Es ist das berühmteste Etappenrennen, zum 113. Mal findet es dieser Tage statt – die Tour de France. Von Barcelona bis Paris läuft die aktuelle Rundfahrt, die am Sonntag auf den Champs-Élysées in der französischen Metropole endet.
Vor 36 Jahren riss Olaf Ludwig dort die Arme hoch, als er zum Tour-Finale als Sieger über die Ziellinie fuhr. Ludwig, 66 Jahre alt, ist einer der erfolgreichsten deutschen Radrennfahrer überhaupt: Olympiasieger 1988, zweifacher Sieger der Friedensfahrt, Tour-de-France-Etappensieger – und Gewinner des Grünen Trikots 1990 für den punktbesten Fahrer.
Erfolgreiches Debüt: Olaf Ludwig gewann bei seiner ersten Tour de France das Grüne TrikotAls erster Deutscher überhaupt gewann er in dieser Wertung. Und das, obwohl er bei seiner ersten Tour eigentlich nach der ersten Woche aussteigen sollte – und niemand im Team es für möglich hielt, dass er es als Sprinter über die Alpen und Pyrenäen schafft. Ludwig war bei seinem neuen Team Panasonic nur für das Mannschaftszeitfahren für die „Grand Boucle“ nominiert worden.
Als er nach einer Woche aber das Grüne Trikot trug, blieb er im Rennen und zog bis Paris durch, auch auf Bitten des Teams. Und trotz großer Qualen hinauf nach Alpe d’Huez. Er erreichte das Ziel 37 Sekunden vor dem Zeitlimit.
Heute lebt er in seiner Heimatstadt Gera, ist als Botschafter und Organisator von Radreise-Events aktiv, tritt gelegentlich bei Talks und Vorträgen auf – und verfolgt aktuell natürlich die Tour de France. „Erfolg kann man heute nur noch im Team haben“, sagte er im Podcast WELTMeister.
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Gerade in Bergphasen und Krisenmomenten seien Helfer entscheidend. Teamkollegen, so Ludwig, helfen Fahrern wie ihm nicht nur physisch, sondern vor allem mental.
Ludwig bemängelt fehlende Strukturen
Der frühere Radprofi weiß, wie kritisch der Radsport ob der Dopingvergehen vieler prominenter Radsportler in den vergangenen Jahren beäugt wird. Aber er findet: „Der Radsport wird strenger beurteilt als andere Sportarten.“ Ludwig ist ein kritischer Zeitgeist – und klar in dem, was er sagt. Als es im Podcast um die Strukturen im deutschen Sport geht, sagt er: „Die Strukturen müssen radikal geändert werden.“ Er sieht die Hauptprobleme nicht bei den Talenten („Davon gibt es viele“), sondern in den Rahmenbedingungen und beim Übergang in den Erwachsenenbereich.
Fehlender Stellenwert: Olaf Ludwig sorgt sich um den Leistungssport in Deutschland„Deutschland tut sich zunehmend schwer, Spitzenleistung hervorzubringen“, sagt Ludwig in Bezug auf die Entwicklung des deutschen Sports und der Leistungskultur. Deutschland würde in vielen Sportarten seine Vorbilder verlieren. Auch sieht er einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Leistung. Viele vierte Plätze seien Ausdruck struktureller Probleme. Nach Olympischen Spielen würde es immer dieselben Diskussionen geben, moniert Ludwig, dennoch würde sich kaum etwas ändern. „Nachwuchssportler schaffen den Übergang in den Erwachsenenbereich oft nicht“, sagt der ehemalige Radsportler. Viele Talente würden nicht am Können scheitern, sondern an Alltagsproblemen – etwa mit Blick auf die Finanzierung ihres Lebens.
Was die Entwicklung des Nachwuchses betrifft, plädiert Ludwig für Bewegung im Kindesalter. Er fordert einen pragmatischeren Umgang mit dem Sport und der motorischen Entwicklung von Kindern. Zu oft, sagt Ludwig, würden die Themen Bewegung und Sport ideologisch diskutiert. „Kinder müssten sich bewegen lernen“, sagt er – und etwas zugespitzt: „Ein Purzelbaum hat nichts mit der DDR zu tun.“
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