Mit seinen blonden Locken sieht Marcel Siem ewig jung aus. Aber der mit 45 Jahren älteste deutsche Spieler auf der DP World Tour bekommt jetzt doch das Alter zu spüren. Sechs Siege feierte er bereits auf der höchsten europäischen Tour, aber der bislang letzte liegt schon zwei Jahre zurück. Jetzt sagt der Ratinger: „Mein Kopf will gewinnen, aber mein Körper lässt es noch nicht zu.“
Siem muss zugeben: „Ich bin schon 45 Jahre alt und erhole mich nicht mehr so schnell von schweren Verletzungen.“ 2024 unterzog er sich einer Hüft-OP. Und die Auswirkungen hielten an: „Die Hüfte hatte sich wieder verschoben.“ Das bereitete ihm Anfang des Jahres große Probleme: „Ich habe mich durchgekämpft, aber irgendwann haben wir uns entschieden, dass es keinen Sinn macht.“ Nach dem Turnier Ende April in China, bei dem er aufgeben musste, legte er eine vierwöchige Pause ein: „Ich habe nur Reha, Yoga und Pilates gemacht, überhaupt kein Golf gespielt.“
Das bekommt Siem nun zu spüren: „Ich muss wieder zu Kräften kommen. Das nervt ziemlich. Man sieht das ja auch an den Ergebnissen der letzten Turniere.“ Sechsmal ging er an den Start, schaffte aber nur zweimal den Cut. Seine beste Platzierung war dabei der geteilte 32. Rang bei den KLM Open in den Niederlanden. Sein größtes Problem: Siem schlägt die Bälle nicht mehr so weit wie früher. „Die gleiche Schlägerkopfgeschwindigkeit zu haben, die Schnellkraft wieder zu haben wie früher, ist nicht einfach und sehr, sehr frustrierend, das muss ich zugeben.“
Stretching auf der Runde: Siem im Januar in DubaiEr erklärt es am Beispiel seines Drivers: „Ich brettere voll drauf, und der Ball geht maximal 270 Meter durch die Luft, wo er früher 295, 300 Meter ging. Was soll ich da machen?“ Die Auswirkungen bekommt er natürlich auf dem Golfplatz zu spüren: „Ich kann heute nicht mehr über Bunker schlagen, bei denen ich früher mit einem Holz 3 herübergekommen bin. Das ist mental richtig schwer, damit umzugehen.“
Siem greift öfter zu Schmerztabletten
Siem war immer ein sehr emotionaler Spieler, zeigte seine Freude auf dem Platz und spielte auch gerne mit den Zuschauern. Er fühlte sich stets pudelwohl, wenn er auf der Turnierrunde von vielen Fans unterstützt wurde. Das zu genießen wird nun noch schwieriger, da er an jedem Loch um einen guten Score kämpfen muss.
Damit seine Schnellkraft wiederkommt, geht Siem nach jeder Turnierrunde noch bis zu anderthalb Stunden auf die Driving Range und schlägt Bälle. Er wird dadurch zwar schneller, aber es hat auch negative Auswirkungen: Durch die Extraschicht bekommt er am nächsten Tag Muskelkater: „Auf den ersten Löchern wird mein Rücken fest.“ Deshalb greift er auf der Runde öfter zu Schmerztabletten.
Doch das hält ihn nicht davon ab, weiterzumachen. Denn Siem ist trotz aller Probleme voll motiviert: „Ich will wieder dahin, wo ich mal war. Dafür muss ich viel Speedtraining machen, aber so, dass ich danach keinen Muskelkater habe.“
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