Als sich Florian Wellbrock aus dem Wasser stemmte – hoch auf den Steg, hinaus aus der Seine –, war von den Strapazen der knappen letzten Stunde wenig zu sehen. 55:40,2 Minuten hatte er für die fünf Kilometer im Fluss durch Paris gebraucht. Wieder Boden unter den Füßen, reckte er die Arme triumphal nach oben.

Für Wellbrock ist es nach seinem Sieg über die olympischen zehn Kilometer der zweite Titel im zweiten Freiwasserrennen dieser Europameisterschaften. Der 28-Jährige gewann erneut in beeindruckender Manier und wehrte zum Ende die Angriffe der Konkurrenz ab.

Der Olympiasieger von 2021 setzte sich wie am Vortag vor dem Ungarn David Bethlehem durch. Dritter wurde Gregorio Paltrinieri aus Italien. Oliver Klemet, der am Dienstag Dritter über zehn Kilometer gewesen war, schwamm dieses Mal auf Platz zehn.

Wellbrock: Probleme und Platz zehn im Weltcup

Dass Wellbrock so abräumt, war nicht zu erwarten gewesen – er zeigt dieser Tage in der Seine aber, dass er auch ohne optimale Vorbereitung mehr als nur konkurrenzfähig ist. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Saison für ihn alles andere als optimal gelaufen: Den ersten Weltcup hatte er noch gewonnen, danach aber mit Problemen zu kämpfen gehabt und war mehrmals krankheitsbedingt ausgefallen. Am Ende blieb ihm nur Platz zehn in der Weltcupgesamtwertung. Seine Form konnte er vor Paris deshalb schwer einschätzen.

Ein Stilist im Wasser: Florian Wellbrock

Wie schon am Vortag setzte er sich aber auch im zweiten Freiwasserrennen dieser Titelkämpfe erneut früh an die Spitze des Feldes. Mit Tempoverschärfungen und -drosselungen zermürbte er das Feld. Als er auf der letzten Runde erneut Bethlehems Angriffsversuch scheinbar mühelos abblockte, war der zweite EM-Sieg in Paris perfekt.

Zwei Freiwasserwettbewerbe folgen noch: der Knock-out-Sprint am Freitag sowie die Staffel am Samstag. Der Knock-out-Sprint ist ein noch junges Format – ein Ausscheidungsrennen über insgesamt 3000 Meter. Es teilt sich in drei Runden auf (1500 m, danach 1000 m und ein Finale über 500 m), bei denen jeweils die langsameren Schwimmer ausscheiden.

Das letzte Weltcuprennen in diesem Wettbewerb gewann Oliver Klemet. Am Start sein wird am Freitag auch Johannes Liebmann, der 19 Jahre alte Senkrechtstarter aus dem deutschen Team. Seine Hauptrennen folgen dann in der kommenden Woche im Becken.

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