse von der WM: „Wenn wir Spanien nehmen, können wir natürlich sagen: Das brauchte Zeit. Das haben die nicht über Nacht gemacht. Sie sind sicher. Das größte Talent hat wahrscheinlich trotzdem Frankreich. Auffällig bei Spanien war einfach die Art, wie sie Fußball gespielt haben. Das war die Kombination aus allem. Super competitive, auch richtig aggressiv, in gewisser Weise auch böse. Frankreich hatte einfach ein wahnsinniges Talent dabei und ist am Ende völlig verdient rausgeflogen, was sich am Anfang und nach ein paar Spielen keiner vorstellen konnte. Und das gibt uns so ein bisschen einen Hinweis darauf. Es geht nicht darum, dass wir morgen 500 der besten Talente der Welt haben. Es geht darum, dass wir morgen in ein Spiel gehen und es für den Gegner wahnsinnig schwer ist, gegen uns zu spielen. Und damit müssen wir jetzt anfangen. Wir haben ganz viel vor beim DFB, aber wir wissen, wir können uns Zeit nur kaufen über Ergebnisse, also über Fortschritte. Sagen wir es mal so, dass die Leute erkennen: Oh, da ist was passiert. Ich kann erzählen, was ich will – wenn wir am Ende die Spiele verlieren, dann habe ich auch nicht so wahnsinnig viel Zeit. Ich würde gerne Zeit haben und das ist, das muss man jetzt einfach liefern. Schwer zu schlagen zu sein, ist ein Anfang in die richtige Richtung. Und damit sollten wir jetzt mal beginnen.“

… über die Situation von Bayern Münchens Offensivspieler Jamal Musiala (Absenzen wegen neurologischen Dysfunktionen): „Ich habe eine Sprachnachricht geschickt. Er hat darauf reagiert, war sehr glücklich. Das ist ja eine Situation, die man niemandem wünscht, vor allem so einem jungen Kerl natürlich nicht. Aber das wird alles gut, da sind sie sich eigentlich alle einig. Nur im Moment ist es das halt nicht. Und da wollte ich ihm einfach nur diese eine Sorge nehmen, viel mehr kann ich ihm ja nicht nehmen, aber die eine Sorge: dass es keine Auswirkungen für ihn mit Blick auf die Nationalmannschaft hat. Natürlich nicht, ganz im Gegenteil. Er ist wieder in Topform, das hat mir Vincent Kompany bestätigt. Er hat eine unglaubliche Verfassung, er ist wieder der Alte – oder besser. Jetzt geht es darum, dass man ihm die notwendige Zeit gibt und er sie sich auch gibt. Ich glaube, dafür ist er im perfekten Verein und im perfekten Umfeld. Und wir wollen eben auch zu diesem Umfeld beitragen. Und einfach sagen: So, Junge, werd gesund und dann ist die Tür offen.“

… über seinen ehemaligen Berater Marc Kosicke, den Klopp jetzt beim DFB installiert hat – und von einigen aus der Branche kritisch gesehen wird, etwa von Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß („Friendly Takeover“): „Ich verstehe das total. Ist alles in Ordnung. Die Leute beurteilen Dinge, bevor wir irgendwas gemacht haben. Marc wird ein bisschen kritisch gesehen, weil es die Rolle nicht gab. Ich kann mich erinnern, in der Phase, in der noch nicht ganz klar war, wer den Bundestrainer-Job übernimmt, da hieß es immer: ,Man kann nicht nur den Trainer wechseln.’ Dann wechseln wir nicht nur den Trainer, und dann sagen sie: ,Aber das hätten wir jetzt ja auch nicht machen müssen.’ Ich arbeite 20 Jahre mit Marc Koske zusammen. Er ist in bestimmten Bereichen, was Imagebildung, was Ideen, was schlaue Entscheidungen, was Ruhe in entscheidenden Momenten angeht, der Beste, den ich je getroffen habe. Und für uns war klar, ohne dass wir das irgendwann mal geplant hatten: Sollten wir das irgendwann machen, dann machen wir es zusammen. Die Rolle bei Marc versteht man noch nicht. Aber ich bin mir sicher, wir werden im Jahr über seine Rolle nicht mehr diskutieren, weil dann der Einfluss erkennbar sein wird. Und nochmal: Ich habe ja gesagt, wir müssen besser spielen und uns um alles andere auch kümmern, und ich bin Spezialist für bestimmte Bereiche. In anderen Bereichen gibt es bessere Menschen, und einer von uns ist Marc Kosicke – und deshalb ist er dabei.“

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