Darja Varfolomeev vergoss an der Schulter ihrer Trainerin Freudentränen, nachdem sie sich zum dritten Mal in Serie zur Mehrkampf-Weltmeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik gekrönt hatte – dieses Mal vor heimischem Publikum in Frankfurt. Im Moment des großen Triumphs fiel der gesamte Druck von der 19-Jährigen ab, die für ihre vier Auftritte mit dem Reifen, dem Ball, den Keulen und dem Band insgesamt 119,500 Punkte erhielt und wie schon 2023 und 2025 ganz oben auf dem Podest stand.
„Ich kann meine Gefühle gar nicht beschreiben. Ich habe geweint, ich habe gelächelt – und bin einfach nur dankbar für die Unterstützung. Ich habe tolle Menschen an meiner Seite“, sagte Varfolomeev nach der emotionalen Siegerehrung, bei der sie neben der Medaille auch die Urkunde für den frühzeitig gesicherten Olympia-Quotenplatz 2028 in Los Angeles erhielt. Vor zwei Jahren war Varfolomeev in Paris zudem als erste deutsche Gymnastin Olympiasiegerin im Mehrkampf geworden.
Am Sonntag hat die Ausnahmeathletin, die bei jedem ihrer Auftritte von den 4250 Zuschauern in der ausverkauften Frankfurter Festhalle frenetisch bejubelt wurde, in den Einzelfinals mit Ball, Band und Reifen drei weitere Gold-Chancen.
Beeindruckend und erneut die Beste: Darja VarfolomeevNur den Endkampf mit den Keulen hatte Varfolomeev als Neunte der Qualifikation um 0,3 Punkte verpasst. Entsprechend motiviert ging die Favoritin, die schon die Qualifikation dominiert hatte, in die Mehrkampf-Entscheidung. Am Ende lag sie um 1,900 Zähler vor der Bulgarin Stiljana Nikolowa und erhielt anschließend ihre insgesamt zwölfte WM-Goldmedaille. Bronze ging an Sofia Raffaeli aus Italien.
Wackliger Start von Varfolomeev
Dabei verlief die erste Übung mit dem Reifen nicht nach Plan. Nur 28,300 Punkte gab es von den Wertungsrichtern. Die Unzufriedenheit stand Varfolomeev beim Abgang von der Bühne ins Gesicht geschrieben. Beeindrucken ließ sie sich davon jedoch nicht.
Im Gegenteil: Mit dem Ball lieferte die Europameisterin eine starke und vor allem fehlerfreie Vorstellung ab. Der Lohn waren 30,050 Punkte, die Varfolomeev mit einem erleichterten Lächeln zur Kenntnis nahm und sie wieder näher an die Spitze heranbrachten.
Es folgte die große Keulen-Show: Ausgerechnet bei dem Gerät, mit dem sie am Vortag gepatzt hatte, lieferte Varfolomeev eine überragende Performance ab, für die sie 31,500 Zähler erhielt. Tages-Höchstwert und die Führung nach drei von vier Übungen. Jetzt war mit dem Band Nervenstärke gefragt. Und Varfolomeev lieferte. Danach winkte sie erleichtert ins Publikum und setzte wenig später bereits ein Siegerlächeln auf, als auf der Anzeigetafel 29,650 Punkte aufleuchteten. Der Titel war ihr gewiss – und stand nach einer kurzen Wartezeit dann auch endgültig fest.
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