Borussia Dortmund hat eine neue Imagekampagne gestartet. Der deutsche Vizemeister hat ein Filmchen gedreht, in dem ein Dandy wie er im Buche steht, zu sehen ist: Max von Winterfeld junior, ein imaginäres Milliardärssöhnchen – College-Slipper mit Gold-Applikationen, Sportsakko mit Einstecktuch, Designerbrille, ondulierte Haare – lässt sich zum Dortmunder Stadion chauffieren.

Sein Vater, der Investor Maximilian von Winterfeld senior, will ihm zu seinem 35. Geburtstag einen Fußball-Klub kaufen – quasi als Spielzeug. Also begibt sich das schnöselige Bengelchen auf Shoppingtour. Er besichtigt das Stadion, das Trainingsgelände – und ist entsetzt: eine Tribüne ohne Sitze, eine Mannschaft mit jungen Spielern, deren Namen er nicht mal kennt, die spartanisch eingerichtete Kabine. „Wie soll sich Cristiano Ronaldo denn hier seine Haare machen?“, sagt er und lacht verächtlich. Überhaupt: In Dortmund gibt es nicht mal eine Prada-Filiale. Nein, diesen Klub will er nicht mal geschenkt: „No glamour, no luxury – no nothing.“ Er lässt sich schnell wieder zum Flughafen fahren.

Warum hat der BVB diesen Spot produziert? Zum einen, um seine Assets zu betonen, die zugleich auch die Grundpfeiler der Bundesliga sind: der Anspruch, sich Stars zu entwickeln, statt sie einzukaufen. Die Nähe zu den Fans sowie ein Commitment namens 50+1, das es verbietet, sich einem Investor an den Hals zu werfen, der dann das Sagen über den Verein haben wird. So weit, so ehrenhaft.

Doch es gibt noch einen anderen Grund: Der BVB will auch erklären, warum ihm Grenzen gesetzt sind. Warum er, obwohl er sich elfmal in Folge für die Champions League qualifiziert hat, mit den richtigen großen Spitzenklubs nicht mithalten kann – und wohl auch, warum er seit 14 Jahren nicht mehr Deutscher Meister geworden ist. Weil es eben nicht möglich ist, auf wirtschaftlichem Gebiet Waffengleichheit mit dem FC Bayern herzustellen: Die Bayern geben für ihre Mannschaft mindestens doppelt so viel Geld aus wie die Dortmunder, Tendenz weiter auseinanderklaffend.

Meisterkampf in der Bundesliga: die bittere Wahrheit

Am Wochenende beginnt die neue Bundesligasaison. Doch die Debatte, die geführt wird, ist die alte: Kann der BVB endlich mal wieder um den Titel mitspielen oder droht erneut Langeweile an der Spitze? Viele glauben, die Antwort schon zu kennen, bevor der erste Ball gespielt ist, und winken ab: Es wird wieder Langeweile an der Spitze geben.

Das Bittere: sehr wahrscheinlich haben sie recht. Es ist schwer vorstellbar, dass es in 2026/27 einen neuen Meister geben wird. Gemessen an den Marktwerten müsste es sogar unmöglich sein. Transfermarkt.de hat errechnet, dass acht der zehn werthaltigsten Bundesligaspieler Münchener sind: Olise, Musiala, Pavlovic, Upamecano, Diaz, Kane, Karl und Saibari. Dann erst kommen zwei Dortmunder: Nmecha und Schlotterbeck. Die beiden griechischen Talente Karetsas und Konstantelias, von denen sich der BVB so viel verspricht, landen unter ferner liefen: Rang 33 und 63. So weit, so eindeutig.

Doch es geht nicht nur ums Geld. Die Dominanz der Bayern hat auch etwas mit Professionalität, mit Einstellung und Spirit zu tun. Seit Vincent Kompany dort Trainer ist, zieht die Mannschaft an einem Strang und der Verein präsentiert sich geschlossen. Und grundsätzlich gilt ja: Nur, wenn sich die Münchener selbst zerlegen und in internen Machtkämpfen verheddern, geht die Tür für andere Bundesligisten auf. So konnte Leverkusen 2024 die Schale gewinnen, und 2023 hätte es der BVB tun können – wenn er sie nicht am letzten Spieltag doch noch verspielt hätte.

Ein solches Szenario ist so schnell nicht wieder zu erwarten. Zumal die Bayern schlau genug waren, eine wichtige Baustelle zu schließen: Die Vertragsverlängerung mit Sportvorstand Max Eberl dürfte die Gefahr von Störfeuern durch die berüchtigten Kommentierungen aus dem Off des Tegernsees eindämmen. Wobei: So ganz genau weiß man das bei Uli Hoeneß nie.

Titelreife ist aber nicht nur eine Frage des Status Quo

Für all die Bayern-Verfolger – die sich zwar mittlerweile nicht einmal mehr trauen, sich so zu nennen – bedeutet dies: Sie können ohne Angst, dass von ihnen zu viel erwartet wird, Aufbauarbeit betreiben. Der BVB kann an seiner Kaderverjüngung und seiner Neuorientierung werkeln: weg von dem vorsichtigen Stil der vergangenen Jahre, hin zu mehr Offensivfußball und Spektakel. Wir sind gespannt.

Auch RB Leipzig mit dem neuen Trainer Martin Demichelis und den bemerkenswerten finanziellen Möglichkeiten ist ein sehr spannendes Projekt. Wie auch der VfB Stuttgart, der es wie die Leipziger wieder in die Champions League geschafft hat.

Der FC Bayern setzt sich im Franz-Beckenbauer-Supercup mit 2:1 bei Borussia Dortmund durch und sorgt für das erste Ausrufezeichen kurz vor dem Bundesliga-Start. „Sie waren schon deutlich überlegen“, sag der stellvertretende BILD-Sportchef Walter M. Straten bei WELT TV.

Was auffällt: Die Frage „Wann werdet ihr denn mal wieder Meister?“, wird nur den Dortmundern gestellt. Andere bleiben davon verschont. Die Leverkusener beispielsweise, die ja bewiesen haben, dass sie es können. Oder den Frankfurtern, die sich – abgesehen von der vergangenen Saison – ja auch auf einem sehr vielversprechenden Weg befanden. Natürlich: Die Eintracht, der VfB und Bayer sind wirtschaftlich vom BVB so weit entfernt wie die Dortmunder von den Bayern. Aber muss dies auf alle Ewigkeiten so bleiben?

Titelreife ist nicht nur eine Frage des Status Quo. Es ist ein Langzeitprojekt, bei dem es darum geht, sich die Voraussetzungen zu schaffen: durch eine kluge Politik, die auf Einnahmeverbesserungen, durchdachte Transfers und vor allem die passende Trainerwahl ausgerichtet ist. Es kann viele Jahre dauern und benötigt auch Glück, bis ein Konzept aufgehen kann – aber es ist nicht unmöglich.

Übrigens: RB Leipzig ist noch nie Meister geworden. Dabei haben sie dort wegen der großzügigen Zuwendungen von Red Bull die besten Möglichkeiten, um auf dieses Ziel hinzuarbeiten – und es auch zu erreichen.

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