Samstag, 26. Mai 2018: Loris Karius steht mit Liverpool im Finale der Champions League und hat die Chance auf den größten Titel seiner Karriere. Doch der Abend in Kiew wird für ihn zum Wendepunkt. Liverpool verliert 1:3 gegen Real Madrid, Karius hat einen Totalausfall – und steht auch lange nach dem Abpfiff im Mittelpunkt.

Im Spiel hatte Karius einen Ellbogen abbekommen. Der Torwart entschied sich zwei Minuten später für einen ungewöhnlichen Abwurf. „Das allein war untypisch. Wie oft mache ich so eine Art Abwurf? Ich weiß bis heute nicht, wie das passieren konnte. Dann nahm das Spiel seinen Lauf“, erzählt er im Podcast „TOMorrow“.

Der Ball landete damals bei Karim Benzema, der nur noch einschieben musste. Im Anschluss an das Spiel ließ ihn der Verein zu einem Spezialisten für Kopfverletzungen in die USA fliegen. Dort wurde der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung bestätigt: „Ich sollte mich von einem NFL-Kopfspezialisten untersuchen lassen. Bei 80 % der Untersuchungen kam Tage später noch raus, dass ich eine Gehirnerschütterung hatte.“

Viel Kritik – und auch Häme

Der Klub wollte das öffentlich machen, Karius stimmte zu. Im Nachhinein ein Fehler: „Das wurde mir dann natürlich negativ ausgelegt, ich würde Ausreden suchen.“ Die Debatte um seine Leistung im Champions-League-Finale nahm kein Ende. Immer wieder wurde der damals erst 24-jährige Torwart mit seinen Szenen aus dem Finale konfrontiert. „Alles wurde mir gegenüber negativ ausgelegt. Ich konnte aus dieser Nummer nicht mehr vernünftig rauskommen. Es war nicht machbar.“

Trost nach seinem Patzer: Nancho von Real Madrid kommt am 26. Mai 2018 zu Loris Karius. Dem Keeper vom FC Liverpool war im Finale ein Fehler unterlaufen

Auch der Versuch, sich aus den sozialen Medien zurückzuziehen, half nicht. „Ich habe versucht, das Handy wegzulegen, aber wurde immer wieder damit konfrontiert. Leute sprechen dich darauf an und merken dabei nicht, wie scheiße es ist, jedes Mal daran erinnert zu werden.“

Die Folgen beschränkten sich nicht auf Kritik und Häme. Karius berichtet auch von massiven Drohungen gegen ihn und seine Familie. „Ich hatte damals wirklich ein paar Tage lang Polizeischutz vor dem Haus. Es gab Morddrohungen gegen mich und meine Familie. Ich wurde 24/7 beschützt.“

Auch sportlich fand der Torwart in Liverpool keinen Weg zurück in seine frühere Position. In der folgenden Saison wurde ein neuer Keeper verpflichtet. Für Karius war damit klar, dass ein Abstand notwendig geworden war. „Ich wusste dann, es ist nicht mehr richtig hier. Ich brauche Abstand.“

Über die Bedeutung des Finales für seine weitere Laufbahn sagt Karius heute rückblickend: „Das hat mir damals komplett das Genick gebrochen.“

Langer Weg zurück in die Bundesliga

Es folgten Stationen bei Besiktas, Union Berlin und Newcastle United. Zwischenzeitlich stand Karius ohne Verein da. Erst im Januar 2025 führte sein Weg zu Schalke 04, dort, wo seine Karriere wieder in Fahrt kam.

Auf Schalke wurde Karius zur Nummer eins und war Teil der Mannschaft, die den Aufstieg schaffte. Nun steht er wieder vor der Rückkehr in die Bundesliga – allerdings mit einer anderen Perspektive auf seine eigene Karriere. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre möchte Karius nicht ausblenden: „Alles, was auch passiert ist, gehört auch zu mir.“

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Auch seine sportlichen Ziele formuliert der 33-Jährige bewusst zurückhaltend. Mit Schalke gehe es zunächst darum, in der Bundesliga zu bestehen. „Mit Schalke will ich den Klassenerhalt schaffen. Es tat uns gut, kleine Brötchen zu backen. Das sollten wir weiterhin tun.“

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