Robert Andrich zählt zu den ungewöhnlichsten Karrieren im deutschen Profifußball. Der heute 31-Jährige spielte einst in der Regionalliga für Hertha BSC II, schaffte über Stationen in Dresden, Wiesbaden, Heidenheim und Union Berlin den Sprung in die Bundesliga und wurde bei Bayer Leverkusen zum Nationalspieler. Unter Xabi Alonso gewann der defensive Mittelfeldspieler 2024 die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal, gehörte anschließend zum deutschen Kader bei der EM 2024.

Vor der neuen Saison befindet sich Andrich in einer spannenden Phase seiner Laufbahn. Nach einem schwierigen Jahr mit wechselnden Rollen, Spekulationen über einen möglichen Vereinswechsel und einem neuen Trainer kämpft der Kapitän aus der Vorsaison um seinen Platz im zentralen Mittelfeld. Gleichzeitig hofft er auf ein Comeback in der Nationalmannschaft unter Jürgen Klopp.

Frage: Herr Andrich, in der Nationalmannschaft gibt es den Neuanfang mit Jürgen Klopp. Er sprach von 57 Feldspielern, die er sich angeschaut hat. Gehören Sie dazu?

Robert Andrich: Das weiß ich nicht. Aber ich hoffe natürlich, dass ich demnächst wieder zum Kreis der Nationalmannschaft gehöre. Das ist für jeden Spieler das große Ziel. Wenn du schon mal dabei warst, willst du wieder hin. Wenn nicht, willst du es zum ersten Mal schaffen. Ich will mich so zeigen, dass ich wieder dazugehöre.

Frage: Sie waren während der WM mit Klopp für Magenta TV tätig, kennen ihn gut. Mit welchen Qualitäten können Sie ihm und der Nationalelf helfen?

Andrich: Wenn ich fit bin, wenn ich agil bin, wenn ich aggressiv bin, dann bringe ich einiges mit, was er in seiner Mannschaft haben möchte und was für ihn interessant sein könnte.

Seit Wochen war es nur noch Formsache: Jürgen Klopp ist neuer Trainer der deutschen Nationalmannschaft – und stellt sich auf der DFB-Pressekonferenz den Fragen der Journalisten.

Frage: Ist es ein Vorteil, dass Sie in Leverkusen wieder im Mittelfeld und nicht mehr in der Abwehr eingeplant sind?

Andrich: Ich bin der Meinung, dass meine Stärken auf der Position im defensiven Mittelfeld am besten zum Tragen kommen. Deshalb bin ich froh, wenn ich wieder dort spielen kann. Im Mittelfeld fühle ich mich am wohlsten und versuche, dort wieder in meinen Rhythmus zu kommen.

Frage: Wie ist die Kommunikation mit dem neuen Trainer Carles Martínez?

Andrich: Wir haben während des Urlaubs ein Gespräch geführt. Ich wollte sofort wissen, wie es um meine Person aussieht, wo er mich sieht. Simon Rolfes (Sportchef; d. Red.) hatte mir schon vorher gesagt, dass es wegen der Systemumstellung eher nach Mittelfeld aussieht. Klar ist aber auch: Wir haben sehr viele Spieler im Mittelfeld. Jeder muss seine Leistung bringen, um spielen zu können.

Frage: Es gab Spekulationen, dass Sie in diesem Sommer den Verein wechseln könnten. Wie ist es damit?

Andrich: Ich war noch nie ein Freund des Weglaufens. Vergangenes Jahr wurde darüber diskutiert, dieses Jahr auch wieder. Ich lasse das nicht an mich ran. Wichtig ist nur, wie der Trainer und der Verein mich sehen. Solange mich niemand vom Hof jagt oder ich das Gefühl habe, etwas Neues machen zu müssen, werde ich einen Wechsel nicht forcieren.

Frage: Wie ist Ihr Gefühl im Moment?

Andrich: Dass Interesse anderer Vereine an mir besteht, ist klar. Natürlich sagt mir mein Berater auch, wer sich gemeldet hat.

Frage: Wir hatten darüber berichtet, dass Frankfurt zu den Interessenten zählte.

Andrich: Da ist viel geschrieben worden. Ich kann sagen, dass ich nicht in die direkten Gespräche gegangen bin.

Frage: Weil Sie sich in Leverkusen behaupten wollen?

Andrich: Ich möchte für mich die beste sportliche Situation finden. Ich möchte möglichst viel für mich erreichen. Wir haben einen neuen Trainer, einen neuen Stab und neue Spieler. Jeder will wissen, wohin die Reise geht. Ich lege mich jetzt nicht fest, weil ich nicht weiß, was bis zum Ende der Transferfrist passiert. Sicher ist aber: Ich fühle mich im Verein sehr wohl und meine Familie lebt sehr gerne in dieser Region. Entscheidend ist meine Perspektive im Verein. Im Moment sehe ich keine Tendenz.

Frage: Es wirkt so, als würden Sie auch beim neuen Trainer vorangehen. Stimmt der Eindruck?

Andrich: Ich denke, dass wir den Trainerwechsel als Chance sehen sollten. Er bringt mit der Vierer- statt der Dreierkette in der Abwehr etwas Neues rein. Wir müssen uns an andere Abläufe gewöhnen. Ich spüre, dass wir eine gute Energie in der Mannschaft haben und einen gesunden Konkurrenzkampf. Es ist aber auch klar, dass wir noch ein paar Spieler zu viel im Kader haben.

Frage: Mit Ihrer Spielweise passt der defensive Part im Mittelfeld am besten zu Ihnen. Dort gibt es kein Überangebot.

Andrich: Ich schaue jetzt, was der Trainer wirklich von den drei Spielern im Mittelfeld fordert. Ich bin grundsätzlich derjenige, der sich vor der Abwehr am wohlsten fühlt. Von diesen Spieltypen haben wir nicht so viele, das stimmt.

Nach dem Aus der deutschen Mannschaft findet Robert Andrich klare Worte über den Zustand der Nationalmannschaft. „Die Frage ist, ob wir noch dahin gehören, wo wir uns immer sehen“, sagt Andrich.

Frage: Führungsspieler gibt es in Leverkusen auch nicht im Überfluss. Sie waren in der vergangenen Saison der Kapitän. Welche Bedeutung hat die Binde für Sie?

Andrich: Es ist eine Ehre, dieses Amt ausführen zu dürfen. Auch wenn es im letzten Jahr nach dem großen Umbruch vielleicht ein wenig den Anschein hatte: Der Andrich war der letzte, der noch da war, dem man die Binde geben konnte. Ich hatte dieses Gefühl nicht.

Frage: Hat die Rolle Sie – vor allem in den schwierigen Phasen – nicht belastet?

Andrich: Da wurde zu viel hineininterpretiert, weil ich schwierige Situationen hatte wie den Platzverweis beim 2:7 in der Champions League gegen Paris. Das wurde alles in einen Topf geworfen und geschlussfolgert, dass ich gehemmt sei.

Frage: Wie war es wirklich?

Andrich: Ich hatte zum ersten Mal die Binde in einem großen Verein. Dazu in einer Saison, in der viel nicht nach Plan lief (Platz 6; d. Red.). Aber es war nicht so, dass die Binde mich belastet hat. Ich habe die Kapitänsrolle nach einiger Zeit als normal empfunden.

Frage: Wollen Sie der Kapitän bleiben?

Andrich: Ich würde die Binde gerne weiterhin tragen und die Mannschaft in einer erfolgreicheren Saison auf den Platz führen.

Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD AM SONNTAG.

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