Am letzten Tag der Leichtathletik-Europameisterschaften gab es für Deutschland noch mal eine Überraschungsmedaille. Julia Ulbricht vom 1. LAV Rostock gewann am vergangenen Sonntag im Speerwurf sensationell Silber. Dabei ist Ulbricht nicht mal Kaderathletin des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV).

Nach ihrem Silber-Wurf mit neuer persönlicher Bestweite erzählte sie: „Ich war die ganzen vergangenen Jahre nicht im Bundeskader. Ich bin nach einer Verletzung rausgeflogen, weil ich dann nicht mehr weit genug geworfen habe. Ich habe jedes Jahr eine Kader-Norm gejagt und sie nicht geschafft. Dann ist es auch schwierig, mit nebenher laufendem Studium und ohne Förderung sich so auf den Sport zu konzentrieren, dass man auch seine Miete und seine Rechnungen bezahlt bekommt. Deswegen war ich schon oft an dem Punkt, wo ich mich gefragt habe, ob ich es einfach sein lasse.“

Um sich den Sport überhaupt leisten zu können, jobbt Ulbricht nebenbei auch noch als Babysitterin oder macht als Übungsleiterin Sport mit Kindern. So hat sie sich die Möglichkeit erkämpft, ihren großen Traum zu verwirklichen: „Ich hab’s gehofft, dass es in Erfüllung geht und ich das schaffe. Aber ich habe nicht unbedingt damit gerechnet. Ich bin sehr glücklich und stolz.“ Der Schlüssel zu Silber war im Wettkampf direkt der erste Wurf auf 61,53 Meter. Besser war am Sonntagabend nur die neue Europameisterin Sara Kolak aus Kroatien, die 62,43 Meter schaffte.

„Ich mache Leichtathletik schon immer, weil es mir Spaß macht. Und ich habe das als Kind angefangen, weil ich Freude daran habe. Und deswegen habe ich das auch einfach nie aufgegeben und habe den Spaß wiedergefunden“, sagte die 25-Jährige, die immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden war.

DLV macht Vorgaben für Kader-Aufnahme

Der DLV knüpft die Aufnahme in den Kader an konkrete Leistungen. Im Speerwurf liegt die Norm für die Frauen bei 61,50 Metern. Das hat Ulbricht jetzt geschafft. Als Medaillengewinnerin bei der EM hätte sie aber auch unabhängig von der Weite Anspruch auf einen Platz im Olympiakader gehabt.

Für Sportler hat das eine ganze Reihe von Vorzügen. Dazu gehören unter anderem die Betreuung durch DLV-Bundestrainer, Zugang zu Bundesstützpunkten, medizinische Betreuung und Unterstützung bei der Beschaffung von Ausrüstung. Oft ist die Kaderzugehörigkeit auch Voraussetzung für eine Förderung durch die Deutsche Sporthilfe, die Bundeswehr, Polizei oder Zoll.

Ulbricht sagte: „Ich hoffe, dass vielleicht auch noch mal neue Türen geöffnet werden, dass ich auch zu besseren Wettkämpfen komme und vielleicht Leute auf mich aufmerksam werden und ich eine Chance bekomme, Sponsorenverträge zu bekommen.“

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