Die Fußballwelt ist sich einig: Spanien ist verdient Weltmeister geworden. Die Iberer wurden es in einem Finale, das sicherlich nicht in die Geschichte des Spiels eingehen wird. 1:0 nach Verlängerung hieß es am Ende gegen ein macht- und ideenloses Argentinien. Messis Mannschaft erweckte von der ersten Minute an den Anschein, dass sie hier nur ein Ziel kennt: das Elfmeterschießen erreichen. Und wenn sich auf dem Weg dahin der ein oder andere Spanier verletzt, dann ist das halt so.
Dass die Südamerikaner mit ihrer zutiefst destruktiven Spielweise nicht durchkamen, war eine gute Nachricht. Und es ist ebenso gut, dass dies auch der ein oder andere Beteiligte einsah – der Trainer etwa. Lionel Scaloni sagte: „Natürlich hätten wir gerne gewonnen, aber man muss das Ergebnis anerkennen.“
Das sahen nicht alle seine Landsleute so. Beispielsweise Leandro Paredes, der nach Abpfiff ein wenig Amok lief und auf seine spanischen Gegenspieler losging, als die gerade den Titel feiern wollten. Oder auch Nicolas Otamendi. Der 38 Jahre alte Routinier übte Kritik. Jedoch nicht an der eigenen Mannschaft, die in der regulären Spielzeit nicht ein einziges Mal aufs Tor geschossen hatte. Auch nicht an seinem Mitspieler Enzo Fernández, der sich mit einem Foul an der Mittellinie eine Gelb-Rote Karte eingehandelt und damit eine schwache Mannschaft noch schwächer gemacht hatte.
„Die ganze Woche hast du geheult“, schimpft Otamendi
Nein, Otamendi ging auf die Spanier los und schimpfte sie Heulsusen. Der Weltmeister von 2022, bekannt für eine härtere Gangart, baute sich nach Abpfiff vor Spaniens Kapitän Rodri auf. Die beiden waren mal Teamkollegen bei Manchester City, und Rodri wollte dem alten Weggefährten die Hand reichen. Doch danach war Otamendi nicht.
Falls Sie einen guten Verlierer suchen, tun Sie es nicht auf diesem Bild„Die ganze Woche hast du geheult. Du und (Aymeric) Laporte, ihr beide“, giftete Otamendi. „So etwas macht man nicht, du hast bei den Schiedsrichtern gejammert, mein Freund.“ Rodri, der später zum besten Spieler der WM gekürt wurde, reagierte mit weit aufgerissenen Augen auf die Vorwürfe auf dem Rasen im Finalstadion von East Rutherford.
Er hatte in der Pressekonferenz vor der Partie gesagt, dass er davon ausgehe, dass Argentinien fair spielen würde. Wenn es aber hitzig würde, müssten sie das ignorieren. „In den letzten Spielen haben wir Dinge gesehen, die uns wirklich überrascht haben“, hatte Laporte betont. „Vor allem bei Argentinien, einer Mannschaft, die mit ihren Zweikämpfen viele kleine Botschaften sendet.“
Genauso traten Otamendi und seine Kollegen dann auch auf. Und benachteiligt wurden sie vom Schiedsrichter ganz sicher nicht, vielmehr hätte auch Paredes noch Gelb-Rot sehen können. Die Wahrheit tut manchmal aber weh.
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