Als Leonardo Bittencourt 2011 erstmals bei den Profis von Energie Cottbus mittrainierte, war er gerade einmal 17 Jahre alt. Sein Vater Franklin Bittencourt, selbst früher Profi bei Energie, hatte Claus-Dieter Wollitz zuvor gebeten, seinem Sohn eine Chance zu geben. Was der Trainer anschließend auf dem Platz sah, überraschte ihn gewaltig.
Im BILD-Podcast „Phrasenmäher“ spricht Wollitz über das erste Training von Leonardo Bittencourt:
„Sein Vater Franklin saß mir gegenüber und sagte: ‚Ey Coach, mein Sohn wird nicht so gefördert, nicht so berücksichtigt, nicht so entwickelt. Und er ist ein richtig guter Kicker.‘ Er bat mich: ‚Guck dir den bitte einmal an. Sonst geht er nach Hoffenheim.‘ Ich habe gesagt: ‚Okay, ich gucke ihn mir an.‘ Dann war Leo beim Training und ich dachte wirklich: Wollen die mich verarschen oder was? Ist das Versteckte Kamera? Keine Ahnung. Der war so gut! Selbst die Mitspieler, die teilweise schon 370 Bundesliga- und Zweitliga-Spiele hatten, haben gesagt: ‚Was ist das?‘ Von diesem Tag an war da diese Liebe, diesen Spieler begleiten zu dürfen. Diese Dankbarkeit, die dieser Mensch in sich getragen hat, Fußballschuhe und ein Trikot anziehen zu dürfen – und dann noch für diesen Klub, für den schon sein Vater gespielt hat. Das hast du in jeder Situation gespürt. Das war außergewöhnlich. Und für mich war klar: Der wird ein großer Spieler.“
Hochbegabt: Energies Leonardo Bittencourt 2011Wollitz spricht im Phrasenmäher außerdem über ...
… seine Rückhol-Aktion bei Bittencourt ...
„Ich habe zu ihm wortwörtlich gesagt: ‚Leo, ich durfte dich so kennenlernen und über Jahre verfolgen. Wenn wir uns getroffen oder mal telefoniert haben, warst du immer dieser bescheidene, bodenständige Typ. Wenn du in der ersten Liga bleibst, okay. Aber bevor du zu einem der anderen 17 Zweitligisten gehst, geh zurück in deine Heimat. Du kannst diesen Aufbruch, diese Euphorie noch einmal untermauern. Und ich trage die Verantwortung dafür, dir eine Mannschaft an die Seite zu stellen, mit der das funktionieren kann.‘ Dann habe ich gesagt: ‚Schlaf eine Nacht darüber.‘ Und dann ging das ratzfatz.“
… seine Aufstiegs-Lüge in Osnabrück ...
„Drei Spieltage vor Schluss spielte Magdeburg gegen Leverkusen. Wir lagen gegen Kiel 0:2 zurück und mussten dieses Spiel gewinnen. Gleichzeitig durfte Leverkusen in Magdeburg nicht verlieren. Dort stand es 0:0, und Leverkusen bekam eine Rote Karte. Ich habe aber zu unseren Jungs gesagt: ‚Es steht 2:0 für Leverkusen.‘ Das war wirklich so. Die haben gesagt: ‚Echt?‘ Und dann hat uns der Fußballgott oder wer auch immer geholfen. Wir haben unser Spiel noch gedreht und 3:2 gewonnen. Und Leverkusen hat tatsächlich nicht in Magdeburg verloren.“
… das heimlich gefilmte Video in Osnabrück ...
„Wir kamen aus Bielefeld zurück. Ich hatte dort angekündigt, dass ich nach der Saison aufhöre, weil es diese Provokationen aus dem Präsidium gab. Nach unserer Rückkehr stellten mich die Fans zur Rede und wollten wissen, warum ich zurücktrete und den Verein verrate. Dann habe ich ihnen die Situation erklärt. Aber dabei hat mir jemand heimlich ein Handy hingehalten und das wurde eins zu eins veröffentlicht. Aus einem Opfer wurde plötzlich ein Täter. Aber zu dem, was ich dort gesagt habe, stehe ich auch heute noch zu 100 Prozent. Zumal es zu 100 Prozent die Wahrheit war. Der Verein hat mich danach zunächst fristlos gekündigt. Gegen diese fristlose Kündigung hätte ich geklagt, aber irgendwann haben wir uns einvernehmlich geeinigt.“
… seinen beinahe perfekten Wechsel zu Eintracht Frankfurt ...
„Als ich das erste Mal Trainer in Cottbus war, war mit Eintracht Frankfurt eigentlich alles ausverhandelt. Das habe ich hinterher zwar nicht bestätigt, es war aber so. Mit Heribert Bruchhagen war eigentlich alles ausverhandelt.“
… die wilde Pokal-Party mit Andreas Brehme 1996 ...
„Nach dem Pokalsieg sind ein paar von uns Spielern losgezogen. Andy Brehme hat den Pokal in eine große Tasche gepackt, vier Security-Leute angerufen und gesagt: ‚Wir gehen jetzt mit dem Pokal in die Stadt.‘ Das ist verbrieft! Wir sind zu einem Italiener gegangen und plötzlich stand da der DFB-Pokal. Wie viele Liter passen da rein? 15? Wir haben das Ding vollgemacht. Wir waren alle sehr angetrunken, einige betrunken. Ich war betrunken. Und dann haben alle Spaghetti aglio e olio gegessen. Jetzt kannst du dir vorstellen, wie es in diesem Pokal aussah. Aber welcher Spieler kann heute noch den Pokal mitnehmen und sagen: ‚Komm, wir gehen jetzt damit in die Stadt‘? Undenkbar. Aber es war so.“
Pokalsieger 1996: Claus-Dieter Wollitz (2.v.l.) und Kapitän Andreas Brehme (3.v.l.)Den Phrasenmäher finden Sie überall, wo es Podcasts gibt (u.a. Spotify und Apple Podcasts).
Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter von Axel Springer (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke