Wales machte den Anfang, nun folgen offenbar weitere Nationen. Der Widerstand gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino wächst rasant – und zwar nicht hinter den Kulissen, sondern öffentlich und schriftlich. Am Montagmorgen hatte der walisische Fußballverband dem Schweizer offiziell die Gefolgschaft entzogen, mit England soll nun eines der größten Schwergewichte im Weltfußball folgen.
Der englische Verband (FA) bereitet laut Sky News derzeit ein Schreiben vor, in dem er Infantino die Unterstützung für die Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten beim Kongress im kommenden März entzieht.
Infantino wollte Anteile an den Premium-Produkten des Weltverbandes an private Investoren verkaufen. Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war. Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka, verheiratet ist, hätte über seine Investmentfirma Thrive eine Schlüsselrolle übernehmen sollen.
Nach einer Empörungswelle auch im eigenen Haus zog Infantino das Vorhaben zurück. Der seit 2016 amtierende Verbandschef steht jetzt massiv in der Kritik, der Fifa-Boss wackelt bedenklich.
„Versagen, das wir nicht akzeptieren können“
Der walisische Fußballverband FAW erklärte nun als erste Organisation, Infantino nicht mehr wählen zu wollen. „Die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen“, zitierte Sky den Verband.
Der Co-Gastgeber der EM im kommenden Jahr im Vereinigten Königreich und Irland bestätigte demnach „den Entzug seiner Unterstützung für die Kandidatur von Herrn Gianni Infantino zur Wiederwahl als Fifa-Präsident für die Amtszeit 2027 bis 2031.“ Dies habe der Verband der Fifa auch schriftlich mitgeteilt: „Das Wohl des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können.“
Der Fußball-Weltverband FIFA gibt seine umstrittenen Investorenpläne auf. Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt, erklärte Verbandspräsident Gianni Infantino.England scheint nun zu folgen. Das hätte enormes politisches Gewicht. Die einflussreiche FA gab sich in Sachen Fifa und Infantino bislang eher diplomatisch. Auch vom Deutschen Fußball-Bund gibt es deutliche Kritik, jedoch noch keine klare Aussage, Infantino die Stimme zu entziehen.
Für DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig sei Infantino nicht mehr tragbar. Dem „Stern“ sagte er: „Ich kann nur auf die Erklärung der Uefa verweisen. Dort ist von einem Vertrauensverlust die Rede. Damit ist eigentlich alles gesagt. Wenn Mitglieder öffentlich erklären, dass sie kein Vertrauen mehr in die Führung haben, ist das ein sehr deutliches Signal.“
Uefa-Schreiben ging auch an Kushner
Der europäische Dachverband, der auf offene Konfrontation zur Fifa gegangen ist, hat mittlerweile juristische Schritte eingeleitet. Wie „Telegraph“ und die „Financial Times“ berichten, hat die Uefa den Weltverbandspräsidenten aufgefordert, sämtliches Material im Zusammenhang mit dem Vorhaben nicht zu vernichten.
In dem Schreiben, das auch Technologieinvestor Kushner zuging, heißt es: „Die Uefa teilt hiermit förmlich mit, dass sie aktiv die Einleitung rechtlicher Schritte, eines Schiedsverfahrens und/oder Beschwerden bei den zuständigen Aufsichtsbehörden (zusammen die ‚Verfahren‘) prüft. Diese beziehen sich auf den von der Fifa vorgeschlagenen FFE-Plan sowie auf alle damit in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten, die nachstehend näher erläutert werden.“
Weiter heißt es an den Weltverband gerichtet: „Sie und die Fifa sind verpflichtet, unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sämtliche in diesem Schreiben bezeichneten Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen zu identifizieren, aufzufinden und zu sichern, die sich in Ihrem oder im Besitz, Gewahrsam oder unter der Kontrolle der Fifa befinden.“
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke