Jasper Philipsen ließ sich überglücklich auf den Asphalt in Voiron fallen, nachdem der einstige Sprintkönig doch noch zu seinem Happy End bei der Tour de France gerast war. „Es ist immer seltsam nach so einer langen Leidenszeit zu gewinnen, aber du darfst nie aufgeben, musst immer kämpfen. Ich bin sehr stolz, sehr glücklich, dass ich es am Ende geschafft habe“, sagte der belgische Highspeed-Sprinter nach seinem Sieg auf der 17. Etappe.
Nach all den Pleiten, Pech und Pannen hat es Philipsen bei der letzten Chance für die Sprinter doch noch geschafft. „Ich war in der Phase des Misserfolgs nicht leicht zu ertragen für meine Mannschaftskameraden. Jeden Abend war ich über mich selbst enttäuscht, aber die Kollegen haben mich unterstützt und aufgeheitert“, berichtete Philipsen.
„Über mich selbst enttäuscht“: Sieger Jasper Philipsen sparte nicht mit SelbstkritikEinen Tag nach dem dramatischen Sturz-Aus von Florian Lipowitz siegte der Sprinter nach 174,7 Kilometern vor dem Schweizer Mauro Schmid und dem Niederländer Olav Kooij. Philipsen, der nun elfmaliger Tour-Etappensieger ist, musste lange auf sein Erfolgserlebnis warten. In den ersten Sprints war er trotz Super-Anfahrer Mathieu van der Poel nicht konkurrenzfähig. Schon bei der Tour 2025 war es für den 28-Jährigen nicht nach Wunsch gelaufen. Zum Auftakt hatte er zwar die Etappe und das Gelbe Trikot geholt, zwei Tage später musste er nach einem Sturz mit einem Schlüsselbeinbruch und einer Rippenfraktur aufgeben. Am Mittwoch platzte endlich der Knoten.
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„Es war eine emotionale Achterbahnfahrt. Ich musste lange warten. Und diesen Sieg gebe ich dem Team, das trotzdem immer an mich geglaubt hatte“, bedankte sich Philipsen, der an den Triumph eine Stunde zuvor gar nicht mehr geglaubt hatte: „Dieser Sieg kostet mich ein paar Jahre meines Lebens. Ich dachte, die Etappe sei für mich längst gelaufen.“
Mit seinem Etappensieg macht der Belgier auch den Kampf um das Grüne Trikot extrem spannend. Mads Pedersen, der rund 40 Kilometer vor dem Ziel den mit 25 Punkten dotierten Zwischensprint aus einer Ausreißergruppe heraus gewann, führt die Punktewertung weiterhin an, Philipsen ist auf Platz zwei aber nur noch sieben Zähler entfernt. „Ich werde bis zum Sonntag kämpfen“, so Philipsen.
Favoriten mit Bummel-Etappe
Die Favoriten um Spitzenreiter Tadej Pogacar gönnten sich vor den drei schweren Alpen-Etappen einen „Ruhetag“ und erreichten mit einem Rückstand von fast neun Minuten das Ziel. Damit liegt der slowenische Weltmeister im Gesamtklassement weiter 4:32 Minuten vor Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel aus Belgien. Dritter ist Pogacars Teamkollege Isaac del Toro aus Mexiko mit einem Rückstand von 6:51 Minuten.
Für den deutschen Hoffnungsträger Lipowitz hatte das Frankreich-Abenteuer bereits am Dienstag auf dem harten Asphalt ein jähes Ende gefunden. Der 25-Jährige, der bei seinem Sturz im Einzelzeitfahren einen Schlüsselbeinbruch erlitt, wurde bereits operiert. Lipowitz muss mit einer Zwangspause von mindestens sechs Wochen rechnen, womit die Saison für ihn quasi gelaufen ist.
Er sei „mega enttäuscht“, berichtete Teamchef Ralph Denk beim Start der 17. Etappe. „Er ist noch im Krankenhaus und wird dort voraussichtlich noch die Nacht verbringen.“
Engelhardt bestätigt gute Form
Auf der Fahrt nach Voiron war der Kampf um einen Platz in der Ausreißergruppe groß. Lange Zeit war der deutsche Meister Felix Engelhardt mit dabei, am Ende freute er sich über Platz zwei seines Teamkollegen Schmid. „Der Sieg wäre mega gewesen. Wir haben alles richtig gemacht, waren in allen entscheidenden Gruppen und auch im Sprint dabei“, sagte Engelhardt in der ARD und ergänzte mit Blick auf seinen Ausreißversuch in einer exquisiten Gruppe: „(Jasper) Stuyven und (Mads) Pedersen haben Monumente gewonnen. Ich bin da die kleinste Kerze auf dem Kuchen.“
Kleine Kerze: Felix Engelhardt fuhr lange in der Gruppe des TagesAb Donnerstag geht es in die Alpen, wenn erst die Bergankunft in Orcières-Merlette und danach das doppelte Spektakel im Radsport-Mekka Alpe d'Huez ansteht. Dann sind die Stars der Branche gefordert. Pogacar scheint auf dem Weg zum fünften Toursieg kaum mehr zu stoppen zu sein.
„Ich habe immer gesagt, wenn irgendwas ist, dann muss man auf der Hut sein. Aber Mann gegen Mann sehe ich da keine Chance“, meinte auch Denk mit Blick auf seinen Kapitän Evenepoel. Auf einen prominenten Helfer kann Pogacar aber aktuell nicht zählen. Adam Yates machte am Mittwoch schlapp und fuhr weit hinter dem Feld.
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